Polizei erwartet Chaos: Ansturm auf Bayerns Top-Ausflugsziele

Bad Tölz - Volle Parkplätze, zugeparkte Rettungswege, Staus auf den Straßen und Menschenmengen auf engen Wanderwegen - Behörden, aber auch Rettungskräfte und Almbauern blicken mit Sorge auf die Pfingstferien. 

Auf den Wanderwegen könnte es über Pfingsten eng werden. (Symbolbild)
Auf den Wanderwegen könnte es über Pfingsten eng werden. (Symbolbild)  © Nicolas Armer/dpa

Sie erwarten angesichts eingeschränkter Reisemöglichkeiten einen Ansturm auf die heimischen Ausflugsziele - vor allem an Badeseen und auf den Bergen könnte es so voll werden wie selten. 

Polizei und Rettungskräfte rüsten sich; Almbauern sorgen sich um ihr Vieh - und Naturschützer warnen vor einer deutlich höheren Belastung vieler Ökosysteme. Und was viele nicht wissen: Auf schmalen Wegen oder Graten herrscht ebenfalls Maskenpflicht.

Alle seien in der Verantwortung, mahnte die Präsidentin des bayerischen Landtags, Ilse Aigner (CSU). "Wir wollen kein zweites Ischgl werden", sagte Aigner. "Diese Ferien fordern uns alle heraus." 

Die ehrenamtlichen Helfer stünden vor besonderen Herausforderungen, die Corona-Pandemie sei für sie ein zusätzliches Risiko, sagte Aigner bei einem Besuch der Wasserwacht am Starnberger See und des Bergwacht-Zentrum in Bad Tölz. 

"Wir müssen Rücksicht aufeinander nehmen, Hygiene- und Abstandsregeln einhalten. Aber wir müssen auch vorsichtig sein. Wir sollten uns nicht beim Bergwandern überschätzen und höchste Vorsicht walten lassen an den noch kalten Badeseen."

Das sollte man bei Ausflügen beachten

Wanderer sollten Kühen nicht zu Nahe kommen. (Symbolbild)
Wanderer sollten Kühen nicht zu Nahe kommen. (Symbolbild)  © picture alliance / dpa

Auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) appellierte, auf die Natur, die Tiere und die Belange der Land- und Forstwirte Rücksicht zu nehmen. "Es ist sehr erfreulich, wenn viele jetzt den Wert und die Schätze unserer Heimat erkunden und genießen." Sie sollten aber daran denken, dass "die Schönheit der Kulturlandschaft auch durch viel Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern" erhalten werde. 

Ausflügler sollten auf Wegen bleiben, Hunde an die Leine nehmen - und ihren Müll wieder mit heim nehmen.

Die Almbauern sehen dem erwarteten Ansturm skeptisch entgegen. Kühe und Wanderer - das geht nur gut, wenn sich beide nicht zu nahe kommen. Abstandsregeln galten hier schon vor den Corona-Zeiten. 

In Österreich war 2014 eine Hundebesitzerin von einer Herde totgetrampelt worden, die wohl ihre Kälber vor dem Hund schützen wollte. Nun warnen Tafeln. 

Dennoch seien manche Besucher gerade jetzt ohne entsprechende Rücksichtnahme unterwegs, sagte Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. "Die Leute laufen kreuz und quer über die Almwiese. Sie sollen sich einfach an die Wege halten." Manche Almfläche sei "belagert mit Picknickdecken".

Polizei kontrolliert verstärkt

Ein Wanderer steht vor den schneebedeckten Gipfeln des Wettersteingebirges, links ist das Dreieck der Alpspitze und rechts die Zugspitze zu sehen.
Ein Wanderer steht vor den schneebedeckten Gipfeln des Wettersteingebirges, links ist das Dreieck der Alpspitze und rechts die Zugspitze zu sehen.  © Angelika Warmuth/dpa

Dabei haben die Tiere auch nachts immer weniger ihre Ruhe. "Es wird immer mehr zur Untugend, dass man auch nachts in den Bergen unterwegs ist", sagte Stöckl. Mountainbiker schrecken ruhende Tiere besonders auf. 

In Bad Feilnbach musste ein Bauer gleich zu Saisonbeginn drei Jungtiere von der Alm wieder heim holen, weil sie sich vermutlich auf der Flucht am Lauf verletzt hatten. In einem anderen Fall sei ein Bauer mit einem Radfahrer aneinandergeraten.

Schon an den vergangenen Wochenenden habe es in den Ausflugsregionen Oberbayerns teils chaotische Verkehrsverhältnisse gegeben, hieß es beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Die Einhaltung der Parkordnung und das Freihalten der Rettungswege werde verstärkt kontrolliert - notfalls werde auch abgeschleppt.

Die Gemeinden litten auch unter dem Müll. Weil Gaststätten nicht oder nur beschränkt geöffnet waren, brachten viele ihre Brotzeit mit - und in den Erholungsgebieten um Kochel- und Walchensee blieb ein Müllberg zurück, wie Kochels Bürgermeister Thomas Holz beklagte.

Besonders Ferienwohnungen und Camping sind gefragt. Manche Tourismusregionen in Oberbayern - etwa das Berchtesgadener Land - melden für Pfingsten ausgebuchte Campingplätze. Ein Urlaubs-Ticker für Oberbayern soll Erholungsuchenden bei der Planung helfen.

Landtagspräsidnetin Aigner rief dazu auf, nicht nur nach Oberbayern und ins Allgäu zu schauen. Es gebe andere lohnende Ferienziele. "Wir haben doch jetzt die Chance, ganz Bayern zu erkunden. Das fränkische Wein- oder Seenland, den Spessart, die Oberpfalz, den Bayerischen Wald, das Altmühltal oder die Romantische Straße – um nur einige Ziele zu nennen. Wir müssen ja nicht alle gleichzeitig auf denselben Berg kraxeln oder in denselben See springen."

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa

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