Zwischen Mangel und Überfluss: Bayern in Zeiten der Hamsterer in der Corona-Krise

Eitting - Klopapier und Nudeln? So weit das Auge reicht! Palettenweise Säfte, Cola, Wein und zudem auch Bier gestapelt in Hochregalen bis unter das Hallendach. Haushaltsrollen, Ketchup, Windeln, Reis, Pizza, Salz und Chips in jeder nur denkbaren Geschmacksrichtung. Eine bessere Kulisse kann sich CSU-Chef Markus Söder derzeit gar nicht wünschen.

CSU-Chef Markus Söder hat sich im REWE-Süd Zentrallager selbst ein Bild gemacht.
CSU-Chef Markus Söder hat sich im REWE-Süd Zentrallager selbst ein Bild gemacht.  ©  Peter Kneffel/dpa

"Die Versorgungslage ist gesichert", sagt der CSU-Chef am Mittwoch den wenigen zugelassenen Journalisten im REWE-Süd Zentrallager unweit des Münchner Flughafens.

Doch, und auch das bestreitet hier niemand, ist die Lage in diesen Frühlingstagen des Jahres 2020 in den Geschäften eine andere: Leere Regale gehören auch im Überfluss gewohnten Bayern praktisch flächendeckend zum Alltag. Dazwischen stehen Mitarbeiter, die nicht wirklich genau wissen, wann die nächste Lieferung kommt. 

Und dann sind da noch viel zu viele Kunden, die sich sogar gegenseitig Dinge aus den Einkaufswagen klauen, und die unbelehrbaren Hamsterkäufer, die kaufen, was noch da ist. 

Wohl auch mit Blick auf diese Auswüchse der Coronakrise spricht Söder seit Tagen von einem Charaktertest.

"Wir schieben permanent Waren nach, wir arbeiten am absoluten Limit", sagt Gustav König, Logistikleiter von REWE-Süd. Verglichen mit der Zeit vor dem Coronavirus verließen alleine hier in Eitting statt 9000 nun 15.000 Rollcontainer das Lager und würden auf Südbayern verteilt. In jeder Filiale werde permanent überprüft, welche Waren am dringendsten benötigt würden. "Das sind so 300 Kernartikel, die in jedem Fall, an jedem Tag in der Nachlieferung sind."

Alle zwei Tage würden die Geschäfte im Moment mit dem sogenannten Trockensortiment - darunter auch das so begehrte Klopapier - versorgt, sagt König. Frische Waren würden täglich ausgeliefert. "Aber wenn wir gestern hier 40 Lastwagen mit Toilettenpapier durchgeschleust haben, sehen wir auch, dass der Nachzug noch nicht wieder gedeckt ist." 

Verantwortlich für die leeren Regale seien aber nicht Lieferengpässe, sondern einzig unverantwortliche Einkäufer. "Wenn natürlich ein Hamsterkauf da ist, und die stürmen uns, dann ist es richtig, dann sind die Regale temporär leer."

Der Bamberger Landrat Johann Kalb (CSU) sieht auch die Sorge vor möglichen Preissteigerungen als unbegründet an: "Die Preise bleiben stabil." 

Coronvirus-Krise: Leere Regale kein Hinweis auf Produktmangel

Markus Söder ist sich absolut sicher, dass die Versorgungslage jederzeit gesichert ist.
Markus Söder ist sich absolut sicher, dass die Versorgungslage jederzeit gesichert ist.  © Peter Kneffel/dpa

Dies sieht auch Wirtschaftsprofessor Heinrich Kuhn von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der sich speziell mit Lieferketten befasst, so: "Es benötigt nur eben etwas Zeit, bis die Regale wieder gefüllt sind." Mit der zusätzlichen Nachfrage, die es derzeit etwa bei Nudeln gebe, habe der Handel nicht rechnen können. Leere Regale seien kein Hinweis auf Produktmangel.

Um den Nachschub an Lebensmitteln und allen Waren des täglichen Bedarfs dauerhaft in der Krise sicherstellen zu können, sehen Söder und der Handel aber durchaus auch noch Optimierungsbedarf. So seien an den Grenzen spezielle Fahrspuren für Lastwagen und auch Mitarbeiter wünschenswert. 

Laut König kommen viele Mitarbeiter in der Logistikkette aus dem europäischen Ausland, was Anfang der Woche wegen der Grenzschließungen zu langen Verspätungen geführt habe. "Die Logistik muss stattfinden zu den Geschäften", so Söder. 

Dazu passend setzt die Staatsregierung nun auch Anlieferbeschränkungen aus - damit können die Geschäfte auch zu den derzeitigen Öffnungszeiten am Sonntag oder bis abends beliefert werden.

Auch in den Geschäften sehen Politik, Gewerkschaften und Experten noch Handlungsbedarf. Zum Schutz der Mitarbeiter soll es etwa in den Rewe-Filialen ab Donnerstag Glasschutzwände an den Kassen geben. Verdi fordert für die Mitarbeiter im Kassen- und Kundenbereich zudem Handdesinfektionsmittel und Einweghandschuhe. Wichtig sei - so die Gewerkschaft - auch die regelmäßige Desinfektion von Einkaufswägen, Kassenbändern und ähnlichem. Söder hält zudem in den Geschäften Markierungen für sinnvoll, die Wartenden den Schutzabstand zeigen.

Die Staatsregierung setzt mit Blick auf die unklare Dauer der Krise zudem auf mehr Entlastung der Mitarbeiter in den Handelsketten durch flexiblere Minijob-Regelungen. Über die Bundesagentur für Arbeit solle ein "Arbeitsportal" eingerichtet werden, damit etwa Mitarbeiter der Gastronomie, die nun keine feste Beschäftigung hätten, schnell eine Perspektive in Supermärkten und ähnlichem hätten, sagt Söder.

Der Regierungschef und auch die Branche hoffen, dass sich die Lage in den Geschäften schnell entspannen wird - es sei normal, dass es bei den massiven Eingriffen anfangs "ruckele". Auch er habe eine solche Situation noch nie erlebt. Klar sei aber: "Wir brauchen an der Stelle keine Panik zu haben. Wir haben andere Sorgen. Wir müssen schauen, wie die Maßnahmen, die wir auf den Weg gebracht haben, alle wirken." Generell laute im Moment das Motto: "Nichts ist derzeit ohne Probleme. Wir müssen sie identifizieren und Lösungen finden."

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Gerade auch mit Blick auf die Hamsterkauf-Auswüchse spricht Markus Söder seit Tagen von einem "Charaktertest".
Gerade auch mit Blick auf die Hamsterkauf-Auswüchse spricht Markus Söder seit Tagen von einem "Charaktertest".  © Peter Kneffel/dpa

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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