Riesige Nachfrage: NRW-Städte bauen Impfstellen und mobile Angebote aus

Essen - Überforderte Ärzte, lange Schlangen vor den Impfstellen, unzufriedene Bürgerinnen und Bürger. Nach der Schließung der großen Impfzentren in Nordrhein-Westfalen herrscht in den Städten und Gemeinden hektische Betriebsamkeit beim Wiederaufbau der Impfstrukturen.

Edeltraut wartet auf ihrem Höckerchen sitzend vor der Corona-Impfstation in Bochum direkt am Weihnachtsmarkt auf Einlass. Vor der stationär eingerichteten Impfstelle zwischen Glühweinstand und Würstchenbude bildeten sich lange Schlangen.
Edeltraut wartet auf ihrem Höckerchen sitzend vor der Corona-Impfstation in Bochum direkt am Weihnachtsmarkt auf Einlass. Vor der stationär eingerichteten Impfstelle zwischen Glühweinstand und Würstchenbude bildeten sich lange Schlangen.  © Roland Weihrauch/dpa

Es wird immer deutlicher, dass die Hausärztinnen und -ärzte angesichts der explodierenden Corona-Zahlen den rapide gestiegenen Bedarf an Auffrischungsimpfungen nicht allein bewältigen können. Vor den noch zu wenigen Impfstellen bilden sich zum Teil lange Schlangen, um eine "Booster-Impfung" zu ergattern.

In Dortmund standen die Menschen am Freitag und Samstag buchstäblich im Regen um das ganze Fußball-Museum herum, wo die Besatzungen zweier Impfbusse versuchten, dem großen Ansturm gerecht zu werden.

Und in der Nachbarstadt Bochum mussten zum Start des Weihnachtsmarktes Hunderte Impfwillige an zwei kurzfristig eingerichteten stationären Impfstellen in einem Einkaufszentrum in der City und einem ehemaligen Zeitungs-"Leserladen" zwischen Glühweinständen und Würstchenbuden unverrichteter Dinge wieder abziehen.

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"Der Andrang war so groß, dass wir bis zur Schließung aus Kapazitätsgründen nicht alle impfen konnten. Wir mussten jeweils bei etwa 100 Personen kappen", sagte Bochums Stadtsprecher Thomas Sprenger in einer Mischung aus Stolz und Frustration.

In Köln sind nach Auskunft eines Stadtsprechers derzeit keine Termine für Impfungen im Gesundheitsamt mehr verfügbar. Die Menschen können es aber ohne Termin bei einem der beiden mobilen Impfteams versuchen.

Weil die niedergelassen Ärzte es entgegen ihres ursprünglichen Versprechens nicht mehr schaffen, das sprunghaft gestiegene Interesse an Impfungen zu befriedigen, müssen die Städte rasch Alternativen finden und die Impfangebote - wie vom Land gefordert - wieder ausbauen. Das bereitet Schwierigkeiten. Nun schwärmen Mitarbeiter der Städte aus, um leerstehende Gebäude, Ladenlokale oder andere Immobilien für stationäre Impfstellen zu suchen.

Der Wiederaufbau der Strukturen ist auch deshalb schwierig, weil das Personal im Gesundheitswesen ohnehin knapp und von der Pandemie erschöpft ist. Die jüngste Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für die Booster-Impfungen für alle ab 18 Jahren verschärft die Engpässe.

So sieht es in den Städten aus

Vielerorts herrscht hohe Nachfrage nach den Booster-Impfungen.
Vielerorts herrscht hohe Nachfrage nach den Booster-Impfungen.  © Marijan Murat/dpa

Die Deutsche Presse-Agentur beleuchtet die Impfmöglichkeiten in einigen Kreisen und Städten:

Ennepetal: Ein positives Beispiel ist der Ennepe-Ruhr-Kreis. Im Gegensatz zu anderen hatte Ennepetal trotz der vom Land veranlassten Schließung der Impfzentren den Mietvertrag für die Räumlichkeiten in einem ehemaligen Supermarkt verlängert.

