Großer Abschied von "Versöhnerin" Mevlüde Genç in Solingen

Solingen - Fast 1000 Menschen haben am Tatort des rechtsextremen Brandanschlags von Solingen Abschied von Mevlüde Genç genommen. Genç war in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Alter von 79 Jahren gestorben.

Familienangehörige hinter dem Sarg der verstorbenen Mevlüde Genc bei der Gedenkveranstaltung.
Familienangehörige hinter dem Sarg der verstorbenen Mevlüde Genc bei der Gedenkveranstaltung.  © Christoph Reichwein/dpa

Sie hatte bei dem verheerenden Brandanschlag von Rechtsextremisten 1993 zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte verloren. Trotzdem hatte sie nach der mörderischen Tat zur Versöhnung aufgerufen.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (47, CDU), die Ministerinnen Mona Neubaur (45) und Josefine Paul (40, beide Grüne), weitere Spitzenvertreter der Landespolitik und der türkische Botschafter waren am Dienstag in die Untere Wernerstraße nach Solingen gekommen, wo der Sarg der Bundesverdienstkreuzträgerin, flankiert von einer deutschen und einer türkischen Fahne unter freiem Himmel aufgebahrt war.

Er sollte nach der Zeremonie zur Beerdigung in die Türkei überführt werden.

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Genç habe "etwas Unvorstellbares geschafft", sagte Wüst. Sie habe trotz des entsetzlichen Verlusts "die Hand gereicht für Frieden und Versöhnung. Sie hat dem Hass Liebe entgegengesetzt."

Am 29. Mai 1993 hatten Rechtsextreme das Haus der Familie in Solingen in Brand gesetzt. Das Ehepaar Genç verlor zwei Töchter, zwei Enkelinnen und eine Nichte. 17 Familienmitglieder überlebten zum Teil schwer verletzt.

Rechtsextreme töteten ihre Familienmitglieder

Mevlüde Genç wurde 79 Jahre alt.
Mevlüde Genç wurde 79 Jahre alt.  © Marius Becker/dpa

Die Brandruine war später abgerissen worden. An ihrer Stelle wachsen inzwischen drei Kastanien.

Schon kurz nach dem Attentat hatte Mevlüde Genç zur Versöhnung aufgerufen und immer wieder gemahnt, dass dem Hass Einhalt geboten werden müsse.

Sie sei "eine große Frau, der wir so vieles zu verdanken haben", sagte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (44, SPD).

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"Lasst uns Freunde sein!" sei ihr Leitspruch gewesen. "Uns allen ist eine Mutter gestorben, die uns in den Arm genommen hat." Anschließend sprach der Imam der Solinger Ditib-Gemeinde das Totengebet.

In den vergangenen Tagen hatten bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (66, SPD) und Bundeskanzler Olaf Scholz (64) Mevlüde Genç gewürdigt.

Für ihren Einsatz um Versöhnung hatte sie das Bundesverdienstkreuz erhalten. Die NRW-Landesregierung stiftete 2018 ihr zu Ehren eine Mevlüde-Genç-Medaille. Sie wird jährlich rund um den Jahrestag des Brandanschlags von Solingen am 29. Mai an Menschen verliehen, die sich um Versöhnung, Toleranz und Zusammenhalt verdient gemacht haben.

Titelfoto: Marius Becker/dpa

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