Hochwasser-Katastrophe in NRW dauert an: Bundeswehr im Einsatz, 4 Feuerwehr-Kameraden tot

Erftstadt - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD) kommt am Samstag in den von der Unwetterkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis.

Ein in der Erde versinkendes Auto steht dort, wo Tage zuvor noch eine Tiefgarage stand. Noch immer ist die Lage in vielen überschwemmten Gebieten sehr unübersichtlich.
Ein in der Erde versinkendes Auto steht dort, wo Tage zuvor noch eine Tiefgarage stand. Noch immer ist die Lage in vielen überschwemmten Gebieten sehr unübersichtlich.  © Markus Klümper/Sauerlandreporter/dpa

Nach Angaben des Bundespräsidialamtes besucht das Staatsoberhaupt am Mittag zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) Erftstadt, wo in den vergangenen Tagen zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren.

Steinmeier will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Unterdessen gehen die Aufräum- und Rettungsarbeiten in den Katastrophengebieten weiter.

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Bis Freitagabend war noch offen, ob es in Erftstadt Todesopfer zu beklagen gibt. "Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (68, CDU).

Bislang gibt es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. "Die Lage ist sehr unübersichtlich", sagte Reul.

Alle Meldungen des gestrigen Tages findest Du im TAG24-Ticker zum Geschehen in NRW von Freitag.

Update, 17. Juli, 20.28 Uhr: Inzwischen 45 Tote in NRW gemeldet

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe auf 45 gestiegen. Das teilte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums am Samstagabend mit. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer gegenüber Freitag um zwei erhöht.

Keine Toten wurden bislang bei der Bergung der Fahrzeuge auf der überfluteten Bundesstraße 265 bei Erftstadt gefunden, wie ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises berichtete.

Update, 17. Juli, 20.20 Uhr: Wasserstand der Steinbachtalsperre sinkt langsamer

Die für eine endgültige Entwarnung erforderliche Entleerung auf 66 Prozent der Steinbachtalsperre kann vermutlich nicht wie ursprünglich prognostiziert am Sonntagnachmittag erreicht werden, da der Wasserstand langsamer sinkt als erwartet, teilte eine Sprecherin am Samstagabend mit.

Am morgigen Sonntag soll die Lage noch einmal neu bewertet werden.


Die Lage bleibe zwar weiterhin angespannt, eine Evakuierung zusätzlicher Ortschaften sei nach aktueller Gefährdungseinschätzung jedoch nicht erforderlich, hieß es.

Update, 17. Juli, 19.34 Uhr: Laschet lacht im Hintergrund von Steinmeier-Rede

Der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) hat während einer Rede des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier (65) im Hintergrund gelacht. Die Aufnahmen entstanden während des Besuchs im Krisengebiet von Erftstadt und Umgebung.

Während Steinmeier um die vielen Toten trauerte, lachte der CDU-Kanzlerkandidat breit. Bei Twitter entschuldigte er sich.

Seine Worte: "Ich danke dem Bundespräsidenten für seinen Besuch. Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprächen gehört haben. Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid."

Update, 17. Juli, 19.22 Uhr: Feuerwehr Köln hilft in Erftstadt aus

Die Stadt Köln hat heute Mittag eine "Wasserschadeneinheit Köln" nach Erftstadt entsandt. Die Einheit besteht aus rund 90 ehrenamtlichen Kölner Feuerwehrkräften und 30 Kräften der Johanniter aus Baden-Württemberg.

Sie soll nach örtlichem Bedarf im Schadensgebiet eingesetzt werden, teilte die Feuerwehr Köln am Samstagabend mit.

Update, 17. Juli, 18.09 Uhr: ARD sendet "Brennpunkt"

Das Erste zeigt an diesem Samstag aufgrund der Wetter-Katastrophe einen "Brennpunkt"

Die Redaktion übernimmt der WDR aus Köln. Die Sendung beginnt um 20.15 Uhr. Die weiteren Sendungen verschieben sich um 15 Minuten.

Update, 17. Juli, 17.30 Uhr: Vier Kameraden der Feuerwehr bei Einsätzen gestorben

Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen haben mindestens vier Feuerwehrleute ihr Leben verloren. Das teilte der Verband der Feuerwehren (VdF) am Samstag mit.

