Hochwasser in NRW: Wie ist die Lage im Katastrophengebiet?

Euskirchen – Nach der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands wollen Experten am Montagmorgen entscheiden, wann die Menschen in den evakuierten Gebieten um die von einem Bruch bedrohte Steinbachtalsperre bei Euskirchen in ihre Häuser zurückkehren können.

Seit Tagen bereitet die Steinbachtalsperre den Experten und der Stadt Sorgen. Nun soll abschließend geklärt werden, welche Gefahr noch von dem Damm ausgeht.
Seit Tagen bereitet die Steinbachtalsperre den Experten und der Stadt Sorgen. Nun soll abschließend geklärt werden, welche Gefahr noch von dem Damm ausgeht.  © Marius Becker/dpa

"Morgen früh um 8 Uhr erfolgt eine abschließende Beurteilung der Experten, wann der sichere Zustand der Talsperre erreicht wird und eine Rückkehr in die evakuierten Gebiete wieder möglich ist", teilte der Kreis Euskirchen am Sonntagabend in einem Facebook-Post mit.

Das Abpumpen laufe nach Plan, die Situation an der Talsperre sei "unverändert stabil, aber weiterhin nicht unkritisch", hieß es.

Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Erst wenn die Talsperre zu zwei Dritteln entleert sei, bestehe keine akute Dammbruchgefahr mehr, hatte die Bezirksregierung Köln mitgeteilt.

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Nordrhein-Westfalen Aktualisierte Schutzverordnung klärt Ausnahmen von der Maskenpflicht in NRW

Eine Entscheidung über die Rückkehr der Anwohner sollte zunächst schon am Sonntag getroffen werden. Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Steinbachtalsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz waren evakuiert worden.

Die Feuerwehr Euskirchen dementierte derweil Gerüchte, nach denen die Sperre gebrochen sei. Die Feuerwehr schrieb am Sonntag bei Twitter, es habe Hunderte Notrufe gegeben und betonte: "Der Damm ist nicht gebrochen!"

Alle Meldungen des gestrigen Tages findest Du im TAG24-Ticker zum Geschehen in NRW von Sonntag.

Update, 19. Juli, 20.48 Uhr: Gottesdienst für Helfer der Unwetterkatastrophe in Swisttal

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat am Montagabend die Helfer der schweren Unwetter-Katastrophe im Rheinland zu einem Gottesdienst eingeladen.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, gestaltete neben dem Notfallseelsorger für die Kirchenkreise An Sieg und Rhein, Bad Godesberg-Voreifel und Bonn, Albrecht Roebke, die Liturgie in einer Kirche in Swisttal mit.

Die Notfallseelsorge Bonn/Rhein-Sieg ist eine ökumenische Initiative der beiden großen Kirchen.

Seelsorger der katholischen und evangelische Kirche haben sich mit weiteren psychosozialen Fachkräften und weitergebildeten Ehrenamtlichen zusammengeschlossen und stehen rund um die Uhr bei Notfällen bereit. Gerufen wird sie von Rettungsdiensten, Feuerwehren oder der Polizei.

Update, 19. Juli, 19.51 Uhr: Spendenaufruf "NRW hilft"

Die nordrhein-westfälische Landesregierung, mehrere Hilfsorganisationen und Glaubensgemeinschaften haben sich zu einem Spendenbündnis zusammengeschlossen.

Für die Aktion "NRW hilft" wurde ein gemeinsames Spendenkonto eingerichtet, wie die NRW-Staatskanzlei am Montag mitteilte.

"Mit den eingegangenen Sachspenden konnte bereits vielerorts die aktuelle Not der Betroffenen gelindert werden. Jetzt gilt es im nächsten Schritt mit der gemeinsamen Kraft und Unterstützung der Hilfsorganisationen Geldspenden zu bündeln und zielgerichtet an die Menschen weiterzugeben", sagte Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) laut Mitteilung.

Die Koordinierung der Aktion hat das Deutsche Rote Kreuz übernommen.

Empfänger: NRW hilft
IBAN: DE05 3702 0500 0005 0905 05
Bank für Sozialwirtschaft

Update, 19. Juli, 19.30 Uhr: Tiefbau-Unternehmer baggerte Abfluss von Talsperre frei

Mehrere Politiker heben seinen Baggereinsatz in der Flutkatastrophe als beispielhafte Zivilcourage hervor, doch der Eifeler Tiefbauer Hubert Schilles (67) bleibt bescheiden.

