25 gerissene Tiere: "Nur eine Frage der Zeit, bis ein Mensch angegriffen wird"

Betzenstein - Es könnte schon der zweite Wolfsangriff im Landkreis Bayreuth innerhalb weniger Tage sein: 18 Stück Damwild sind am Mittwoch in einem Wildgehege in Betzenstein gerissen worden, darunter 13 trächtige Tiere. Die Spuren deuten wieder auf einen Wolf hin, bestätigte ein Sprecher des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU).

Der Besitzer des Wildgeheges, Hans Ertel, steht neben 18 gerissenen Stück Damwild. Die Tiere, von denen 13 trächtig waren, kamen aller Wahrscheinlichkeit nach bei einem Wolfsangriff zu Tode.
Der Besitzer des Wildgeheges, Hans Ertel, steht neben 18 gerissenen Stück Damwild. Die Tiere, von denen 13 trächtig waren, kamen aller Wahrscheinlichkeit nach bei einem Wolfsangriff zu Tode.  © Nicolas Armer/dpa

Schon in der Nacht auf Samstag hatte ein Landwirt drei Rothirsche und vier Wildschafe tot im Nachbargehege entdeckt.

"Wir waren natürlich jetzt etwas aufgeregt, weil wir in unmittelbarer Nähe sind", sagte Wildtierhalter Hans Ertel. Noch am Abend vor dem Angriff habe er deshalb sein Gehege mit rund 65 Tieren kontrolliert.

Am Mittwochmorgen dann der Schock: Gleich am Eingang lag das erste tote Tier, beim Absuchen mit der Taschenlampe fand er 18 Kadaver. Insgesamt sind also 25 Tiere getötet worden.

Eine Wildtierkamera habe mehrere Tiere aufgezeichnet, berichtete der Landwirt. Er geht von mindestens drei oder vier Wölfen aus, die sich ein Loch unter dem Zaun gruben und in das Gehege eindrangen.

Das Gehege war zwar mit einem speziell verstärkten Wildgatterzaun geschützt, doch es fehlten noch ein Untergrabschutz und die elektrische Sicherung. Seit vergangenem Jahr fördert der Freistaat den Herdenschutz, in dem Gebiet werden alle Kosten für das Material und die Montage übernommen.

"Wir haben uns natürlich schon kundig gemacht und es war geplant, das so schnell wie möglich nachzuholen", sagte Ertel. "Aber wie man sieht ist es jetzt eigentlich zu spät." Mit Experten des Landesamts für Umwelt will er nun einen provisorischen Zaun errichten, der die verbliebene Herde schützen soll.

Wolfsrudel sieht die Weiden als ihr Buffet an

Die Aufnahme einer Wildkamera des Wildgeheges zeigt ein flüchtendes Damwildrudel während des vermeintlichen Wolfsangriffs.
Die Aufnahme einer Wildkamera des Wildgeheges zeigt ein flüchtendes Damwildrudel während des vermeintlichen Wolfsangriffs.  © Hans Ertel/dpa

Ein spezieller Zaun gegen Wölfe bedeute viel Arbeit, erklärte Harald Köppel vom Bayerischen Bauernverband.

Alle paar Tage müssten Landwirte rund um den Zaun mähen, damit sich die elektrische Sicherung nicht über Grashalme entlade. Auch die Ausbildung von Herdenschutzhunden koste viel Zeit. Der Bauernverband plädiert deshalb für eine Regulierung der Wölfe.

Die Landwirte in der Region seien verunsichert, mehrere hätten schon von Wolfsspuren rund um ihre Gehege berichtet. "Anscheinend sieht ein Wolfsrudel die Weiden hier als ihr Buffet an", sagte Köppel. "Das ist die Katastrophe schlechthin."

In den vergangenen Jahren habe es keine Probleme mit Wölfen gegeben, doch nun würden die Raubtiere ihre Scheu verlieren und selbst tagsüber durch die Gegend streifen. "Viele Spaziergänger, gerade Eltern mit Kindern, haben schon Angst", meinte Köppel. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Mensch angegriffen wird."

In Bayern gibt es in acht Regionen standorttreue Wölfe beziehungsweise Wolfsrudel. Zudem werden fast wöchentlich auch anderenorts einzelne Wölfe nachgewiesen, darunter zuletzt Anfang Februar in den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab.

Laut LfU sind das zumeist durchwandernde Tiere, die ihre elterlichen Rudel verlassen haben und auf der Suche nach einem eigenen Gebiet sind.

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa

Mehr zum Thema Bayern:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0