Mord und Totschlag nehmen ab: Kriminalität in NRW sinkt weiter

Düsseldorf - Die registrierte Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen im Corona-Jahr 2020 leicht um ein Prozent gesunken.

Ein Justizangestellter führt einen Angeklagten im Landgericht zu seinem Platz. In NRW ist die registrierte Kriminalität im Corona-Jahr 2020 leicht um ein Prozent gesunken. (Archivbild)
Ein Justizangestellter führt einen Angeklagten im Landgericht zu seinem Platz. In NRW ist die registrierte Kriminalität im Corona-Jahr 2020 leicht um ein Prozent gesunken. (Archivbild)  © Oliver Berg/dpa

Mord und Totschlag (-9,7 Prozent) gingen zurück, Wohnungseinbrüche (-7,7 Prozent) und Straßenkriminalität (-2,3 Prozent) ebenso, wie NRW-Innenminister Herbert Reul (68, CDU) am Montag berichtete. Bereits 2019 hatte die Gesamtzahl der Straftaten ein 30-Jahres-Tief erreicht. 2020 sank sie auf 1,216 Millionen Euro. Die Corona-Pandemie dürfte zu einer Verschiebung geführt haben.

Stark gestiegen ist die Computerkriminalität (+20,8 Prozent), auch Taschendiebstähle (+7,7), die häusliche Gewalt (+7,7 Prozent) und der Betrug an älteren Menschen (+37,7 Prozent) schnellten empor. In diesem Bereich winke inzwischen technische Abhilfe durch Filter, die betrügerische Anrufe erkennen und abblocken, sagte Reul.

Gestiegen ist unter anderem der Warenbetrug im Internet: So hätten Fälscher die große Nachfrage nach Gesundheitsartikeln ausgenutzt und in Online-Shops gefälschte Desinfektionsmittel, Masken, Tests, Testbescheinigungen und gefälschte Impfstoffe angeboten.

Dass es trotz Abstandsgeboten zu einem Anstieg der Taschendiebstähle kam, erklären die Ermittler dadurch, dass die Diebe die Tatorte gewechselt haben. Während 2000 Diebstähle weniger auf öffentlichen Plätzen registriert wurden, stiegen sie in den geöffneten Geschäften um 4000 Fälle an.

Fälle von Kinderpornografie verdoppelten sich

Polizeibeamte der Spurensicherung bei einer Razzia im Februar 2019 in Lüdge (NRW). Ermittler hatten dort Räumlichkeiten wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie durchsucht. (Archivbild)
Polizeibeamte der Spurensicherung bei einer Razzia im Februar 2019 in Lüdge (NRW). Ermittler hatten dort Räumlichkeiten wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie durchsucht. (Archivbild)  © Guido Kirchner/dpa

Verdoppelt haben sich die Fälle von Kinderpornografie (+102,5), was der intensiveren Aufklärung in diesem Bereich geschuldet sei. "Da passiert nicht mehr, wir finden nur mehr", sagte Reul. "Wir haben 4,5 Petabyte an kinderpornografischem Material gesichert, das entspricht fast sieben Millionen CDs", sagte Reul.

Inzwischen seien 45 Prozent der Verdächtigen in diesem Bereich minderjährig. Vielen sei nicht bewusst, dass es strafbar sei, kinderpornografische Dateien weiterzuschicken. Die Fälle von Kindesmissbrauch stiegen um 19,5 Prozent, die Zahl der Sexualstraftaten insgesamt um 30,1 Prozent.

Während die registrierte Rauschgiftkriminalität leicht sank (-1,3), stieg die Zahl der Drogentoten massiv an: um 109 Todesfälle oder 37 Prozent auf 401 Menschen. "Das ist eine Zahl, die uns dann doch schockiert", sagte Reul.

Der Anteil der Ausländer an allen Straftaten sei mit 31,1 Prozent weiterhin überproportional hoch, so der Innenminister. In absoluten Zahlen sei die Zahl der durch Nichtdeutsche begangenen Straftaten aber gesunken, obwohl die Zahl der Ausländer in NRW gestiegen sei.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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