Nach Hochwasser-Katastrophe in NRW: Leiche in Bad Münstereifel gefunden

Berlin/NRW – Der Wiederaufbau nach den Hochwasserschäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird nach Einschätzung der deutschen Bauwirtschaft mehrere Jahre dauern.

Mit den Fluten kam die Zerstörung: Viele Häuser sind unbewohnbar und müssen in mühseliger Arbeit wieder errichtet werden, wie hier ein Pferdestall in Erftstadt.
Mit den Fluten kam die Zerstörung: Viele Häuser sind unbewohnbar und müssen in mühseliger Arbeit wieder errichtet werden, wie hier ein Pferdestall in Erftstadt.  © David Young/dpa

"Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die größten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen", sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in Berlin. Das Ausmaß der Schäden in Westdeutschland sei immens, aber noch nicht zu beziffern.

Um den Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig.

"Bauunternehmen und Handwerker können ihre Kapazitäten auf 120 bis 130 Prozent hochfahren", sagte Quast der Deutschen Presse-Agentur.

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Aufträge könnten umgeschichtet und Prioritäten auf Krisenregionen gelenkt werden.

Ebenso müsse die Politik öffentliche Aufträge in anderen Bereichen zurückstellen und Behörden unbürokratisch helfen, indem sie etwa Duplikate von weggeschwemmten Bauunterlagen aushändigten.

Material-Knappheit noch immer ein Problem

Viele Trümmer dominieren das Bild in den betroffenen Gebieten. Anwohner und andere Helfer räumen in Erftstadt auf.
Viele Trümmer dominieren das Bild in den betroffenen Gebieten. Anwohner und andere Helfer räumen in Erftstadt auf.  © David Young/dpa

Die derzeitige Knappheit vieler Baumaterialien bleibe aber ein Problem, sagte der Präsident des Verbands, der etwa 35.000 Baufirmen in Deutschland vertritt. "Wenn Rohre weggeschwemmt wurden, müssen sie aus dem Rest der Republik hergebracht werden."

Beim Wiederaufbau seien zudem zerstörte Brücken ein Hindernis. "Ohne Behelfsbrücken müssen Baufirmen und Handwerker riesige Umwege fahren." Weggebrochene Straßen seien für geländegängige Baumaschinen weniger ein Problem.

Das Baugewerbe unternehme alles, um betroffenen Betrieben in den Krisenregionen zu helfen und Kapazitäten umzuschichten. Eine Firma im Hunsrück etwa sei in Mitleidenschaft gezogen worden, aber die Beschäftigten stünden bereit, berichtete Quast. "In solchen Fällen müssen Leihgeräte her, Bagger, Radlader und Lkw."

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Das Baugewerbe arbeite daran, solche Hilfen aus anderen Unternehmen zu organisieren.

Alle Meldungen des gestrigen Tages findest Du im TAG24-Ticker zum Geschehen in NRW von Montag.

Update, 20.13 Uhr: Evakuierung in Leichlingen

Ein übervoller Anglerteich hat am Dienstagabend wieder Evakuierungen in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis nach sich gezogen. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte Hauptbrandmeister Thomas Schmitz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit. Der Uferbereich des Anglerteichs Hasensprung in der Ortschaft Büscherhöfen beginne sich aufzulösen. Sicherheitshalber werde der Bereich mit Sandsäcken gesichert und Wasser abgelassen.

Die Polizei evakuiere Häuser der kleinen Ortschaft. Bewohner eines Altenheims würden aus dem Erdgeschoss in die erste Etage verlegt. Größere Überflutungen in der Nacht zum Mittwoch würden aber nicht befürchtet.

Unterdessen dementierte die Stadt Leverkusen Gerüchte, dass der Damm der zwischen Leichlingen, Leverkusen und Burscheid gelegenen Diepentalsperre durch einen Schaden am Bauwerk gefährdet sei. "Dies ist nicht der Fall", teilte eine Sprecherin mit. "Eine schadhafte Stelle wird repariert. Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung in Leverkusen."

Update, 20.01 Uhr: Schwebebahn in Wuppertal soll bald wieder fahren

Entwarnung bei der Wuppertaler Schwebebahn: Am kommenden Wochenende kann das beliebte Verkehrsmittel nach kurzer Unwetter-Zwangspause wieder "offiziell auf die Strecke gehen", wie die Wuppertaler Stadtwerke am Dienstag mitteilten

Zwar habe es auch bei der Schwebebahn erhebliche Schäden gegeben.

Die Standfestigkeit des Gerüsts und seiner Stationen habe aber keine Beeinträchtigungen davongetragen.

Allerdings werde die Station Kluse auf Wochen nicht zur Verfügung stehen.

