Inzidenz schießt durch die Decke: Fast überall in NRW droht die Corona-Notbremse

Düsseldorf - Fast überall in Nordrhein-Westfalen drohen schon bald die verschärften Maßnahmen der bundesweiten Corona-Notbremse.

In NRW liegen fast alle Kreise und Städte über der Corona-Wocheninzidenz von 100. Sie müssen bald mit verschärften Maßnahmen der bundesweiten Notbremse rechnen.
In NRW liegen fast alle Kreise und Städte über der Corona-Wocheninzidenz von 100. Sie müssen bald mit verschärften Maßnahmen der bundesweiten Notbremse rechnen.  © Oliver Berg/dpa

Fast alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW lagen am Freitag über der kritischen Corona-Wocheninzidenz von 100, ab der Maßnahmen wie nächtliche Ausgangsbeschränkungen gelten.

Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) bewegten sich am Freitagmorgen nur noch Coesfeld (92,9) und Höxter (73,4) unter der Inzidenz von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 181.

Die Ruhrgebietsstadt Herne lag sogar über dem Wert von 300. Zahlreiche weitere Städte und Kreise lagen über dem Wert von 200.

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Das neue Infektionsschutzgesetz tritt an diesem Freitag in Kraft, in Kreisen und Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100 in den vergangenen drei Tagen soll die Bundes-Notbremse ab Samstag automatisch greifen. Das hatte das Bundesinnenministerium in Berlin mitgeteilt.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (63, CDU) sagte am Freitag im Radiosender WDR 5, der Inzidenz-Schwellenwert von 100 für Ausgangsbeschränkungen sei seiner Meinung nach zu niedrig angesetzt.

Nächtliche Ausgangsbeschränkungen dürften nur das "allerletzte Mittel" sein, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft seien. In NRW gebe es schon in mehr als zehn Städten Ausgangsbeschränkungen, sagte Laumann. Das Oberverwaltungsgericht Münster habe die Systematik bestätigt.

Notbremse beinhaltet scharfe Maßnahmen

Das Kölner Ordnungsamt patrouilliert durch die verlassene Aachener Straße, wo sonst das Nachtleben tobt. Die Notbremse sieht unter anderem Ausgangsbeschränkungen von 22 Uhr bis 5 Uhr vor.
Das Kölner Ordnungsamt patrouilliert durch die verlassene Aachener Straße, wo sonst das Nachtleben tobt. Die Notbremse sieht unter anderem Ausgangsbeschränkungen von 22 Uhr bis 5 Uhr vor.  © Roberto Pfeil/dpa

Die Notbremse sieht unter anderem Ausgangsbeschränkungen von 22 Uhr bis 5 Uhr vor. Alleine Spazierengehen und Joggen sind bis Mitternacht erlaubt.

Präsenzunterricht an Schulen soll ab einer Wocheninzidenz von 165 meist gestoppt werden.

Es darf sich höchstens ein Haushalt mit einer weiteren Person treffen. Kinder bis 14 Jahre zählen nicht mit. Bei Trauerfeiern nach Todesfällen dürfen bis zu 30 Personen zusammenkommen.

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Läden dürfen Kunden nur noch empfangen, wenn diese einen negativen Corona-Test vorlegen und einen Termin gebucht haben.

Ab einer Inzidenz von 150 soll nur noch das Abholen bestellter Waren möglich sein (Click & Collect). Ausnahmen sind weiterhin unter anderem der Lebensmittelhandel, Drogeriemärkte, Apotheken oder Optiker.

Laumann appellierte an die Menschen, nicht unbedingt notwendige Kontakte in der jetzigen Zeit zu vermeiden. Auf den Intensivstationen lägen inzwischen schwerkranke Menschen im Altern von 30, 40 oder 50 Jahren. "Man soll dieses Virus einfach nicht unterschätzen."

Hoffnung machte der Minister beim Impftempo. Laumann hält eine Aufhebung der Impfreihenfolge in NRW Anfang Juni für möglich - voraussetzt, es gebe dann mehr Impfstoff, wie er sagte.

Am Mittwoch hatte Laumann im Gesundheitsausschuss des Landtags gesagt, rund 60 Prozent der Bevölkerung in NRW könne bis Juli geimpft sein. Im Juni müsse das Impfsystem auch für Betriebsärzte geöffnet werden.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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