Corona-Quelle bleibt oft ein Rätsel, weil Infizierte keine Auskunft geben wollen

Köln/Düsseldorf – In zahlreichen Fällen wissen Betroffene und Gesundheitsämter nicht, wo sich die Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben. 

Viele positiv getestete Personen wollen nicht angeben, wo sie sich angesteckt haben könnten. (Symbolbild)
Viele positiv getestete Personen wollen nicht angeben, wo sie sich angesteckt haben könnten. (Symbolbild)  © Roberto Pfeil/dpa

"In rund 40 Prozent der Fälle wissen wir nicht, wo sich die positiv getesteten Personen angesteckt haben", sagte der Leiter des Kölner Gesundheitsamts, Johannes Nießen, der dpa.

Die Infektionsquellen in der Millionenstadt liegen ihm zufolge in 40 Prozent der Fälle im Bereich der sozialen Kontakte, bei 10 Prozent im Arbeitsumfeld und 10 Prozent seien auf Reisen oder andere Gründe zurückzuführen.

Die Infektionsketten seien schwer nachvollziehbar, wenn bei 40 Prozent der Betroffenen die Quelle nicht bekannt sei, betonte Nießen. "Das ist ein wichtiger Knackpunkt an der ganzen Sache." Die Corona-Warnapp werde offenbar wenig genutzt.

Zudem sei die Bereitschaft gering, ehrlich Auskunft zu geben. "Wir fragen schon genauer hinterher, aber die Leute sind nicht immer sehr zugewandt, es erreichen uns oft nur halbe Wahrheiten, oder es wird ganz verschwiegen, wo man sich aufgehalten hat."

Woher die Infektion stammt, ist in vielen Fällen ungewiss

In Düsseldorf kann die Infektionskette nur bei jedem zweiten Corona-Fall nachvollzogen werden. (Symbolbild)
In Düsseldorf kann die Infektionskette nur bei jedem zweiten Corona-Fall nachvollzogen werden. (Symbolbild)  © Roberto Pfeil/dpa

Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Landeshauptstadt. In Düsseldorf lasse sich nur bei etwa jedem zweiten Fall die Infektionskette nachvollziehen, zitierte die Rheinische Post das dortige Gesundheitsamt. 

Anhand der Befragungen sei nicht festzumachen, welche Ausbreitungswege dominant seien. Das erschwert die Eindämmung der Pandemie.

Die teils an Belgien und die Niederlande grenzenden Städteregion Aachen mit 557.000 Einwohnern berichtete, bei geschätzten "deutlich unter 25 Prozent" der Fälle sei völlig unklar, wo sie sich angesteckt haben. Die Infektionen sei nicht auf einige wenige Hotspots zurückzuführen.

Ansteckungsorte seien etwa Schulen, Kitas, Pflegeheimen oder auch Familienfeiern. Der Pendelverkehr über die Landesgrenzen hinweg erschwere die Verfolgung von Infektionsketten nicht, hieß es auf Anfrage.

Mehr als ein Dutzend Großstädte und Kreise in NRW galten am Mittwoch als Risikogebiete, weil sie den kritischen Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen überschreiten.

Titelfoto: Roberto Pfeil/dpa

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0