Mittel zur Wahl: So bleiben Vereine in Bayern handlungsfähig

München - Briefwahl statt Online-Meeting: Die Vereine in Bayern dürfen sich wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht treffen; wichtige Vereinsangelegenheiten könnten sie zwar mit einer digitalen Mitgliederversammlung klären, doch viele setzen auf die Briefwahl - oder warten auf das Ende des Lockdowns, wie eine Umfrage unter Verbänden ergab.

Auf einem Stimmzettel sind zwei Kreuze zu sehen. Die Vereine in Bayern dürfen sich wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht treffen. (Symbolbild)
Auf einem Stimmzettel sind zwei Kreuze zu sehen. Die Vereine in Bayern dürfen sich wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht treffen. (Symbolbild)  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Rechtlich ist eine Mitgliederversammlung per Videokonferenz bereits seit dem ersten Lockdown im Frühjahr möglich. Der Bundestag hat die entsprechenden Regelungen, dass Vereinsangelegenheiten auch per Online-Abstimmung geklärt werden können, noch einmal bis Ende 2021 verlängert.

Zuvor konnten Mitglieder ihre Stimme - beispielsweise bei Vorstandswahlen - nur abgeben, wenn sie persönlich bei der Versammlung dabei waren.

Wenn eine Feuerwehr einen neuen Kommandanten wählen muss, empfiehlt der Landesfeuerwehrverband (LFV) eine Briefwahl. Grundsätzlich sei zwar auch eine Online-Mitgliederversammlung möglich, sagte Landesgeschäftsführer Uwe Peetz, doch die Organisation sei viel aufwendiger, da sichergestellt sein müsse, "dass auch wirklich jedes Mitglied an der virtuellen Versammlung teilnehmen kann".

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Die Feuerwehr im oberbayerischen Partenkirchen zum Beispiel habe bereits per Briefwahl ihren Kommandanten gewählt. Verschiedene andere Wehren hätten zu diesem Thema angefragt, sagte Peetz.

Ansprechpartner bei einer Kommandantenwahl per Brief ist die Kommune - denn sie ist die durchführende Behörde. Das Vorgehen muss gut geplant sein - der Verband rät, etwa drei Wochen vor dem Termin die wahlberechtigten Mitglieder zu informieren: Gibt es schon Kandidaten? Wer wäre ein weiterer geeigneter Kandidat? Eine Woche später werden dann die Stimmzettel angefertigt.

Im Freistaat gibt es den Verbandsangaben zufolge knapp 7300 freiwillige Wehren mit mehr als 325.000 aktiven Mitgliedern.

Ob Feuerwehr, Trachtenverein oder Chor: Vereine bei der Organisation herausgefordert

Wahlbriefe liegen in einem Fach. Wichtige Vereinsangelegenheiten könnten Vereine zwar mit einer digitalen Mitgliederversammlung klären, doch viele setzen auf die Briefwahl.
Wahlbriefe liegen in einem Fach. Wichtige Vereinsangelegenheiten könnten Vereine zwar mit einer digitalen Mitgliederversammlung klären, doch viele setzen auf die Briefwahl.  © Sebastian Gollnow/dpa

Eigentlich wollte der Bayerische Trachtenverband im Februar seine Verbandstagung veranstalten - den Termin haben die Verantwortlichen nun auf den April verschoben. Solange bleibt die bisherige Vorstandschaft im Amt. Er hoffe, dass man sich im April dann wirklich treffen kann, sagte Geschäftsführer Andreas Oberprieler.

Allerdings liefen auch parallel die Planungen für eine digitale Veranstaltung. "Die Wahlen werden wir dann aber nicht digital durchführen, sondern ebenfalls als Briefwahl." Eine Wahl per Brief sei für viele Delegierte leichter zu händeln.

Viele Vereine des Trachtenverbandes würden derzeit ihre Sitzungen als Videokonferenzen durchführen, sagte Oberprieler. Dass viele nun auch eine digitale Mitgliederversammlung mit Wahlen oder Entscheidungen über die Finanzen planten, davon gehe er aber nicht aus: "Ich denke, dass die meisten warten werden, bis sie sich wirklich treffen können." Die Vorsitzenden für die Sachausschüsse des Verbandes seien kürzlich aber per Briefwahl gewählt worden.

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Man sei grundsätzlich froh, dass es inzwischen auch die Möglichkeit digitaler Mitgliederversammlungen gibt, sagte Christianz Henßel, Sprecher beim Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV). Die Sportvereine zögen dieses Modell zwar grundsätzlich in Betracht, viele warteten aber dennoch, bis Mitgliederversammlungen wieder als Präsenzveranstaltung möglich sind. In den etwa 12.000 Sportvereinen sind im Freistaat mehr als 4,6 Millionen Mitglieder organisiert.

Sollten Vereine eine digitale Mitgliederversammlung planen, unterstütze sie der Verband bei rechtlichen und organisatorischen Fragen, ergänzte Henßel. Auch ein Online-Seminar dazu sei geplant.

Ein derartiges Online-Seminar hat der Bayerische Sängerbund bereits veranstaltet. Man habe dabei darüber informiert, dass die bisherige Vorstandschaft erst einmal im Amt bleibt, auch wenn die Amtszeit abgelaufen ist, sagte Präsident Alexander Seebacher. Viele Vereinsmitglieder habe das beruhigt, da ihr Chor auch ohne Hauptversammlung handlungsfähig bleibe. Die Vereine im Sängerbund seien eher klein, es würden auch keine großen finanziellen Summen bewegt. Deshalb seien Online-Mitgliederversammlungen kein großes Thema, man könne warten, bis man Präsenztermine vereinbaren dürfe.

Nach Angaben des Justizministeriums gibt es in Bayern knapp 94.000 eingetragene Vereine.

Titelfoto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

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