Kritik an verfrühtem NRW-Ferienstart: "Hiobsbotschaft" für Alleinerziehende

Düsseldorf – Die überraschende Ankündigung von Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) zu früheren Weihnachtsferien in NRW hat am Freitag ein Nachspiel im Landtag: Auf Antrag von SPD und Grünen wird es eine Aktuelle Stunde im Plenum geben, bei der sich die Landesregierung erklären soll.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) setzt sich für verfrühte Weihnachtsferien ein.
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) setzt sich für verfrühte Weihnachtsferien ein.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Die für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und auch das Parlament überraschende Entscheidung" habe "weitere drängende Fragen" aufgeworfen, so die Fraktionen von SPD und Grünen.

Zudem sei die Entscheidung der Landesregierung über den früheren Ferienstart am Mittwoch bei der Plenarsitzung noch nicht als definitiv getroffen verkündet worden – das tat Gebauer beim WDR.

Um den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen, habe man sich dazu entschieden, den 21. und 22. Dezember freizugeben, sagte Gebauer dem WDR. Damit wird Freitag, der 18. Dezember, der letzte Schultag in diesem Jahr.

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Nordrhein-Westfalen An diesem Samstag: Erste Lifte in Winterberg sollen laufen

Lehrerverbände in Nordrhein-Westfalen haben auf den früheren Beginn der Weihnachtsferien in NRW verhalten reagiert.

"Diese Idee ist nicht dienlich", sagte die Vorsitzende des Philologenverbands, Sabine Mistler, der Rheinischen Post. Wichtig sei aus ihrer Sicht vor allem, dass insbesondere Oberstufenschüler noch ihre Klausuren schreiben könnten, da es in der jetzigen Situation kaum eine Verschiebemöglichkeit gebe.

Eltern und Lehrer reagieren gemischt auf frühere Weihnachtsferien

Nach Ansicht des Präsidenten des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbandes, Andreas Bartsch, ist die Entscheidung verfrüht. "Je nach Infektionslage sollten dann Virologen beurteilen, ob dies sinnvoll ist", sagte er der Rheinischen Post. Zudem sei nicht, sicher ob sich die Schüler in dieser Zeit in Quarantäne begäben.

Das Vorstandsmitglied der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, Dieter Cohnen hingegen sagte dem Blatt: "Grundsätzlich ist eine solche langfristige Festlegung gut, weil sie Planungssicherheit für die Feiertage und für die Reise- und Touristikbranche bringt." Es müsse jedoch geklärt werden, wo die beiden zusätzlichen Ferientage herkommen sollen.

Update, 10.15 Uhr: Schulministerin Gebauer will Ausfall kompensieren

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) will die obligatorischen Fragen zum vorgezogenen Ferienstart klären.
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (54, FDP) will die obligatorischen Fragen zum vorgezogenen Ferienstart klären.  © Jonas Güttler/dpa

Nach der Entscheidung der Landesregierung, die Weihnachtsferien zwei Tage früher beginnen zu lassen, sollen nun die organisatorischen Fragen geklärt werden.

"Es ist wichtig, jetzt zu besprechen, wie der Ausfall fachlich kompensiert werden kann - besonders für diejenigen, die im kommenden Jahr ihre Abschlüsse machen", sagte Gebauer am Donnerstag im WDR5-"Morgenecho".

Auch müsse darüber gesprochen werden, "wie wir eine Notbetreuung für Kinder und Jugendliche an diesen beiden Tagen sicherstellen können für Eltern aus systemrelevanten Berufen; für Kinder, die eben nicht zuhause an diesen beiden Tagen versorgt werden können".

Update, 12.10 Uhr: Kritik an früheren Weihnachtsferien wächst, Betreuungsfrage offen

Besonders für Alleinerziehende können die vorgezogenen Weihnachtsferien zum Problem werden. (Symbolbild)
Besonders für Alleinerziehende können die vorgezogenen Weihnachtsferien zum Problem werden. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Die Kritik an dem Plan, die Weihnachtsferien vorzuziehen, wächst. Unter anderem ist nach Ansicht der Lehrergewerkschaft GEW vor allem die Frage offen, wer die Kinder während der zusätzlichen Freizeit betreuen soll.

Eltern, die am 21. und 22. noch arbeiten müssen, hätten ein Problem, meint die GEW. "Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein", sagte dazu die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern am Donnerstag der dpa.

Nicola Stroop, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, wurde noch deutlicher: "Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, die Weihnachtsferien vorzuverlegen, ist für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft."

Was von der Schulministerin "als Geschenk im Sinne des Infektionsschutzes gedacht" sei, stelle Alleinerziehende wieder vor das Problem, "die Betreuung ihrer Kinder für diese Tage individuell sicherstellen zu müssen". Dabei habe kaum noch jemand Urlaubstage übrig.

Stroop forderte: "Schließungen von Schulen müssen strukturell kompensiert werden, entweder durch einen gesetzlichen Anspruch auf Notbetreuung oder durch finanzielle Ausgleichszahlungen wie ein Corona-Elterngeld."

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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