Gebäude in Erftstadt eingestürzt: "Es gibt Todesopfer", Köln nimmt Evakuierte auf

Erftstadt – Beim Einsturz von Häusern in Erftstadt-Blessem sind Menschen ums Leben gekommen. Am Mittag ist die Lage in der Stadt im Rhein-Erft-Kreis weiterhin unübersichtlich. Menschen setzen immer wieder Notrufe ab.

Rettungsschwimmer und Polizeitaucher sind mit Schlauchbooten im Einsatz, um Menschen auf ihren überfluteten Häusern zu retten.
Rettungsschwimmer und Polizeitaucher sind mit Schlauchbooten im Einsatz, um Menschen auf ihren überfluteten Häusern zu retten.  © Marius Becker/dpa

"Es gibt Todesopfer", sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln am Freitag. In der Ortschaft war es zu massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen von Häusern gekommen.

Von der Bezirksregierung verbreitete Luftbilder und Fotos von dpa-Fotografen zeigen Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß. Häuser wurden mitgerissen und verschwanden. Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.

Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe. Menschen könnten derzeit aber nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden, hatte die Behörde zuvor mitgeteilt. Dazu erschwere ein Gasaustritt die Rettungsarbeiten. Mehrere Pflegeheime würden geräumt.

Es geht los: Winzer ernten die ersten reifen Trauben im Siebengebirge
Nordrhein-Westfalen Es geht los: Winzer ernten die ersten reifen Trauben im Siebengebirge

Wie viele Menschen vermisst werden, konnte die Sprecherin der Bezirksregierung nicht sagen. Die Situation sei unübersichtlich. Ein Erkundungstrupp des Katastrophenschutzes sei in dem Ort unterwegs.

Nach dem extremen Starkregen war der Fluss Erft über die Ufer getreten und hatte Teile des Stadtgebiets überflutet. In mehreren Ortschaften hatte es Evakuierungen gegeben. "Wir durchleben gerade eine Krise, deren Dimensionen heute noch nicht abschätzbar sind", hatte Landrat Frank Rock (50, CDU) am Donnerstag gesagt.

Hier gibt es alle Entwicklungen zur Wetter-Katastrophe in NRW im Überblick.

Etliche Häuser sind überschwemmt, einige laut Behörden sogar eingestürzt. Mehrere Menschen werden vermisst.
Etliche Häuser sind überschwemmt, einige laut Behörden sogar eingestürzt. Mehrere Menschen werden vermisst.  © Rhein-Erft-Kreis/dpa

Update, 11.44 Uhr: Evakuierung in Erftstadt-Blessem dauert an - Kreis warnt vor Rückkehr

Die Autobahn bei Erftstadt wurde überspült.
Die Autobahn bei Erftstadt wurde überspült.  © Vincent Kempf

Die Personenrettung im Bergheimer Ortsteil Blessem weiterhin an. Am Morgen hätten sich noch etwa 15 Personen in ihren Häusern befunden, sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises am Freitag.

In der Nacht und am Morgen seien 55 Personen in Sicherheit gebracht worden. Von der Bundeswehr gebe es kurzfristig weitere Unterstützung für die Evakuierung.

Der Sprecher des Kreises warnte davor, in Wohnungen und Häuser zurückzukehren. "Wir beobachten, dass jetzt zum Teil Bürgerinnen und Bürger versuchen, wieder in ihre Häuser zu kommen."

Tempo 140 mit VW Golf: Raser tischt Polizisten dreiste Lüge auf
Nordrhein-Westfalen Tempo 140 mit VW Golf: Raser tischt Polizisten dreiste Lüge auf

Dafür sei es definitiv zu früh. "Es besteht weiterhin Lebensgefahr."

Update, 11.50 Uhr: Lage weiterhin unübersichtlich

Die Häuser werden in Erftstadt noch immer unterspült, weswegen weiterhin Lebensgefahr bestehe.
Die Häuser werden in Erftstadt noch immer unterspült, weswegen weiterhin Lebensgefahr bestehe.  © Rhein-Erft-Kreis/dpa

Die Lage in Erftstadt ist nach Angaben des zuständigen Landrates des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock (50, CDU), noch unübersichtlich. Er habe noch keine konkrete Zahl über Todesopfer oder Vermisste, sagte Rock am Freitag dem TV-Sender ntv.

Es seien noch 50 Menschen mit Booten gerettet worden, aber auch wieder Menschen auf eigene Faust in bereits evakuierte Häuser zurückgekehrt. Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen.

"Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten", sagte Rock. Riesige Erdlöcher klaffen in Erftstadt, Häuser sind teilweise eingestürzt. Es habe Todesopfer gegeben, teilte die Bezirksregierung Köln mit.

In der Ortschaft an der Erft war es zu massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen von Häusern gekommen. Eine Sprecherin des Kreises sagte, es seien Menschen in Autos auf überfluteten Straßen eingeschlossen worden.

Von der Bezirksregierung verbreitete Luftbilder und Fotos von dpa-Fotografen zeigen Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß. Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.

Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe, hatte die Bezirksregierung berichtet. Die Situation sei unübersichtlich. Ein Erkundungstrupp des Katastrophenschutzes sei in dem Ort unterwegs.

Update, 13.32 Uhr: Drei Häuser und Teil der Burg in Erftstadt eingestürzt

Ein eingestürztes Haus in Erftstadt-Blessem. Die Wassermassen haben die Straße komplett zerstört.
Ein eingestürztes Haus in Erftstadt-Blessem. Die Wassermassen haben die Straße komplett zerstört.  © Alexander Franz

Im besonders schwer von der Unwetterkatastrophe betroffenen Erftstadt-Blessem sind nach aktuellem Stand drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. "Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf.

Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. "Aber das ist noch nicht die ganze Stadt." Die Lage in Erftstadt sei "wegen der Dynamik" zurzeit "ganz besonders kritisch" und noch sehr unübersichtlich.

Update, 15.37 Uhr: Stadt Köln nimmt Evakuierte aus Erftstadt auf

Die Stadt Köln nimmt spontan 80 Evakuierte aus Erftstadt auf. Die Bürgermeisterin von Erftstadt, Carolin Weitzel (Jahrgang 1980, CDU), hatte ein Hilfeersuchen in ihrer Geburtsstadt Köln gestellt.

"Es selbstverständlich, dass wir besonders betroffenen Bewohnern aus dem Nachbarkreis Rhein-Erft nach diesem Katastrophenfall auf schnellstem Wege helfen und sie unterstützen", sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (64, parteilos).

Die ersten 80 Evakuierten aus Erftstadt werden heute im Laufe des Tages nach Köln kommen.

Titelfoto: Rhein-Erft-Kreis/dpa

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen: