Geldautomaten-Sprenger schlagen derzeit fast täglich in NRW zu

Düsseldorf – Während die Kriminalität in Zeiten des Coronavirus in vielen Bereichen stark gesunken ist, schießt die Zahl der Geldautomaten-Attacken in die Höhe. Fast täglich knallt es in NRW.

Der Geldautomat im Vorraum einer Bank in Geilenkirchen wurde am frühen Dienstagmorgen gesprengt.
Der Geldautomat im Vorraum einer Bank in Geilenkirchen wurde am frühen Dienstagmorgen gesprengt.  © Ralf Roeger/dpa

Der aktuellste Fall geschah am Dienstagmorgen. Bei der Sprengung eines Geldautomaten in Geilenkirchen (Kreis Heinsberg) sind Türen und Fenster eines Bankvorraums zerstört worden. 

Der Automat sei durch die Explosion in der Nacht zum Dienstag stark beschädigt worden, teilte die Polizei mit. Demnach hatten Zeugen gegen 3.40 Uhr Explosionsgeräusche gehört und die Beamten verständigt. Die unbekannten Täter entkamen. 

Zuletzt hat sich die Anzahl der Geldautomatensprengungen in Nordrhein-Westfalen deutlich erhöht.

Fast täglich werden derzeit Geldautomaten in die Luft gejagt. Die Zahl der Attacken hat sich in diesem Jahr bislang weit mehr als verdoppelt. Während bis Montag 64 Fälle gezählt wurden, waren es im Vorjahr bis zum Stichtag 20. April erst 28 Taten gewesen, wie das Landeskriminalamt am Montag auf dpa-Anfrage mitteilte.

Die nächtlichen Sprengkommandos zeigen sich unbeeindruckt von Festnahmen, tödlichen Unfällen auf der Flucht und missglückten Versuchen. Denkbar ist, dass die Gangster, die nach Erkenntnissen der Ermittler oft aus den Niederlanden nach NRW kommen, vor einer möglichen Schließung der Grenze oder der besseren Sicherung der Automaten noch möglichst viel Beute machen wollen.

Ermittler vermuten Täter aus den Niederlanden

Die LKA-Sonderkommission "Heat" ermittelt wegen der Automatensprengungen (Symbolbild).
Die LKA-Sonderkommission "Heat" ermittelt wegen der Automatensprengungen (Symbolbild).  © Patrick Pleul/ZB/dpa

Die Ermittler der LKA-Sonderkommission "Heat" gehen davon aus, dass viele der Explosionen auf das Konto einer Täterszene gehen, die in den Vororten von Utrecht und Amsterdam in den Niederlanden lebt.

Die Gangster türmen bevorzugt mit hochmotorisierten gestohlenen Autos der Marke Audi und extrem rücksichtslosem Fahrverhalten. Die sogenannte "Audi-Bande" hat auf diese Weise in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro erbeutet und Millionenschäden durch die Sprengungen angerichtet.

Vor einigen Wochen waren dabei zwei mutmaßliche Gangster nach einem missglückten Coup in Emmerich in den Tod gerast. Ihr Audi raste mit bis zu 250 Stundenkilometern vermutlich ohne Licht nachts über eine Autobahn, als ein Lastwagen vor dem Fluchtwagen ausscherte.

Die Ermittlungskommission "Heat" des Landeskriminalamts NRW geht davon aus, dass ein Großteil der Sprengattacken auf das Konto einer mehrere hundert Mann starken Szene nordafrikanischer Einwanderer aus dem Raum Utrecht und Amsterdam geht.

Der jüngste Coup ereignete sich am frühen Montagmorgen in Bonn. Die Explosion war so stark, dass ein Bewohner ein Knalltrauma erlitt und das Haus evakuiert werden musste. Ein Baustatiker soll nun prüfen, ob es noch bewohnbar ist. Die Polizei ging davon aus, dass die Täter erneut keine Beute gemacht haben (TAG24 berichtete).

Nur jede dritte Attacke bringt auch Beute

Von den bislang 64 Attacken in diesem Jahr mussten die Täter in 40 Fällen ohne Beute abziehen. Nur noch gut jede dritte Sprengattacke bringt damit Geld ein. 

Und dennoch geht die Serie im schnellen Takt weiter: Allein am vergangenen Wochenende hatten Unbekannte in Mönchengladbach, Bochum und Meerbusch Geldautomaten in die Luft fliegen lassen.

Titelfoto: Ralf Roeger/dpa

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