Pflegebedürftiger erstickt qualvoll bei Raubüberfall: Angeklagter sieht sich als Opfer

Kempten - Ein Mann musste auf grausame Weise sterben. Nun startet in Bayern der Prozess. Wegen gemeinschaftlichen Mordes muss sich ein Verdächtiger von Montag (9 Uhr) an vor dem Kemptener Landgericht im Freistaat verantworten.

Wegen gemeinschaftlichen Mordes muss sich ein Mann vor dem Kemptener Landgericht im Freistaat verantworten. (Symbolbild)
Wegen gemeinschaftlichen Mordes muss sich ein Mann vor dem Kemptener Landgericht im Freistaat verantworten. (Symbolbild)  © Lino Mirgeler/dpa

Ihm wird vorgeworfen, einen pflegebedürftigen Mann Mitte März des Jahres in dessen Wohnung in Kaufbeuren gefesselt, geknebelt, beraubt und in der Folge zudem hilflos zurückgelassen zu haben.

Das wehrlose Opfer erstickte an seiner eigenen Zahnprothese - was der Angeklagte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Kauf nahm.

Ein ursprünglich verdächtigter möglicher Mittäter, der das Opfer wegen seiner Tätigkeit bei der Nachbarschaftshilfe gekannt haben soll, wird nicht mehr vor Gericht stehen: Der zuständige Staatsanwaltschaft Kempten zufolge beging er Anfang August in der Untersuchungshaft Suizid.

Mit angeklagt wegen Begünstigung und Hehlerei ist ein weiterer Mann, ein Freund des verstorbenen Verdächtigen, der einen Teil der Beute in seiner Wohnung versteckt haben soll.

Die zwei Angeklagten sowie der ursprünglich verdächtigte Mann sind beziehungsweise waren syrische Staatsangehörige.

Das Landgericht hat drei Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil könnte am 3. Dezember fallen. Dem Hauptangeklagten droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Update, 11.44 Uhr: Angeklagter: "Er hat mich benutzt und ausgenutzt"

Im Prozess wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Pflegebedürftigen hat sich der Hauptangeklagte als Opfer eines inzwischen toten, ursprünglich Mitverdächtigten dargestellt. "Er hat mich benutzt und ausgenutzt", sagte der 29-Jährige zum Auftakt des Verfahrens vor dem Kemptener Landgericht am Montag.

Der ursprünglich Verdächtigte habe ihm gedroht, seiner Familie etwas anzutun, falls er nicht bei seinem Tatplan helfe. Zudem habe nicht er selbst, sondern der ursprünglich Verdächtigte die Tat begangen. Der Mann kann sich dazu allerdings nicht mehr äußern, er hat sich in der Untersuchungshaft das Leben genommen.

Mit angeklagt wegen Begünstigung und Hehlerei ist ein jüngerer Bruder des Angeklagten, der einen Teil der Beute bekommen haben soll.

Titelfoto: Lino Mirgeler/dpa

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