Deutlich weniger Straftaten in der Corona-Krise in NRW

Düsseldorf – Die Zahl der Straftaten ist in der Zeit der Corona-Einschränkungen in Nordrhein-Westfalen deutlich gesunken.

Zwischen März und Juni 2020 gab es in NRW weniger Fälle von häuslicher Gewalt als im Vorjahr (Symbolbild).
Zwischen März und Juni 2020 gab es in NRW weniger Fälle von häuslicher Gewalt als im Vorjahr (Symbolbild).  © Maurizio Gambarini/dpa

Die Gesamtkriminalität sei zwischen Anfang März und Ende Juni um knapp 23 Prozent zurückgegangen, teilte Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf mit. 

Auch die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt ging um 21 Prozent zurück. Er selbst habe da "noch ein paar Fragezeichen im Kopf", sagte Reul. Aber die Zahl der angezeigten Fälle sei im Vergleichszeitraum von 13.230 auf 10.479 gesunken. 

Viel zu tun hatte die Polizei unter anderem an Ostern und den zurückliegenden Wochenenden wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln. Insgesamt wurden vom 25. März bis Ende Juni tausende Verstöße und 50.587 Personen festgestellt.

Der Rückgang der Kriminalität betraf fast alle Bereiche. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank um 30 Prozent von 7561 auf 5290 Fälle. Die Zahl der Raubüberfälle ging um rund ein Viertel zurück auf 2821 Fälle. 

Reul erklärte zum Gesamtrückgang: "Ist auch klar, wenn das öffentliche Leben zurück gefahren wird, passiert auch weniger." Wenn die Menschen mehr zu Hause seien, hätten Einbrecher zum Beispiel weniger Gelegenheiten - und wenn "das Taxi nicht fährt, kann auch kein Taxifahrer ausgeraubt werden."

Hoher Schaden durch Betrug bei Corona-Soforthilfen

NRW-Innenminister Herbert Reul bei einer Pressekonferenz (Archivbild).
NRW-Innenminister Herbert Reul bei einer Pressekonferenz (Archivbild).  © Caroline Seidel/dpa

Keine Antwort hatte Reul auf die Frage, warum auch die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt zurück gegangen sind. Er selbst habe mit eher mehr Aggressivität gerechnet, wenn man länger auf engstem Raum zusammen sei. 

Der Minister erklärte, es gebe nur Vermutungen zur Ursache. Es könnte sein, dass die Nachbarn besser aufgepasst hätten oder auch nicht alle Taten angezeigt wurden - weil es keine Gelegenheit gab, wenn der Partner auch immer zuhause war.

Reul sprach auch von "Corona-bedingten Delikten". Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie hätten Betrüger sich als angebliche Mitarbeiter des Gesundheitsamtes ausgegeben, berichtete Reul. Er sprach erneut vom "Enkeltrick im weißen Kittel". Hier hätten die Täter inzwischen nur noch selten Erfolg, da die öffentliche Aufklärung «sehr groß war».

Thema Wirtschaftskriminalität: Durch falsche Anträge auf Corona-Soforthilfe entstand laut Reul bislang ein Schaden von rund fünf Millionen Euro. Dies müsse man aber in Relation zur Gesamtauszahlung von 4,5 Milliarden Euro sehen, sagte der Minister. Bei den falschen Anträgen geht es um Personen, die unberechtigte Hilfen beantragt oder mehrere Anträge gestellt haben.

Über 50.000 Verstöße gegen Corona-Schutzmaßnahmen

Die Polizei hatte in den letzten Monaten aber auch durch Verstöße gegen die Corona-Regeln viel zu tun. Zwischen Ende März und Ende Juni nahm die Polizei in Nordrhein-Westfalen von 50.587 Menschen Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen zu Protokoll. 

Der Minister betonte, dass dies nur die Fälle seien, bei denen die Polizei involviert war. Die Zuständigkeit liegt grundsätzlich bei den örtlichen Behörden mit ihren Ordnungsämtern.

Titelfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0