Politiker fordern Wander-Verbote! Innenminister kontert mit Verfassung

München - Trotz Klagen von Kommunalpolitikern über die Tagesausflügler am Alpenrand plant die Staatsregierung kein Wander- und Wintersportverbot.

Innenminister Joachim Herrmann (64, CSU) will nicht noch mehr Verbote aussprechen müssen. (Archiv)
Innenminister Joachim Herrmann (64, CSU) will nicht noch mehr Verbote aussprechen müssen. (Archiv)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Innenminister Joachim Herrmann (64, CSU) verwies am Dienstag auf die bayerische Verfassung: "Auf der anderen Seite gibt es das Recht auf freien Genuss der Natur nach unserer Verfassung", sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk. "Und die Menschen dürfen wandern gehen, sie dürfen spazieren gehen."

Die Staatsregierung appelliere an alle Bürgerinnen und Bürger, bei ihren Ausflügen die Abstände zu wahren und größere Ansammlungen zu vermeiden.

Aber Verschärfungen sind nicht geplant: "Wir sehen im Moment keinen Anlass, weitere Verbote zu erlassen", sagte der Innenminister.

Zuvor hatte der Miesbacher Landrat Olaf von Löwis (CSU) per SMS einen Hilferuf an Ministerpräsident und Parteifreund Markus Söder geschickt.

Der Tagestourismus ufere vor allem am Spitzingsee und Schliersee aus, schrieb von Löwis nach Angaben des Landratsamts vom Montag. "Es brennt wirklich."

Polizei will zum Jahreswechsel verstärkt kontrollieren

Ausflüge bleiben weiterhin erlaubt - so lange die Kontaktbeschränkungsregeln beachtet werden. (Archiv)
Ausflüge bleiben weiterhin erlaubt - so lange die Kontaktbeschränkungsregeln beachtet werden. (Archiv)  © Annette Reuther/dpa

Polizei und Innenminister sehen das weniger dramatisch: "Insgesamt hat die Polizei auch im Voralpenland keine drastischen Überschreitungen der geltenden Regelungen feststellen können", sagte Herrmann im BR.

Die Polizei will an beiden Seen zum Jahreswechsel verstärkt kontrollieren. Viele Besucher hätten letztes Wochenende ihre Fahrzeuge in verbotenen Bereichen abgestellt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

"Das ist aber nicht so außergewöhnlich." Es gab demnach erheblichen Ausflugsverkehr - "wie an allen anderen Wochenenden auch".

Landrat Löwis hatte gefordert, der Appell zum Daheimbleiben müsse durch Regeln bei der Ausgangsbeschränkung untermauert werden. Das örtliche Krankenhaus befürchte "zu Recht, dass die Notaufnahme durch die vermutlich vermehrt auftretenden Verletzungen überlastet wird".

Bisher haben allerdings weder Bergwacht noch Polizei über eine auffällige Häufung von Unfällen berichtet. Die meisten Unfälle im winterlichen Gebirge ereignen sich nach den Statistiken des Alpenvereins üblicherweise auf den Pisten der Skigebiete.

Dort sind in diesem Winter zwar mehr Tourengeher unterwegs, doch insgesamt sehr viel weniger Besucher, da die Lifte nicht fahren.

Titelfoto: Montage: Annette Reuther/dpa + Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

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