So viele Menschen wurden aus Bayern nach Afghanistan abgeschoben

München - Seit 2003 hat der Freistaat jedes Jahr veranlasst, Menschen nach Afghanistan abzuschieben - auch im ersten Halbjahr 2021, als die Sicherheitslage im Land wegen des schnellen Vormarschs der Taliban immer schlechter wurde.

Die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke (45, Linke) aus München vertritt eine klare Meinung - und fordert ein entsprechendes Handeln.
Die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke (45, Linke) aus München vertritt eine klare Meinung - und fordert ein entsprechendes Handeln.  © Wolfgang Kumm/dpa

Seit dem Jahr 2003 sind aus Bayern insgesamt 650 Menschen somit in das Land abgeschoben worden.

Wie aus einer entsprechenden Antwort des Bundesinnenministeriums auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke (45, Linke) aus München hervorgeht, wurden im laufenden Jahr noch bis einschließlich Juli die Abschiebung von 58 Menschen nach Afghanistan veranlasst.

Die meisten Menschen aus Bayern (216) waren demnach 2019 dorthin abgeschoben worden. Gohlke forderte angesichts der aktuellen Lage in Afghanistan einen generellen Abschiebestopp und ein Aufnahmeprogramm für Geflüchtete.

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"Viele Länder und Kommunen sind bereit, Geflüchtete aus Afghanistan aufzunehmen", sagte Gohlke. "Spätestens jetzt muss gelten: Kein einziger Mensch darf zurückgeschickt werden."

Die bayerische Landesregierung müsse den Familiennachzug für Angehörige afghanischer Flüchtlinge vereinfachen.

In Deutschland gibt es seit längerer Zeit Protestbewegungen gegen Abschiebungen - wie mit diesem Transparent.
In Deutschland gibt es seit längerer Zeit Protestbewegungen gegen Abschiebungen - wie mit diesem Transparent.  © Christian Charisius/dpa

Taliban-Vormarsch: Bundesinnenminister Seehofer hat lange keinen Abschiebestopp erlassen

Die Bundesregierung müsse sich vorhalten lassen, "die Situation auch beschönigt zu haben, weil sie weiter abschieben wollte".

Bundesinnenminister Horst Seehofer (72, CSU) habe zunächst keinen Abschiebestopp erlassen, obwohl die Taliban schon den Großteil des Landes eingenommen hatten: "Die Aussetzung der Abschiebungen kam viel zu spät, als der Sieg der Dschihadisten nicht mehr zu leugnen war."

Das Bundesinnenministerium hatte Mitte August mitgeteilt, dass Deutschland wegen der stark verschlechterten Sicherheitslage vor Ort vorerst keine Menschen mehr nach Afghanistan abschieben werde.

Im Zuge dessen hatte Innenminister Seehofer aber auch angekündigt, man werde Straftäter und Gefährder wieder aus Deutschland dorthin abschieben, "sobald es die Lage zulässt".

Titelfoto: Montage: Wolfgang Kumm/dpa, Christian Charisius/dpa

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