Update, 18.05 Uhr: B9-Brücke bei Sinzig wird für möglichen Teil-Abriss geprüft

Die Ahrtalbrücke der Bundestrasse 9 bei Sinzig ist in Folge des Hochwassers der Ahr teilweise eingestürzt.
Die Ahrtalbrücke der Bundestrasse 9 bei Sinzig ist in Folge des Hochwassers der Ahr teilweise eingestürzt.  © Thomas Frey/dpa

Die Infrastruktur in Teilen von Rheinland-Pfalz in Richtung Nordrhein-Westfalen hat durch die Überschwemmungen schweren Schaden genommen.

So hatte am Dienstag etwa ein Prüfungstrupp des Landesbetriebs Mobilität (LBM) die Ahrbrücke bei Sinzig (Kreis Ahrweiler) in Augenschein genommen.

Wie eine Sprecherin am Dienstag sagte, werde untersucht, ob die Brücke zum Teil abgerissen werden kann, ohne dass der noch intakte Teil beschädigt wird.

Die zweigeteilte Brücke als Teil der B9 gilt als wichtige Verbindung zwischen Köln und Bonn auf der einen und Koblenz auf der anderen Seite.

Update, 17.48 Uhr: Leiche in Bad Münstereifel gefunden

Am Dienstagmittag haben Einsatzkräfte mit Unterstützung eines Leichenspürhundes einen Toten im Katastrophengebiet in Bad Münstereifel gefunden.

Die Leiche wurde noch nicht identifiziert, teilte die Polizei Köln mit. Die Zahl der Toten stieg damit in NRW auf 48.

Update, 17.25 Uhr: Bundeswehr baut Behelfsbrücke in Essen

Bundeswehrsoldaten haben auf dem Betriebsgelände einer Essener Spedition eine Behelfsbrücke gebaut. Dort war im Stadtteil Kupferdreh unweit der Ruhr während des Unwetters in der Nacht zum vergangenen Donnerstag ein großer Krater entstanden. Ein dort geparkter Tankwagen stüzte in den unterirdisch verlaufenden Deilbach.

Der im Lastwagen schlafende Fahrer konnte gerettet werden und blieb unverletzt.

Die Behelfsbrücke sei notwendig gewesen, damit auf dem Betriebsgelände noch Lastwagen fahren könnten und der Betrieb aufrechterhalten werden könne, sagte am Dienstag ein Sprecher der Essener Feuerwehr.

Update, 16.45 Uhr: Sondersitzung des Innenausschusses zu Hochwasserkatastrophe

Der Innenausschuss des Landtags soll am Mittwoch kommender Woche (28. Juli) zu einer Sondersitzung zur Hochwasserkatastrophe zusammen kommen.

Die Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen haben die Sitzung beantragt. Die Landesregierung soll eine erste Bilanz zu den Auswirkungen der Katastrophe ziehen.

Außerdem will die Opposition nach eigenen Angaben wissen, "ob und in welchem Umfang die Katastrophenschutzmaßnahmen zukünftig verbessert werden müssen."

Update, 16.44 Uhr: Hilfe aus Mecklenburg-Vorpommern

Die Hochwasser-Katastrophengebiete in der Eifel erhalten Unterstützung aus Mecklenburg-Vorpommern. Am Dienstagnachmittag trafen sich insgesamt 45 Helfer aus den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen in Grimmen, um die Fahrt im geschlossenen Verband mit 14 Fahrzeugen anzutreten.

Nach Angaben des Landratamts Vorpommern-Greifswald hatten die Kreise zuvor vom Landesamt für zentrale Aufgaben und Technik der Polizei, Brand- und Katastrophenschutz ein Hilfeleistungsersuchen für die Katastrophengebiete erhalten.

Update, 16.22 Uhr: Große Zerstörungen bei Bahn und auf Autobahnen

Hunderte Kilometer Bahnstrecke und Autobahnen sind durch die verheerende Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beschädigt oder zerstört worden.

Ein grobes Ausmaß der Zerstörung lieferten die Deutsche Bahn und die Autobahn GmbH Rheinland am Dienstag in einem ersten Lagebild. Es handelt sich um eine vorläufige erste Bilanz.

Die Deutsche Bahn steht vor einer Mammutaufgabe. Den ausführlichen Text findest Du hier.

Update, 16.10 Uhr: Fernverkehr der Bahn läuft in NRW wieder ohne Einschränkungen

Nach der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen läuft der Fernverkehr der Deutschen Bahn wieder ohne Einschränkungen. Laut Informationen der Bahn von Dienstag fahren die Züge zwischen Köln, Wuppertal und Hagen als auch im Ruhrgebiet wieder.

Auch auf den Strecken Köln in Richtung Rhein-Main-Gebiet sowie zwischen Köln und Brüssel und in Richtung Amsterdam sind die Verbindungen wieder ohne Unterbrechung zu nutzen.

Pendler und Reisende im Nah- und Regionalverkehr müssen dagegen weiter mit Einschränkungen rechnen.

Titelfoto: David Young/dpa

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