Politiker gratulieren: 75. NRW-Geburtstag allerdings auch unter Eindruck der Flut

Düsseldorf – Nordrhein-Westfalen feierte seinen 75. Geburtstag mit viel Prominenz auf einer Galopprennbahn. Auch Kanzlerin Angela Merkel (67, CDU) war dabei. Unbeschwert war die Feier aber nicht.

Angela Merkel (67, CDU) hielt eine Rede zum 75. Geburtstag des bevölkerungsreichsten Landes.
Angela Merkel (67, CDU) hielt eine Rede zum 75. Geburtstag des bevölkerungsreichsten Landes.  © Federico Gambarini/dpa

Zum 75. Landesgeburtstag Nordrhein-Westfalens hat Kanzlerin Merkel mit Blick auf die verheerende Flutkatastrophe den Zusammenhalt der Menschen gelobt und weitere Unterstützung versprochen.

Die Menschen könnten sich darauf verlassen, "dass wir sie bei dieser Herkules-Aufgabe nicht allein lassen", sagte Merkel am Montag beim Festakt zum Landesgeburtstag in Düsseldorf.

Die Bilder der schrecklichen Flutkatastrophe habe sie weiter vor Augen. Es bleibe "unfassbar", wie viele Menschen ihr Leben bei der Flut im Juli verloren hätten und dass ganze Ortschaften zerstört worden seien.

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Für Viele sei die "Welt auf einen Schlag eine andere geworden". Auch als Gesellschaft werde Zusammenhalt gebraucht. Die Menschen in NRW hätten gezeigt, was das bedeute. "In der Stunde der Not waren und sind sie füreinander da."

Künftig solle erreicht werden, dass die Bevölkerung bei drohenden Katastrophen schneller informiert werde.

Laschet: Zusammenhalt und Offenheit zeichnen NRW aus

Auch Parteikollege Armin Laschet (60, CDU) äußerte sich zur Hochwasserkatastrophe und dankte Merkel.
Auch Parteikollege Armin Laschet (60, CDU) äußerte sich zur Hochwasserkatastrophe und dankte Merkel.  © Roland Weihrauch/dpa

Mit Blick auf Extremwetterphänomene sagte Merkel, es sei umso wichtiger, die angestrebten Klimaziele auch einzuhalten. Klimafreundliches Wirtschaften und Arbeiten müssten ebenso ermöglicht werden, wie es gelte, soziale Härten zu vermeiden.

Es gehe darum, die derzeitigen Kohleregionen künftig besser dastehen zu lassen als zuvor, betonte die scheidende Kanzlerin. NRW habe Erfahrung mit dem Strukturwandel nach dem Ausstieg aus der Steinkohle.

Auch Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) nannte den Zusammenhalt der Menschen in NRW "eine wichtige Tugend". Schon Stunden nach der Überschwemmung seien die Menschen in die Krisengebiete gefahren und hätten angepackt.

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Die Landesregierung werde ihr Versprechen halten und den Betroffenen der Katastrophe zur Seite stehen.

Zusammenhalt zeichne das Land aus ebenso wie Offenheit und Vielfalt.

Armin Laschet dankte Bundeskanzlerin Merkel für die vergangenen Jahre

Nicht nur bei der Flut habe Angela Merkel (67) dem Land geholfen. In den letzten Jahren habe sie Deutschland durch schwere Zeiten geführt.
Nicht nur bei der Flut habe Angela Merkel (67) dem Land geholfen. In den letzten Jahren habe sie Deutschland durch schwere Zeiten geführt.  © Oliver Berg/dpa

Laschet dankte Merkel für ihre Führungskraft in den großen Krisen ihrer 16-jährigen Amtszeit. "Du hast unser Land mit glücklicher Hand durch diese Zeiten geführt", sagte der Unions-Kanzlerkandidat. "Dafür dankt Dir Nordrhein-Westfalen ganz herzlich."

Laschet nannte als Beispiele die Weltfinanzkrise, die Euro-Krise, die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie.

