"Es ist verrückt": Bayerns Schlittenbauer schieben Extra-Schichten

Schwebheim - "Es ist verrückt", sagt Michael Ress. "Bei uns brennt die Luft." Ress leitet einen kleinen Handwerksbetrieb im unterfränkischen Schwebheim, der in diesen Tagen begehrte Ware herstellt: Schlitten aus bayerischer Herstellung.

Ein Schlitten steht im Schnee in der Parkanlage Luitpoldhain in Nürnberg.
Ein Schlitten steht im Schnee in der Parkanlage Luitpoldhain in Nürnberg.  © Daniel Karmann/dpa

"Es gehen jeden Tag fast 500 Schlitten raus", sagt Ress. "Aber irgendwann ist das Lager leer."

Auch die Firmen Gloco aus Schwaben und die Loeger GmbH im oberbayerischen Tutzing berichten von einer enormen Nachfrage.

Daran habe auch die Corona-Pandemie ihren Anteil, sagt Stefan Loeger. "Es ist klar spür- und sichtbar, dass von den Skipisten auf die Rodelhänge ausgewichen wird."

Die Lagerbestände von Herstellern und Händlern seien schon zum Jahreswechsel erschöpft gewesen, auch weil die Schlitten-Bauer nach einem milden Winter im Jahr zuvor wohl nicht mit dieser Nachfrage gerechnet hatten, sagt Loeger. Die Loeger GmbH habe deshalb im Januar eine weitere Produktion ihres "Zipflbobs" gestartet.

Dass die Herstellung immer schwieriger zu planen wird, bestätigt auch der Geschäftsführer der Firma Gloco Holzwaren im schwäbischen Lutzingen, Friedrich Glogger. "Wenn es Schnee hat, fragt man bei Schlitten nicht mehr, woher und zu welchem Preis - und sonst interessiert es keinen."

Nur weil die Nachfrage im aktuellen Winter groß sei, wisse man aber noch lange nicht, wie es im kommenden Jahr aussehe, betont Glogger.

Corona treibt Menschen nach draußen, doch Nachfrage nach Schlitten bleibt ungewiss

Erwachsene und Kinder genießen in den Maximiliansanlagen nahe dem bayerischen Landtag die frisch verschneiten Hügel in der bayerischen Landeshauptstadt.
Erwachsene und Kinder genießen in den Maximiliansanlagen nahe dem bayerischen Landtag die frisch verschneiten Hügel in der bayerischen Landeshauptstadt.  © Peter Kneffel/dpa

Auch innerhalb der Wintersaison sei die Nachfrage sehr unterschiedlich, sagt Michael Ress.

"Man weiß ja eigentlich, dass der Winter kommt - aber alle Kunden warten mit ihren Bestellungen bis drei Tage vor Weihnachten." In seinem Handwerksbetrieb arbeiteten die sechs Mitarbeiter momentan von 6 bis 21 Uhr, um die Nachfrage nach Holzschlitten und -rodeln zu bedienen, sagt er. "Alle machen Überstunden."

Bestellungen übers Internet halten die Betriebe dabei einerseits in Lockdown-Zeiten am Laufen, auf der anderen Seite verstärken sie für kleine Hersteller Engpässe in der Produktion.

"Am 10. Januar hatte ich 342 E-Mails im Postfach", sagt Michael Ress, dessen Firma bislang keinen Online-Shop betreibt. "Wir sollen dann innerhalb von zwei, drei Tagen liefern. Das ist nicht zu schaffen."

Es könne aber ungeachtet der großen Nachfrage gut sein, dass in einigen Wochen niemand mehr nach Schlitten frage, sagt Ress. Das hänge davon ab, ob es im Freistaat weiter viel schneie oder nicht.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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