Feuerwehrmann und Familienvater totgeschlagen: Deutschland schaut erneut nach Augsburg

Augsburg - In ganz Deutschland wurde im vergangenen Dezember über ein Verbrechen in Augsburg diskutiert. Bei einem Streit mit Jugendlichen wurde ein Familienvater mitten in der Stadt erschlagen. Nun beginnt die Aufarbeitung.

"Einer von uns - RIP Kamerad" war am Königsplatz in Augsburg zwischen Grablichtern nach der schrecklichen Tat zu lesen.
"Einer von uns - RIP Kamerad" war am Königsplatz in Augsburg zwischen Grablichtern nach der schrecklichen Tat zu lesen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rund zehn Monate nach der tödlichen Auseinandersetzung am Nikolaustag des Jahres 2019 am Augsburger Königsplatz müssen sich vom Dienstag (20. Oktober) an drei junge Männer vor dem Augsburger Landgericht verantworten. 

Die Tat, bei der ein 49 Jahre alter Familienvater ums Leben gekommen war, hatte im vergangenen Dezember bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Da der Getötete ein Mitglied der Berufsfeuerwehr in Augsburg war, hatten auch Mitglieder anderer Feuerwehren in Deutschland dem Opfer gedacht. 

Zudem gab es ein wochenlanges juristisches Tauziehen bis zum Bundesverfassungsgericht um die Haftbefehle gegen mehrere Verdächtige. 

Die Kripo und Augsburger Staatsanwaltschaft sahen in diesem Zusammenhang nicht immer gut aus.

Am Abend des 6. Dezember 2019 waren zwei befreundete Paare nach einem Besuch des Augsburger Weihnachtsmarktes an dem belebten Platz auf eine Gruppe Jugendliche getroffen. 

Dabei war der 49-Jährige ums Leben gekommen, nachdem sich zwischen den zwei Männern und den insgesamt sieben Jugendlichen ein Streit entwickelt hatte. Auslöser war nach den Ermittlungen, dass ein Jugendlicher bei den Erwachsenen eine Zigarette schnorren wollte.

Tödliche Gewalteskalation in Augsburg: Verwirrung um Tathergang

"Als Retter gekommen & Als Engel gegangen" war am Königsplatz zwischen Grablichtern hinter einem Spielzeugfeuerwehrauto zu lesen.
"Als Retter gekommen & Als Engel gegangen" war am Königsplatz zwischen Grablichtern hinter einem Spielzeugfeuerwehrauto zu lesen.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nachdem der 49-Jährige einen aus der Gruppe geschubst hat, soll der damals 17 Jahre alte Hauptbeschuldigte den Kontrahenten mit einem Faustschlag ins Gesicht umgebracht haben. 

Dem Mann riss durch den wuchtigen Hieb eine Schlagader, er starb binnen kürzester Zeit an einer Hirnblutung. Anschließend wurde laut Anklage auch der zweite Mann angegriffen und erheblich verletzt.

Nachdem die Teenager geflüchtet waren, konnten sie relativ schnell ermittelt und festgenommen werden. Dabei half der Polizei, dass der "Kö", wie die Augsburger den Platz nennen, als ein Kriminalitätsschwerpunkt seit Ende 2018 per Video überwacht wird. Die Staatsanwaltschaft warf dem mutmaßlichen Haupttäter zunächst Totschlag und seinen sechs Begleitern Beihilfe dazu vor, alle sieben kamen in der Folge in Untersuchungshaft.

Doch wegen dieses harten Vorgehens gab es auch heftige Kritik an den Ermittlern. Bei einer Pressekonferenz, die bundesweit live im Fernsehen übertragen wurde, hatte die Kripo noch erklärt, dass das spätere Opfer "plötzlich umringt von diesen sieben jungen Männern" gewesen sei, dann sei der Schlag erfolgt.

Doch wenig später gab es erhebliche Zweifel an dieser Version. Es tauchte ein Video auf, das das tödliche Verbrechen zeigen soll und von der Überwachungskamera eines Taxis stammen soll. Eine Umzingelung des Opfers ist da nicht erkennbar. Auch in der später eingereichten Anklage findet sich das "Umringen" des Opfers nicht mehr.

Jugendkammer des Landgerichts hat insgesamt acht Verhandlungstage vorgesehen

Am Königsplatz in Augsburg trauerten Feuerwehrleute.
Am Königsplatz in Augsburg trauerten Feuerwehrleute.  © Stefan Puchner/dpa

Der ursprüngliche Vorwurf des Totschlags hatte ebenfalls bei vielen Juristen für Kopfschütteln gesorgt. Denn dieser Tatvorwurf bedeutet, dass der 17-Jährige sich in der nur wenigen Sekunden langen Auseinandersetzung entschieden habe, seinen Kontrahenten zu töten oder dessen Tod mit dem Faustschlag zumindest in Kauf zu nehmen. 

"Das ist völlig untragbar gewesen", sagt sein Verteidiger Marco Müller dazu. 

In der Anklage wird nun seinem Mandanten nun nur noch Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Den Schlag als solchen räumt der Jugendliche nach Angaben seines Anwalts ein.

Auch mit den Haftbefehlen wegen Verdachts der Beihilfe zum Totschlag gegen die Begleiter des 17-Jährigen erlitt die Staatsanwaltschaft Schiffbruch. Nachdem das Amtsgericht die Untersuchungshaft angeordnet hatte, hob das Landgericht Augsburg diese am Tag vor Heiligabend wieder auf. Wenige Tage später ließ das Oberlandesgericht München (OLG) die sechs Jugendlichen wieder inhaftieren.

Doch ein Anwalt ging für seinen ebenfalls 17 Jahre alten Mandanten umgehend mit einer Verfassungsbeschwerde nach Karlsruhe. Die höchsten deutschen Richter entschieden dann im März, dass der Jugendliche durch den Haftbefehl vom OLG "in seinem Grundrecht auf Freiheit der Person verletzt" worden sei - die Staatsanwaltschaft musste alle vermeintlichen Mittäter freilassen, nur der Hauptbeschuldigte blieb in U-Haft.

Dem Hauptangeklagten, der die deutsche, libanesische und türkische Staatsangehörigkeit besitzt, wird zusammen mit zwei anderen aus der Gruppe vorgeworfen, gemeinschaftlich den 50 Jahre alten zweiten Mann verprügelt zu haben. Das Trio muss sich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung verantworten. Die Jugendkammer des Landgerichts hat insgesamt acht Verhandlungstage vorgesehen, das Urteil könnte dann Anfang November verkündet werden.

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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