Drama in NRW-Stadt: "Unsere komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen!"

Stolberg/Aachen/NRW - Wertvolle historische Dokumente des Stolberger Stadtarchivs bei Aachen sind in Gefahr.

Ein Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) läuft durch das überflutete Stadtarchiv von Stolberg.
Ein Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) läuft durch das überflutete Stadtarchiv von Stolberg.  © Marius Becker/dpa

In der Unwetterkatastrophe hatten Wassermassen den Keller überflutet, Urkunden und andere Schriften drohen zu verschimmeln.

"Unsere komplette Stadtgeschichte ist abgesoffen, das ganze Archivmaterial stand im Wasser", sagte Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD) am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Jetzt muss man versuchen zu retten, was zu retten ist."

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Es gebe zahlreiche Helfer vor Ort, zudem habe das Kölner Stadtarchiv Experten zur Unterstützung geschickt - die Domstadt hat nach dem Einsturz ihres Stadtarchivs im Jahr 2009 Erfahrung mit der Sicherung von Materialien unter widrigen Bedingungen.

Aus Köln wurde am Montagnachmittag ein Kulturgutschutz-Container erwartet, den die Domstadt im vergangenen Jahr gekauft hatte.

In ihm sollen Dokumente gesäubert und sichergestellt werden. Die Dokumente müssen schockgefroren werden, damit kein Zersetzungsprozess beginnt.

Es gehe unter anderem um Urkunden aus dem Mittelalter, aber auch um normale Bauanträge - letztere seien wichtig, etwa um zukünftig Ausbauten zu genehmigen, erklärte der Bürgermeister.

Stolberg bei Aachen von Wassermassen zerstört

In Stolberg hat das Unwetter große Teile der Stadt zerstört.
In Stolberg hat das Unwetter große Teile der Stadt zerstört.  © Marius Becker/dpa

Der Kommunalpolitiker betonte die Bedeutung des Archivs für seine Stadt. "Die historischen Wurzeln sind den Menschen sehr wichtig", sagte er.

"Wir haben eine lange Stadtgeschichte und gerade noch über den Bau eines Historicums nachgedacht, um den Menschen moderne Archivräume und Ausstellungen bieten zu können."

Solche Pläne seien nun vorerst vom Tisch. "Jetzt denken wir darüber nach, ob wir in Zukunft überhaupt noch Archivmaterial und damit Zeugnisse unserer Stadthistorie haben werden, die wir zeigen können."

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Stolberg bezeichnet sich als "Kupferstadt", was auf die Ansiedlung von protestantischen Kupfermeistern zurückgeht, die eine lange Tradition der Metallverarbeitung in der Stadt begannen. "Es geht um unser historisches Gedächtnis, was gerettet werden muss."

Der Wiederaufbau der von der Unwetterkatastrophe verwüsteten Stadt Stolberg wird nach Einschätzung des Bürgermeisters immens teuer. "Wir müssen eine komplette Innenstadt wiederherstellen."

Stolberg hat 57.000 Einwohner und einen Jahreshaushalt von rund 200 Millionen Euro. Die Stadt benötige dringend umfassende Hilfen von Bund und Land. Der Bürgermeister sorgte sich vor der Abwanderung von zerstörten Unternehmen.

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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