Kampf gegen Clan-Kriminalität in NRW: Ruhrgebiet bleibt Hochburg

Neuss - Die statistisch erfasste Clankriminalität ist in Nordrhein-Westfalen dem neuen Lagebild der Landesregierung zufolge rückläufig. Die Zahl der Straftaten durch kriminelle Clanangehörige sei im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken - von 5780 Straftaten auf 5460. Die Zahl der Tatverdächtigen sei um 5,1 Prozent von 3830 auf 3630 im Jahr 2021 gesunken.

An diesem Dienstag hat NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) in Neuss das neue Lagebild zur Clankriminalität präsentiert.
An diesem Dienstag hat NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) in Neuss das neue Lagebild zur Clankriminalität präsentiert.  © Thomas Banneyer/dpa

Gleichzeitig sei das Volumen beschlagnahmten Vermögens von knapp vier auf über zehn Millionen Euro mehr als verdoppelt worden.

"Das geht denen an die Substanz. Nordrhein-Westfalen ist kein Honigtopf für kriminelle Clans mehr", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (69, CDU) am Dienstag in Neuss.

"Wir piesacken mit Erfolg, nehmen den Kriminellen ihre illegalen Millionen weg und tun alles dafür, dass die, die aussteigen wollen, auch aussteigen können", sagte Reul.

NRW: Rund 1000 politisch motivierte Sachbeschädigungen in 2022 - So viele wurden aufgeklärt
Nordrhein-Westfalen NRW: Rund 1000 politisch motivierte Sachbeschädigungen in 2022 - So viele wurden aufgeklärt

Wurden 2017 noch 24 Haftbefehle gegen kriminelle Clanangehörige erlassen, habe sich die Zahl im vergangenen Jahr auf 49 mehr als verdoppelt. Die Zahl der bekannten kriminellen Clan-Namen in NRW liege bei 113 (Vorjahr 112).

Nach wie sei das Ruhrgebiet der Hauptaktionsraum der Clankriminellen. Die meisten Straftaten seien 2021 in Essen verzeichnet worden, gefolgt von Recklinghausen, Gelsenkirchen, Duisburg und Bochum.

Seit Beginn der Offensive gegen kriminelle Clans im Juli 2018 seien bei mehr als 2000 Razzien über 5000 Objekte kontrolliert und 3200 Strafanzeigen aufgenommen worden.

Auffälliger Anstieg von Sexualstraftaten durch kriminelle Clans

Im März nahmen Polizisten in Essen einen Mann mit Clanbezug fest.
Im März nahmen Polizisten in Essen einen Mann mit Clanbezug fest.  © Roland Weihrauch/dpa

Jedes fünfte Ermittlungsverfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität habe Clan-Bezüge: Von insgesamt 90 im Jahr 2021 erfassten Verfahren in diesem Bereich hätten 18 mit türkisch-arabischstämmigen Clan-Familien zu tun. Dabei liege der Schwerpunkt im Bereich der organisierten Drogenkriminalität.

Das Gros der durch kriminelle Clans begangenen Straftaten seien Taten wie Raub, Bedrohung und Körperverletzungen.

Auffällig sei der Anstieg der Sexualstraftaten um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr von 99 auf 138 Fälle. Vermögens- und Fälschungsdelikte machten 2021 rund 16 Prozent aller im Lagebild erfassten Straftaten aus.

Wölfe vermehren sich in NRW: Land investiert viele Millionen Euro für Herdenschutz
Nordrhein-Westfalen Wölfe vermehren sich in NRW: Land investiert viele Millionen Euro für Herdenschutz

2021 begingen 4,5 Prozent der Tatverdächtigen gut ein Fünftel der Straftaten. Man habe es im Bereich der Clankriminalität mit ausgeprägten Intensivtätern zu tun, sagte Reul.

Inzwischen öffneten viele Clan-Familien der Polizei die Tür, um ihren Kindern eine Ausstiegsperspektive zu eröffnen.

"Aktuell arbeiten wir an sieben Standorten im Ruhrgebiet mit 34 Kindern aus polizeibekannten, kriminellen Familienclans zusammen."

"Aggressive Dominanzverhalten" durch Clan-Mitglieder ging zurück

Wenn vor einigen Jahren ein Clanangehöriger im Ruhrgebiet in einen Verkehrsunfall verwickelt war, habe es nur wenige Minuten gedauert, bis die Verkehrspolizisten, die den Unfall aufnahmen, von 50 bis 60 Menschen umringt gewesen seien, berichtete Polizeiinspekteur Michael Schemke. Inzwischen sei dieses "aggressive Dominanzverhalten" deutlich seltener geworden.

Die Fallzahlen dieser sogenannten Tumultdelikte seien über die Jahre von der ursprünglichen Größenordnung auf einen Bruchteil von noch 37 Taten im vergangenen Jahr gesunken.

"Wir haben den Respekt auf der Straße zu großen Teilen zurückgewonnen", sagte Schemke.

Aktualisiert, 5. April, 12.42 Uhr

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen: