Ferien, aber keine Urlauber: Nordsee-Inseln in der Corona-Krise

Spiekeroog - Mit den Osterferien beginnt eigentlich die Saison auf den ostfriesischen Inseln. Doch in der Corona-Krise sind die Cafés und Restaurants zu, die Ferienwohnungen bleiben dunkel, Strände und Promenaden verwaist.

Nur vereinzelt gehen Menschen am Strand von Norderney spazieren.
Nur vereinzelt gehen Menschen am Strand von Norderney spazieren.  © Volker Bartels/dpa

"Es ist alles leer. Und die Leute bangen natürlich um ihre Existenzen", sagt der Bürgermeister von Spiekeroog, Matthias Piszczan (CDU). 

Ohne das Coronavirus wäre jetzt richtig Stimmung: Urlauber, dazu Klassenfahrten und Konfirmandengruppen. "Über 1000 wären locker schon da", ist sich der Bürgermeister sicher. Und ab Gründonnerstag gelte die Insel mit 3600 Betten sonst als ausgebucht.

Auf der größten der sieben Inseln fallen laut dem Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum, Göran Sell, allein am verlängerten Osterwochenende knapp 50.000 Übernachtungen weg. Um die Gesundheitssysteme zu schützen, sind die Inseln momentan für Touristen und auch Zweitwohnungsbesitzer gesperrt.

Vorbereitungen für bessere Zeiten laufen dennoch, aber etwa in der Strandkorbwerkstatt auf Norderney mit angezogener Handbremse. 

"Wir sind da normalerweise mit drei, vier Leuten kontinuierlich am Reparieren, das ist runtergefahren", sagt der Betriebsleiter beim Technischen Dienst Norderney, Erik Fischer. Und aufgebaut am Strand werde gerade nichts. "Wir versuchen durch Abbau von Überstunden, Schieben von Arbeiten uns einigermaßen vernünftig über Wasser zu halten."

An Wangerooges Stränden wird gerade Sand aufgeschüttet. Die Sturmflutschäden werden nur reduziert behoben: Abschnitte fallen dieses Jahr flacher oder schmaler aus, wie Bürgermeister Marcel Fangohr (parteilos) erzählt. "Wir müssen ja gucken, dass wir selber irgendwie über die Zeit kommen. Wir rechnen mit Umsatzeinbußen von ungefähr einer Million Euro bei der Kurverwaltung." 

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Nord- und Ostsee-Inseln gesperrt

Die Strandpromenade auf Norderney ist menschenleer.
Die Strandpromenade auf Norderney ist menschenleer.  © Volker Bartels/dpa

Die gesamten Umsatzeinbußen für die Saison schätzt er auf mindestens zehn Millionen Euro. Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) sagt: "Es sind mittelbar fast alle auf der Insel betroffen."

In der Milchbar auf Norderney wären momentan 25 bis 30 Leute beschäftigt - und zahlreiche Gäste würden sich bei Sonnenschein auf der Terrasse sammeln. Dort wurden in der Zwangspause nun die Möbel abgeschliffen und gestrichen, wie Besitzer Jens Brune erzählt. 

Mitarbeiter, die zur Zeit Urlaub genommen haben oder auch in Kurzarbeit gehen, suchten andere Beschäftigung: Einige unterrichten - im Abstand von zwei Metern - die Auszubildenden weiter.

Es gibt auch Pläne, Suppen zu kochen und an Hilfsbedürftige zu verteilen. Die Belegschaft sei wachsam, Existenzängste seien aber momentan noch nicht vorhanden, so Brune.

Das Touristenverbot erachten alle Gesprächspartner als sinnvoll, Gesundheit gehe jetzt vor. Angesichts der Verbreitung des Virus Sars-Cov-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, waren die Nord- und Ostseeinseln gesperrt worden. Entsprechende Allgemeinverfügungen der niedersächsischen Landkreise gelten zunächst bis zum 18. April.

"Ich denke, das wird sehr lange dauern, bis der Tourismus anfängt. Wir rechnen jetzt persönlich selber nicht unbedingt vor Anfang Juni mit einer Lockerung", so Wangerooges Bürgermeister.

Auch bei Spiekeroogs Bürgermeister fällt die Prognose pessimistisch aus: "Ich vermute mal, meine persönliche Meinung, dass wir das zweite Quartal auch abschreiben können. Wenn wir ganz viel Glück haben, fängt es Pfingsten wieder an."

Titelfoto: Volker Bartels/dpa

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