"Das war keine Heldentat. Das hätte jeder andere auch gemacht", sagte der 67-jährige Schilles der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Der Inhaber einer Tiefbaufirma aus der Region hatte sich am vergangenen Donnerstag ohne zu zögern bereit erklärt, den mit Boden und Geröll zugeschwemmten Abfluss der Steinbachtalsperre in Euskirchen freizubaggern.

Update, 19. Juli, 17.44 Uhr: Männer nach Plünderungen vorläufig festgenommen

Nach Notrufen bei der Polizei in Bonn, Euskirchen und im Rhein-Sieg-Kreis zu mutmaßlichen Plünderungen wurden sieben Tatverdächtige in Weilerswist und Stotzheim vorübergehend festgenommen.

Das teilte die Polizei in Köln am Montag mit. Der Tatverdacht ließ sich allerdings nicht erhärten, so dass die Männer später wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurden.

Nach Plünderungen im ebenfalls vom Unwetter getroffenen Eschweiler bei Aachen sitzen drei Verdächtige in Untersuchungshaft, wie die Landesregierung am Sonntag mitteilte.

Update, 19. Juli, 17.37 Uhr: Merkel besucht NRW

Angela Merkel (67, CDU) macht sich am Dienstag ein Bild von der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen.

Zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) kommt die Bundeskanzlerin am Mittag nach Bad Münstereifel, wie die Staatskanzlei am Montag mitteilte.

Vor Ort im Kreis Euskirchen will sich Merkel ein Bild von der Lage machen, mit Vertretern von Hilfsorganisationen und Helferinnen und Helfern sprechen. Auch Treffen mit betroffenen Bürgern stehen auf dem Programm.

Merkel war am Wochenende in Rheinland-Pfalz und hatte sich dort mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ein Bild von der Lage im Hochwassergebiet rund um Adenau gemacht.

Update, 19. Juli, 17.08 Uhr: 130 Personen vermisst

Nach Angaben der Polizei Köln gelten im Katastrophengebiet aktuell weiterhin etwa 130 Personen aus dem Raum Bonn/Rhein-Sieg-Kreis (88) und dem Kreis Euskirchen (39) als vermisst.

Bei der Suche nach Vermissten haben die Kameraden der Polizei, Rettungs- und Hilfsdienste und der Bundeswehr zwischen Sonntagnachmittag und Montagvormittag keine weiteren Toten im Katastrophengebiet gefunden, hieß es.

Update, 19. Juli, 16.56 Uhr: Trinkwasser in Köln laut RheinEnergie sicher

Die Trinkwasserversorgung in Köln, Frechen und Pulheim ist unbeeinträchtigt. Dies teilte die RheinEnergie mit.

Das Leitungswasser kann bedenkenlos konsumiert werden, hieß es. Es sei "nach wie vor einwandfrei, Abkochen ist nicht erforderlich."

Update, 19. Juli, 16.42 Uhr: Alexander Dobrindt verspricht "Hilfen in Rekordhöhe"

Nach der verheerenden Flutkatastrophe vor allem im Westen Deutschlands hat CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt (51) den Opfern "volle Unterstützung" zugesichert.

"Wir werden dafür Hilfen in Rekordhöhe bereitstellen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin. "Wir brauchen jetzt eine Solidaritätsoffensive für Soforthilfe und Wiederaufbau für die Hochwassergebiete."

Update, 19. Juli, 16.30 Uhr: Wann kam die erste Warnung vor dem Extrem-Hochwasser?

Im Fall der schweren Unwetter in der vergangenen Woche im Westen Deutschlands haben die Rechenmodelle des Deutschen Wetterdiensts (DWD) bereits am Montag klare Hinweise gegeben.

"Wir haben am Montag die Vorabinfo herausgeben können, in der schon stand, dass bis zu 200 Liter (Niederschlag pro Quadratmeter) erwartet werden", sagte Franz-Josef Molé, der Leiter der Vorhersage- und Beratungszentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD). "Früher ging es eigentlich nicht."

Auch TAG24 berichtete über diese Starkregen-Prognose mit bis zu 200 Litern Regen pro Quadratmeter.

Update, 19. Juli, 15.20 Uhr: Kunstwerk in der Wupper gesucht

Tuffi" gesucht: Das Hochwasser in Wuppertal hat einen Störstein in Form eines sitzenden Elefanten mitten in der Wupper verschwinden lassen.

"Erst mal ist das natürlich ein Riesenschreck", berichtete Dajana Meier, Vorstandsvorsitzende des Vereins "neue ufer wuppertal" am Montag.

Das 3,5 Tonnen schwere und mit Sockel etwa 1,80 Meter hohe Kunstwerk wurde von den Wassermassen am Mittwoch wohl weggespült und ist bislang noch verschwunden.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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