Krematorium überlastet: Särge stapeln sich in Kühlcontainern

Nürnberg - Gespenstische Szenen am Nürnberger Krematorium. In Kühlcontainern vor dem Gebäude stapeln sich die Särge, denn drinnen ist einfach kein Platz mehr.

Ein geöffneter Kühlcontainer vor dem Nürnberger Krematorium zeigt die gelagerten Särge.
Ein geöffneter Kühlcontainer vor dem Nürnberger Krematorium zeigt die gelagerten Särge.  © vifogra/PFAE

Es ist restlos belegt: 135 Plätze stehen in der Kühlung des Krematoriums zur Verfügung, alle sind belegt.

Zwei große Container sollen den Ausnahmezustand nun überbrücken. In ihnen stapeln sich die Särge, Aufkleber mit der Aufschrift "infektiös" weisen auf die Gefahr hin. Wie kam es zu dieser Notlage?

"Ja, wir sind über die Feiertage etwas unter Druck geraten, weil die Zahl der Anlieferungen, die auf die kommunalen Leichenhäuser zugekommen ist, zu groß war", erklärt Gerhard Kratzer, Leiter der städtischen Friedhofsverwaltung Nürnberg gegenüber dem Nachrichtendienst Vifogra.

"Unsere Kapazitäten waren ausgeschöpft und wir mussten Bestatter abweisen bzw. das hatte zur Folge, dass natürlich auch in den Pathologien und Altenheimen zunächst einmal Verstorbene liegen geblieben sind".

Vorerst mussten Verstorbene auch auf den Gängen und vor dem Kremationsöfen gelagert werden. Auf Dauer sei das kein Zustand, so Kratzer. Deshalb sei man nun auf die zusätzliche Kapazität in Form von Kühlcontainern ausgewichen.

Angehörige dürfen sich nur noch vom verschlossenen Sarg verabschieden

Ein Sarg ist mit einem Aufkleber mit der Aufschrift "infektiös" versehen.
Ein Sarg ist mit einem Aufkleber mit der Aufschrift "infektiös" versehen.  © vifogra/PFAE

Auch personell wird es eng bei der Friedhofsverwaltung. Leiharbeiter werden nun zur Unterstützung hinzugezogen.

Die Schichten im Krematorium habe man hochgefahren von zwei auf drei Mitarbeiter, trotzdem reicht es noch immer nicht aus. Bestatter mussten bereits abgewiesen werden.

"Fakt ist, dass wir derzeit keine Urnenbeisetzungstermine vergeben, weil dafür würde die Personaldecke nicht ausreichen", so Kratzer.

Die Urnen werden derweil im Krematorium aufbewahrt. Auch bei Erdbestattungen komme man nicht hinterher, in den nächsten Wochen gibt es keine Termine mehr. "Wir sind bereits über den 15. Januar hinaus", erklärt der Leiter der Friedhofsverwaltung.

Unter der Situation leiden vor allem die Angehörigen, wie Sebastian Förster, Bestattungsinstitut Heindl beschreibt. Ist ein mit dem Coronavirus infizierter Mensch verstorben, erfolgt ein besonderes Prozedere. Der Leichnam muss sofort in einen sogenannten "Bodypack", der nicht wieder geöffnet werden darf, erklärt der Bestatter.

Auch der Sarg darf nicht mehr geöffnet werden und wird mit einem speziellen Aufkleber versehen.

Erst von dem verschlossenen Sarg dürften sich Angehörige in der Trauerhalle verabschieden, so Förster.

Titelfoto: vifogra/PFAE

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