Neben den beiden in Altena und Werdohl gestorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen.

Ein weiterer Feuerwehrangehöriger der Feuerwehr Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) sei im Einsatz leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus gestorben.

"Die Betroffenheit in den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist riesig. Wir alle werden das nach Ende der Einsätze erst verarbeiten müssen", sagte der stellvertretende VdF-Landesvorsitzende, Bernd Schneider.

Update, 17. Juli, 16.31 Uhr: Armin Laschet besucht Not-Unterkunft

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (60, CDU) hat am Samstag in Erftstadt ein Unterkunft für durch das Hochwasser wohnungslos gewordene Menschen besucht. In der zum Aufenthaltsraum umfunktionierten Kantine eines Gymnasiums traf der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat mit etwa 20 Bewohnern zusammen, wie ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete.

Nach Auskunft der Bürgermeisterin von Erftstadt sind mehrere hundert Menschen in Unterkünften. Anschließend sah sich der Ministerpräsident Kleiderspenden für die Menschen an, die ihr Obdach verloren haben.

Zuvor hatte er zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Hochwasser-Retter von Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen getroffen.

Update, 17. Juli, 15.51 Uhr: Neugierige sollten nicht in Hochwassergebiete fahren

Die Polizei im nordrhein-westfälischen Euskirchen hat Neugierige davor gewarnt, in die Hochwassergebiete zu kommen.

Zudem sollten Privatleute keine Drohnen über Einsatzgebieten von Polizei und Rettungsdienst fliegen lassen. "Sie behindern dadurch die Drohnen der Rettungskräfte!", schrieb die Polizei, die unter anderem für das Gebiet an der bedrohten Steinbachtalsperre zuständig ist, auf Twitter.

Zudem sei der Drohneneinsatz unzulässig und stelle eine Ordnungswidrigkeit dar.

Update, 17. Juli, 15.40 Uhr: Polizei meldet Zahl der aufgefundenen Leichen

Die Polizei Köln hat in Zusammenarbeit mit den Krisenstäben des Rhein-Sieg-Kreises und des Kreises Euskirchen das weitere Vorgehen bei der Suche nach Vermissten in den durch die Fluten verwüsteten Gebieten vorbereitet.

Aktuell hat die Polizei Köln die Information von 26 Todesopfern im Kreis Euskirchen, sieben Toten im Rhein-Sieg-Kreis und zwei in Köln. Mehreren Dutzend Menschen aus dem Raum Bonn/Rhein-Sieg-Kreis und Euskirchen gelten aktuell weiterhin als vermisst, teilte die Polizei am Nachmittag mit.

Die Polizei bat Bewohner der betroffenen Gebiete, von einer kurzfristigen Rückkehr in ihre Häuser oder Wohnungen abzusehen und die Freigabe durch die Polizei und Krisenstäbe abzuwarten.

Update, 17. Juli, 14.21 Uhr: Teile bröckeln - Staudamm an Steinbach-Talsperre droht zu brechen!

Der Staudamm der Steinbachtalsperre droht aufgrund der Wasserfluten durch das Tief "Bernd" zu brechen.
Der Staudamm der Steinbachtalsperre droht aufgrund der Wasserfluten durch das Tief "Bernd" zu brechen.  © Markus Klümper/DPA

An der Steinbachtalsperre bei Euskirchen droht trotz des sinkenden Wasserstands weiterhin ein Bruch des Staudamms.

Der Damm sei "äußerst instabil", große Teile des Bauwerks seien weggebrochen, teilte die Bezirksregierung Köln am Samstag mit.

Es drohe weiterhin akute Überflutungsgefahr für die Orte unterhalb der Talsperre. Weitere Evakuierungen seien deshalb geplant.

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Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen. Das geschieht über Pumpen, den mittlerweile freigelegten Grundablass der Talsperre und eine Bypassleitung.

Knapp sechs Kubikmeter Wasser könnten pro Sekunde abfließen, heißt es in der Mitteilung.

Titelfoto: David Young/dpa

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