Online-Semester endet: Wie geht es weiter an den Unis in NRW?

Düsseldorf – Das erste Online-Semester in Nordrhein-Westfalen hat die Dozenten und die 780.000 Studierenden herausgefordert - aber am Ende sind die Beteiligten recht zufrieden. Im Wintersemester deutet sich eine Mischform an.

Im Sommersemester 2020 fanden die Vorlesungen wie hier an der RWTH Aachen digital statt.
Im Sommersemester 2020 fanden die Vorlesungen wie hier an der RWTH Aachen digital statt.  © Henning Kaiser/dpa

"Die Umstellung auf digitale Angebote und der Ausbau der dafür benötigten technischen Infrastruktur ist erfolgreich verlaufen", sagt Prof. Lambert Koch, der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten.

Wegen der Ansteckungsgefahr durch die Corona-Pandemie mussten die Hochschulen in den Online-Unterricht ausweichen: Überfüllte Hörsäle und Seminarräume hätten Studierende und Hochschullehrer gefährdet.

Laut Koch hat die Umstellung - gerade angesichts der kurzen Zeit - die grundsätzliche Flexibilität, Kreativität und Modernität der Universitäten in NRW bewiesen. Die Vorlesungszeit an den 70 Hochschulen endet an diesem Freitag.

Ungefähr 90 Prozent aller Lehrveranstaltungen konnten digital angeboten werden, so die Hochschulen. Kurse mit zwingender Präsenz in Werkstätten oder Laboren habe es vor Ort aber auch gegeben.

Die Studierenden äußeren sich positiv: "Die Lehre funktioniert eigentlich ziemlich gut", sagt Jonas Neubürger, der Koordinator des Landes-ASten-Treffens NRW, in dem Studenten-Vertretungen der Hochschulen zusammengeschlossen sind. Teils hätten Studierende aber aufwendige Hausarbeiten schreiben müssen, weil sie keine Referate in den Seminaren halten konnten.

"Hybrid-Semester" als Option, Sorge um die Erstsemester

Gut gefüllte Hörsäle bei Vorlesungen gab es im Sommersemester 2020 an den NRW-Unis nicht (Archivbild).
Gut gefüllte Hörsäle bei Vorlesungen gab es im Sommersemester 2020 an den NRW-Unis nicht (Archivbild).  © Uwe Anspach/dpa

Laut Neubürger wird es schwierig, wenn Studierende kein privates Internet zur Verfügung haben. Vorlesungen wurden aber auch mit Hilfe von Internet-Konferenzen angeboten. 

Die Universität Dortmund etwa habe allen einen Zugang zu solchen Konferenzen gegeben, so dass Studierende auch Lerngruppen bilden konnten. Wenn möglich, gab es auch Präsenz-Prüfungen. In Dortmund etwa schrieben die Hochschüler ihre Examen in den riesigen Westfalenhallen unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Wenn der Lehrbetrieb im Wintersemester am 26. Oktober wieder startet, wird es möglicherweise eine Mischform zwischen Präsenz- und Online-Betrieb geben. 

"Angestrebt wird ein "Hybrid-Semester" mit so viel Präsenz wie möglich", erklärt Lambert Koch. Dabei gehe es um ein Abwägen zwischen den Schutzgütern Gesundheit und Leben einerseits - sowie Recht auf Bildung und Wissenschaftsfreiheit andererseits.

"Wir machen uns ein bisschen Sorge um die Erstsemester", sagt allerdings AStA-Experte Jonas Neubürger. Denn im Wintersemester beginnen viele Studiengänge, entsprechend viele "Erstis" kommen - und der erste Kontakt mit der Universität wird vielleicht nur online stattfinden.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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