"Gigantischer Betrug": Wirecard verschiebt Bilanzvorlage, Aktie bricht um 70 Prozent ein

Aschheim - Der Zahlungsdienstleister Wirecard kann wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen. 

Das Unternehmen Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten. (Symbolbild)
Das Unternehmen Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Die beauftragte Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft EY habe das Unternehmen darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag in Aschheim bei München mit. 

Damit geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme. Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten, wie ein Konzernsprecher am Donnerstag sagte. Das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines "gigantischen Betrugs".

Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder oder aus dem Bereich von Banken, die die Treuhandkonten führen, "unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden", hieß es in der Mitteilung . Der Aktienkurs brach daraufhin um mehr als die Hälfte ein (TAG24 berichtete).

Der Konzern muss seine bereits mehrfach - zuletzt auf diesen Donnerstag - verschobene Vorlage des Jahresabschlusses für 2019 daher erneut vertagen. Ein neues Datum steht noch nicht fest. "Der Vorstand arbeitet mit Hochdruck daran, den Sachverhalt in Abstimmung mit dem Abschlussprüfer weiter aufzuklären", hieß es. 

Sollte der Konzern einen testierten Abschluss bis Freitag (19. Juni) nicht vorlegen, könnten Kredite der Wirecard AG in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen.

Update, 12.15 Uhr: Aktie bricht um fast 70% ein

Der Aktienkurs des Dax-Konzerns Wirecard ist nach einer Verschiebung der Bilanzvorlage wegen Hinweisen auf Unstimmigkeiten eingebrochen. Die Papiere des Zahlungsabwicklers stürzten am Donnerstagvormittag um fast 70 Prozent ab und waren vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden. 

Mit 35 Euro befand sich der Kurs zwischenzeitlich in etwa auf dem Niveau von Juni 2016. Im Anschluss erholte sich der Kurs etwas, lag aber am Mittag noch immer mit über 40 Prozent im Minus.

Update, 12.53 Uhr: Bafin weitet Wirecard-Untersuchung aus

Wegen des möglichen gravierenden Betrugsfalls beim Dax-Konzern Wirecard weitet die Finanzaufsicht Bafin ihre laufende Untersuchung aus. "Selbstverständlich fließt der aktuelle Sachverhalt in unsere noch laufende Marktmanipulationsuntersuchung ein", sagte eine Sprecherin der Behörde am Donnerstag in Bonn auf Anfrage.

Der Bezahldienstleister aus dem Münchner Vorort Aschheim hatte seine Bilanzvorlage für 2019 zuvor erneut verschoben, weil die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY Unstimmigkeiten bei Treuhandkonten entdeckt hat, auf denen 1,9 Milliarden Euro verbucht sind. Wirecard will deswegen Strafanzeige erstatten.

Die Bafin ist seit vergangenem Jahr mit Wirecard beschäftigt. Die Finanzaufsicht prüft sowohl, ob Spekulanten den Markt zulasten von Wirecard manipulierten, als auch, ob der Wirecard-Vorstand Investoren mit zwei irreführenden Börsenpflicht-Meldungen falsch informiert hat.

Update, 12.55 Uhr: Index-Experte: Wirecard droht bei anhaltendem Kurseinbruch Aus im Dax

Sollte sich die Aktie des wegen milliardenschwerer Unklarheiten im Fokus stehenden Zahlungsabwicklers Wirecard vom Kurseinbruch bis September nicht nachhaltig erholen, droht der Rauswurf aus der ersten Börsenliga. Zu diesem Schluss kommen Index-Experten nach dem Kursrutsch von Wirecard am Donnerstag. Als Nachfolger dürften sich der Aromen- und Duftstoffhersteller Symrise und der Online-Essenslieferanten Delivery Hero, einer der großen Profiteure in der Corona-Krise, ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.

Wirecard hatte wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss anders als geplant erneut nicht vorgelegt. Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe das Unternehmen darüber informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, hieß es von Wirecard. Der Aktienkurs brach daraufhin zeitweise um fast 70 Prozent ein.

Die nächste Index-Überprüfung der Deutschen Börse steht am 03. September dieses Jahres an. Umgesetzt werden etwaige Änderungen dann zum 21. September. Wichtig sind Index-Änderungen vor allem für Fonds, die Indizes exakt nachbilden. Dort muss dann entsprechend umgestellt werden, was Einfluss auf die Aktienkurse haben kann.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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