Von der Mutter zum Sterben ausgesetzt: Neugeborenes liegt 34 Stunden nackt im Freien

Augsburg - Eine 32 Jahre alte Frau muss sich von Dienstag an wegen versuchten Totschlags an ihrem neugeborenen Baby vor dem Augsburger Landgericht verantworten. 

Nach 34 Stunden wurde der Säugling entdeckt und in eine Klinik gebracht. (Symbolbild)
Nach 34 Stunden wurde der Säugling entdeckt und in eine Klinik gebracht. (Symbolbild)  © 123rf/Andrey Malov

Die Frau soll laut Anklage im Juli 2019 auf einer Wiese in Blindheim im Landkreis Dillingen nachts allein einen Buben zur Welt gebracht und ihr Kind dann dort völlig unbekleidet im hohen Gras zurückgelassen haben. Anschließend soll die Frau in das Haus ihrer Eltern gegangen sein, ohne dort von der Geburt zu berichten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Frau ihres Babys entledigen und den kleinen Jungen sterben lassen wollte. Die Mutter habe bereits zwei Kinder und die neue Schwangerschaft dann vor Menschen in ihrer Umgebung geheim gehalten. Die Frau habe auch nicht genau gewusst, wer der Vater des Kindes sei. Sie habe die Sorge für ihren Sohn und dessen Erziehung nicht übernehmen wollen, heißt es in der Anklageschrift zum Motiv für die Tat.

Der Säugling lag mehr als einen Tag unentdeckt in der Wiese. Erst etwa 34 Stunden nach der Geburt entdeckte ein Anwohner das Baby im Gras. Der Bub wurde in lebensbedrohlichem Zustand per Rettungshubschrauber in die Augsburger Universitätsklinik geflogen. Die Ärzte konnten ihn retten. Das Kind wird allerdings ein Leben lang unter den Folgen leiden, drei abgestorbene Zehen des Säuglings mussten amputiert werden. Später kam das Baby zu einer Pflegefamilie.

Die Mutter war wenige Stunden nach der Entdeckung des Säuglings in ihrer Wohnung in Dillingen festgenommen worden. Am Folgetag wurde ein Haftbefehl gegen sie erlassen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 32-jährigen Deutschen versuchten Totschlag, gefährliche und schwere Körperverletzung sowie Aussetzung vor.

Die Verteidigerin der Angeklagten wollte sich vor dem Prozess nicht zu den Vorwürfen gegen ihre Mandantin äußern. Für das Verfahren sind zunächst vier Verhandlungstage geplant. Das Urteil könnte demnach am 21. Juli fallen.

Titelfoto: 123rf/Andrey Malov

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