Lage spitzt sich zu: Landwirte klagen über "Schweinestau"

Damme - Angesichts der schleppenden Nachfrage nach Schweinefleisch füllen sich die Kühlhäuser.

Halbierte Schweine hängen in einem Schlachthof an den Haken.
Halbierte Schweine hängen in einem Schlachthof an den Haken.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

"Derzeit wird viel eingefroren", sagte der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN), Torsten Staack, in Damme (Niedersachsen).

So habe sich bereits seit dem Beginn des ersten Corona-Lockdowns die Nachfrage nach Schweinefleisch verringert, was zu einem Anstieg der Lagerware führte. Seit dem Exportstopp für Schweinefleisch im September vergrößerte sich der Lagerbestand demzufolge noch weiter.

Die Landwirte klagen seit Monaten über einen "Schweinestau": Wegen verstärkter Hygieneregeln in den Schlachthöfen und zum Teil wegen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern ist die Schlachtkapazität seit einiger Zeit deutschlandweit reduziert. In der Folge konnten die Tiere nur mit Verzögerung geschlachtet werden.

Der entsprechende Überhang an Tieren, die geschlachtet werden müssen, habe über die Weihnachtsfeiertage seinen Höhepunkt gehabt, sagte Staack: "Da haben wir an der Millionen-Grenze gekratzt."

Der Kilo-Schlachtpreis für die Landwirte verharrt nach wie vor bei 1,19 Euro, sagte Staack. Bis zum September hatten die Landwirte von den boomenden Exporten nach China profitiert - Ende 2019 lag der Durchschnittsschlachtpreis noch bei rund 2 Euro.

Aber nachdem auch in Deutschland unter Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest ausbrach, ist dieser Markt weggebrochen.

Vielen Schweinehaltern droht das Aus

Neugierige junge Schweine blicken in die Kamera.
Neugierige junge Schweine blicken in die Kamera.  © picture alliance / dpa

Wegen des Corona-Lockdowns seien auch andere Absatzmärkte weggebrochen, erklärte Staack - die Gastronomie und die Kantinen fehlen ebenso wie der Bratwurstverkauf in den Bundesligastadien am Wochenende.

Auch wenn ein Export nach China erst einmal nicht in Sicht sei, müsse sich die Bundesregierung doch um andere Märkte in Asien bemühen. "Auch Südkorea und Japan sind für uns wichtig."

Aus Sicht von Landvolk-Vize Ehlers werden sich die Märkte verschieben. Statt Deutschland würden nun andere Länder die Chance ergreifen, die Nachfrage nach Schweinefleisch in China zu stillen.

Als Folge der gegenwärtigen Marktsituation werden nach Ehlers Einschätzung noch mehr Schweinehalter - hier vor allem die Sauenhalter und Ferkelerzeuger - aufgeben. "Die wirtschaftliche Situation ist einfach zu schwierig", sagte Ehlers.

Titelfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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