Laschet sprach Merkel mit "liebe Angela" an. Merkel habe schon zum 70. NRW-Landesgeburtstag vor fünf Jahren die Festrede gehalten, sagte er. "Aller Voraussicht nach wirst Du zum 80. Geburtstag nicht mehr Kanzlerin sein." Zur Bundestagswahl am 26. September tritt Merkel nicht mehr an.

CDU/CSU wie auch Laschet kämpfen derzeit gegen schlechte Umfragewerte, die die Möglichkeit, dass die Union in der Opposition landet, denkbar erscheinen lassen.

Laschet dankte Merkel und der Bundesregierung besonders für das Hilfspaket in Höhe von 30 Milliarden Euro zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe.

Dies sei eine "große gesamtdeutsche Leistung". "Herzlichen Dank auch an die Bundesregierung", sagte der CDU-Bundesvorsitzende, ohne die SPD als Koalitionspartner im Bund zu nennen.

Gäste aus England und Ghana waren anwesend

Am Abend waren auch Politiker-Kollegen aus England und Ghana zu Gast.
Am Abend waren auch Politiker-Kollegen aus England und Ghana zu Gast.  © Roland Weihrauch/dpa

Coronabedingt wurde der Landesgeburtstag unter freiem Himmel auf der Düsseldorfer Galopprennbahn gefeiert - einschließlich kurzem Pferderennen.

Vertreter des britischen Königshauses kamen zwar nicht nach Düsseldorf, an der Feier nahm aber der britische Staatsminister für Handelspolitik, Greg Hands, teil. 35 Musiker in typisch britischer roter Uniform und Bärenfellmütze spielten Blasmusik.

Merkel und Laschet betonten die Wichtigkeit guter Beziehungen zu Großbritannien auch nach den Brexit. Hands rief in fließendem Deutsch dazu auf, die Handelsbeziehungen auszubauen. "Ich habe meine eigene Operation Marriage erfüllt", sagte Hands, der mit einer Deutschen verheiratet ist.

Nordrhein-Westfalen wurde 1946 von der britischen Militärregierung gegründet. Aus dem nördlichen Teil der preußischen Rheinprovinz sowie Westfalen wurde das Bundesland gebildet. Die "Operation Marriage" wurde am 23. August 1946 in Düsseldorf besiegelt. Die Lipper kamen 1947 dazu.

Eingeladen war auch der Präsident Ghanas, Nana Akufo-Addo. NRW verbindet seit mehr als 20 Jahren eine enge Partnerschaft mit dem westafrikanischen Staat.

Merkel forderte, dass dafür gesorgt werde müsse, dass auch Afrika bald genügend Corona-Impfstoff habe.

Auch Nana Akufo-Addo (77), Staatspräsident der Republik Ghana, besuchte Nordrhein-Westfalen zum 75. Geburstag.
Auch Nana Akufo-Addo (77), Staatspräsident der Republik Ghana, besuchte Nordrhein-Westfalen zum 75. Geburstag.  © Oliver Berg/dpa

Musik durfte zum Geburtstag nicht fehlen

Das Musikprogramm gestalteten Stars aus NRW - Star-Geiger David Garrett (40) spielte Beethoven und einen alten Hit der US-Band Toto. Trompeter Till Brönner (50) - geboren in Viersen - gab unter anderem den Song "Happy" von Pharell Williams (48) und "September Morn" von Neil Diamond (80) zum Besten. Auch das WDR-Sinfonieorchester trat auf. Die Moderation übernahm der gebürtige Bonner Johannes B. Kerner (56).

Mit Videobotschaften gratulierten unter anderem Torhüter Manuel Neuer (35), Höhner-Sänger Henning Krautmacher (64) und Schauspielerin Veronica Ferres (56) dem Land NRW. Die gebürtige Solingerin Ferres sang auch eine engagierte Version von "Happy Birthday".

Titelfoto: Montage: Roland Weihrauch/dpa, Federico Gambarini/dpa

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