"Mit dem Hammer das Coronavirus besiegen": So lief die tödliche Geiselnahme im NRW-Knast

Münster/Düsseldorf – Wirre Aussagen und vier Schussverletzungen: Nach der tödlichen Geiselnahme im Gefängnis in Münster sind neue Details zur Tat bekannt geworden.

Am 16. Oktober hatte ein SEK eine Geiselnahme im Gefängnis in Münster beendet. Der Täter wurde dabei erschossen.
Am 16. Oktober hatte ein SEK eine Geiselnahme im Gefängnis in Münster beendet. Der Täter wurde dabei erschossen.  © Bernd Thissen/dpa

Eine der Verletzungen sei tödlich gewesen, geht aus einem Bericht von NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) an den Landtag hervor. 

Biesenbach will an diesem Freitag den Rechtsausschuss des Parlaments in einer von der SPD beantragten Sondersitzung über die Geiselnahme informieren.

Ein 40 Jahre alter Häftling hatte vergangene Woche eine JVA-Mitarbeiterin als Geisel genommen und mit einer selbst gebastelten Stichwaffe bedroht. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei erschoss den Mann. Er wäre im November freigekommen (TAG24 berichtete).

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass der Mann Auffälligkeiten aufwies, die für eine psychische Erkrankung sprechen. 

Weil er sich gegenüber JVA-Mitarbeitern und Mitgefangenen aggressiv verhalten hatte, waren eine Reihe verschiedener Sicherheitsmaßnahmen getroffen worden. So durfte er nur allein duschen und zum Freigang auf den Hof.

Der bauliche Zustand des Gefängnisses habe die Geiselnahme nicht begünstigt, heißt es in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Um einen Neubau der JVA gibt es schon seit vielen Jahren Streit.

Geiselnehmer gab wirres Statement ab und starb noch vor Ort

Nach Angaben der JVA-Mitarbeiterin, die als Geisel genommen worden war, hatte der 40-Jährige zu ihr gesagt, er sei der Sohn der Jungfrau Maria und müsse nach Spanien, um mit einem Hammer das Coronavirus zu besiegen.

Die 29-jährige Geisel hatte mit leichten Verletzungen am Hals befreit werden können. Der 40-Jährige starb noch vor Ort. Er war unter anderem wegen fahrlässiger Trunkenheit im Straßenverkehr, versuchten Totschlags und vorsätzlicher Körperverletzung vorbestraft.

Update, 13.10 Uhr: Minister sieht keine Pannen bei Geiselnahme in JVA Münster

Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, spricht vor einer Sondersitzung im Landtag mit Journalisten.
Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen, spricht vor einer Sondersitzung im Landtag mit Journalisten.  © Marcel Kusch/dpa

Bei der Geiselnahme im Gefängnis von Münster sind nach Ansicht von NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) keine Pannen passiert. 

"Die Lage wurde ausgesprochen gut bewältigt", sagte Biesenbach am Freitag in einer Sondersitzung des Rechtsausschusses des Landtags. "Schulmäßig, sagt meine Abteilung."

Biesenbach äußerte sein Unverständnis über die von der SPD in der Herbstpause des Parlaments beantragte Sondersitzung. 

"Ich halte diese Sitzung für überflüssig. Da war eine junge Kollegin stundenlang in Todesangst", sagte der Minister, aber die SPD habe keine anderen Sorgen, als möglichst live informiert werden zu wollen. Die SPD hatte kritisiert, dass Biesenbach die Abgeordneten nicht wie sonst üblich unmittelbar über diese besondere Tat informiert habe.

Die CDU-Abgeordnete Angela Erwin warf der SPD eine "Skandalisierung" des Vorfalls vor. "Das ist die zweite Geiselnahme innerhalb weniger Wochen", entgegnete die SPD-Abgeordnete Sonja Borgers. Da sei es selbstverständlich, dass das Parlament informiert werden wolle. 

Im September war eine Geiselnahme im Gefängnis von Geldern unblutig beendet worden. "Wie kann es sein, dass ein Täter, der als gefährlich bekannt ist, sich eine junge Auszubildende greifen kann?", fragte Borgers zu der Tat in Münster.

"Sie selbst hätten die Sondersitzung vor einer Woche beantragt - mit Schaum vor dem Mund", sagte der SPD-Abgeordnete Hartmut Ganzke zum Justizminister. "Wie sie mit den Rechten des Parlaments umgehen, ist eine Unverschämtheit." Die AfD lobte den Polizeieinsatz, der mit dem Tod des Geiselnehmers endete. Dies sei ein deutliches Zeichen an Nachahmer.

Titelfoto: Bernd Thissen/dpa

Mehr zum Thema Nordrhein-Westfalen:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0