Impfpflicht für Pflegende? Söder verteidigt Vorstoß

München - Die von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (53, CSU) ins Gespräch gebrachte Impfpflicht für Pflegekräfte wird von deren Berufsverbänden abgelehnt.

Ein Arbeitsplatz zur Vorbereitung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 ist in einem Impfzentrum zu sehen.
Ein Arbeitsplatz zur Vorbereitung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer gegen das Corona-Virus SARS-CoV-2 ist in einem Impfzentrum zu sehen.  © Sven Hoppe/dpa

"Die Impfung gegen Corona muss eine freiwillige Entscheidung jedes einzelnen Menschen bleiben, und das muss auch für die Pflegenden gelten", betonte die Geschäftsführerin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe Südost, Marliese Biederbeck, am Dienstag.

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern sprach sich ebenfalls gegen eine solche Impfpflicht aus. Stattdessen brauche es mehr Aufklärung.

Nur durch Überzeugung könne man einen wirksamen Schutz besonders gefährdeter Gruppen erreichen, erläuterte Verbandspräsident Georg Sigl-Lehner.

"Auch wir können eventuell auftretende unerwünschte Nebenwirkungen der Impfung nicht einfach leugnen. Aber wir können ihnen die belegten und bekannten Risiken einer Corona-Infektion nüchtern entgegenhalten und so Überzeugungsarbeit leisten."

Das Bayerische Rote Kreuz, das zahlreiche Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste im Freistaat betreibt, sieht die verhältnismäßig niedrige Impfbereitschaft unter den Pflegekräften ebenfalls in einer nicht ausreichenden Aufklärung begründet.

Berechtigte Unsicherheiten und Fragen müssten daher ausgeräumt werden. "Eine Impfpflicht ist der falsche Weg."

Derweil schlägt eine angebliche "Impfpflicht-Ankündigung" für pflegende Angestellte in Brandenburg hohe Wellen (TAG24 berichtete).

Update 15.50 Uhr: Söder verteidigt Vorstoß für mögliche Impfpflicht für Pflegekräfte

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt sich vor Beginn einer Pressekonferenz eine FFP-2 Maske, die mit dem bayerische Staatswappen auf der Vorderseite bedruckt ist, vom Gesicht ab.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern, nimmt sich vor Beginn einer Pressekonferenz eine FFP-2 Maske, die mit dem bayerische Staatswappen auf der Vorderseite bedruckt ist, vom Gesicht ab.  © Peter Kneffel/dpa

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat seinen Vorstoß für eine möglich Impfpflicht für Pflegekräfte verteidigt.

"Ich werbe da für eine konsequente und offene Diskussion", sagte Söder am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in München.

"Es ist wie immer in solchen Dingen, es wird zunächst mal gesagt: Nein, geht gar nicht. Also entweder wollen wir jetzt Corona besiegen oder wir wollen es nicht besiegen."

Deshalb müsse zumindest die Debatte sein. "Ob es dann kommt, muss der Bund entscheiden." Eine allgemeine Corona-Impfpflicht lehnte Söder erneut ausdrücklich ab.

"Wir haben eine Impfpflicht bei Masern, dafür gibt es gesetzliche Grundlagen im Bund", argumentierte Söder. Und er verwies darauf, dass der Ethikrat selbst gesagt habe, man könnte sich eine klar abgegrenzte Impfpflicht vorstellen.

Mit Blick auf die derzeitige Impfbereitschaft unter den Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen sagte er: "Sollte sich die Impfbereitschaft dramatisch verbessern, ist es sicher nicht notwendig".

"Aber wenn es so bleibt auf dem Level die nächsten Monate, dann ist das einfach der Bereich, der die größte Anfälligkeit hat und die größte Herausforderung ist."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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