Extrakosten, Bürokratie, Vorschriften: Spargelstechen in Zeiten von Corona

Abensberg - Spargelstechen in Zeiten von Corona: Das brachte bereits im vergangenen Jahr Probleme mit sich. Schließlich kamen die Lockdown-Maßnahmen 2020 kurz vor Saisonbeginn.

Der Spargelbetrieb von Julia Fröhlich-Kügel nimmt zusätzlich Geld für einen möglichst reibungslosen Arbeitsablauf in die Hand.
Der Spargelbetrieb von Julia Fröhlich-Kügel nimmt zusätzlich Geld für einen möglichst reibungslosen Arbeitsablauf in die Hand.  © NEWS5 / Pieknik

Nun hatten die Landwirte deutlich mehr Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten.

"Es ist eine große Herausforderung für die Spargelbauern, daher haben wir schon frühzeitig mit der Planung begonnen", berichtet Petra Högel. Sie ist die 1. Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel e.V.

Dennoch ist die Situation alles andere als entspannt, wie Julia Fröhlich-Kügel vom Spargelhof Kügel erzählt. Ihre Eltern hatten den Betrieb damals aufgebaut und sie ist mit dem Geschäft aufgewachsen.

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"Man muss Minimum 14 Tage im Voraus planen. Das war halt früher nicht so." Vor der Pandemie-Situation hätte man eine Vorlaufzeit von 48 Stunden gehabt. Und deutlich weniger Papierkram: "Die Ernteelfer müssen beim Robert-Koch-Institut registriert und im Testzentrum angemeldet werden. Das ist viel Formalismus und Bürokratismus, den wir jetzt zusätzlich haben", fasst die Unternehmerin zusammen.

Mehr Arbeit, weniger Zeit: "Wir bekommen keine Entschädigung." Man hoffe darauf, dass der Verbraucher am Ende Verständnis für die Situation hat und einen Preisaufschlag akzeptiere. Man würde ohnehin versuchen, selbst einen Teil der Kosten durch kleinere Gewinne abzufedern.

Allerdings sei das auch notwendig, denn Erdbeeren und Spargel sei es schließlich egal, ob Personal zum Ernten da sei - sie wachsen einfach.

2000 Euro Extrakosten allein für die Ankunft

Echte Handarbeit: Die Erntehelfer nehmen zusätzliche Hürden auf sich, um auf den Feldern arbeiten zu können.
Echte Handarbeit: Die Erntehelfer nehmen zusätzliche Hürden auf sich, um auf den Feldern arbeiten zu können.  © NEWS5 / Pieknik

Heute müsse man zwei Wochen vorher abschätzen, wie viele helfende Hände wohl nötig sein werden, muss die Leute für Tests anmelden und drei Tage vor Dienstantritt dem RKI melden.

Bevor der erste Fuß aufs Feld gesetzt wird, wird jeder Helfer viermal getestet. Bei der Abreise, bei der Ankunft und vor dem ersten Dienstantritt stehen zwei Tests im entsprechenden Zentrum an. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden durch den Betrieb bereits 2000 Euro zusätzlich in die Saisonarbeiter investiert. Hinzu kommen für die Helfer zehn Tage Arbeitsquarantäne, in denen niemand den Hof verlassen darf.

"Sie sind dankbar, dass sie kommen dürfen", lobt Julia Fröhlich-Kügel die Moral der zahlreichen, aus Rumänien stammenden Hilfskräfte. "Die Meisten haben zu Hause einen Selbstversorgerhof, kommen zu uns und verdienen sich, was sie das ganze Jahr über zum Leben brauchen." Würde die Arbeit wegfallen, wäre das entsprechend "schlimm für sie". Schließlich sei so ein Job "ihre Existenz".

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Entsprechend investiert die Spargelbäuerin auch in zahlreiche Tests, Isolationscontainer, zusätzliche Reinigungskräfte und Desinfektionsspendern in den Unterkünften: „Ich gebe lieber ein paar Tausend Euro mehr aus und bin dann auf der sicheren Seite, als zum Schluss Betriebsstillstand zu haben und die Existenz meiner Familie zu gefährden.“

Mit Blick auf die kommenden Wetterbedingungen könnte es noch ein paar Tage dauern, bis losgestochen werden kann. Dann will man bis Ende Juni Spargel auf den Markt bringen können.

Titelfoto: NEWS5 / Pieknik

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