Die Impfstraßen blieben stehen, die Räume wurden zwischenzeitlich als Lager und Büro für die Corona-Koordination genutzt. So war der Neustart in dieser Woche kein Problem. Innerhalb kurzer Zeit konnten vier Impfstraßen aus dem Corona-Schlaf geweckt werden. "Wir mussten jetzt nur die Tür aufmachen", sagte ein Sprecher des Ennepe-Ruhr-Kreises.

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Bochum: In einem Einkaufszentrum in der City und in einem ehemaligen "WAZ-Leserladen" öffneten zum Weihnachtsmarktstart zwei stationäre Impfstellen zwischen Glühweinständen und Würstchenbuden. Vorerst konnten sich die Menschen bis zu diesem Samstag ohne Termine einen Piks geben lassen.

Wegen des großen Andrangs werden nun vier feste Impfstellen im Stadtgebiet eingerichtet: Im Gesundheitsamt (ab 25. November), im Rathaus Wattenscheid (26. November), in der Bezirksverwaltung Süd im Unicenter (1. Dezember) und in Kürze auch wieder im Ruhrcongress neben dem Stadion.

Düsseldorf: Die Landeshauptstadt setzt wie viele andere auf eine Mischung aus mobilen Angeboten (Impfbusse, Impfteams), meist in den Außenbezirken, sowie kleineren festen Impfstellen. Zwei wurden bisher am U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee und am Hauptbahnhof betrieben. Die am Hauptbahnhof zieht nun um in die größeren Räumlichkeiten der ehemaligen Zentralbibliothek. Dort eröffne am Montag dann das "Impfzentrum 2.0".

"Erfreulicherweise" würden Erst-, Zweit- und Auffrischungsimpfungen in den dezentralen Impfstellen und am Impfmobil «gut nachgefragt», sagte ein Stadtsprecher. "Wir können auf die veränderte Nachfrage kurzfristig mit der Anpassung der Impfkapazitäten reagieren."

Köln: Auf den gestiegenen Bedarf reagiert auch Millionenstadt Köln. "Es ist viel los und es gibt tatsächlich mal wieder Schlangen", sagte ein Stadtsprecher auf dpa-Anfrage. Die Kölner können sich den Piks entweder bei einer der zahlreichen mobilen Einheiten verpassen lassen. Am Freitag verkündete die Stadt nach einer Sitzung des Krisenstabs, dass an der Lanxess-Arena am kommenden Dienstag ein großes "Drive-In-Impfzentrum" in Betrieb geht. Termine sollen nur online buchbar sein.

Zuletzt waren in Köln alle Termine ausgebucht. "Durch dieses zentrale und einfache Impfangebot hoffen wir natürlich, die Impfquote weiter steigern zu können", sagte Geschäftsführer Stefan Löcher. Zudem wird die bestehende Impfstelle im Gesundheitsamt erweitert.

Bielefeld: Seit vergangenem Montag können sich Bürgerinnen und Bürger in Bielefeld täglich in einem festen Impfzelt an der Radrennbahn immunisieren lassen. "Hier sollen vor allem Personen, die eine Drittimpfung benötigen, geimpft werden", hieß es von der Stadt. Das Impfzelt soll aber in einigen Wochen von dezentralen stationären "Impflokalen" abgelöst werden.

Für Erst- und Zweitimpflinge sind täglich mobile Teams an wechselnden Orten unterwegs. "Es gibt derzeit einen sehr großen Andrang. Man muss erfinderisch sein", sagte einen Sprecherin.

Bergisch Gladbach: An diesem Samstag wird das schon zuvor in der Pandemie bewährte "Impf-Drive-In" in Kooperation mit der Feuerwehr erneut in Betrieb genommen. Nachdem dort in der ersten Jahreshälfte Lehrerinnen und Lehrer sowie die ehrenamtlichen Angehörigen der Feuerwehren aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis ihre Erst- und Zweitimpfungen bekamen, wird der Drive-In nun für alle geöffnet. Bis auf weiteres soll an jedem Samstag zwischen 9 und 15 Uhr geimpft werden.

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa

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