Nach Amokfahrt in Trier: Verdächtiger kommt in Untersuchungshaft

Trier - Einen Tag nach der mutmaßlichen Amokfahrt in der Altstadt von Trier (TAG24 berichtete) bleibt die Frage nach dem Motiv des Täters. Während die Ermittler nach Spuren suchen, werden weitere Details zu dem Drama bekannt.

Kräfte der Polizei und des THW sperrten den Zugang zur Fußgängerzone.
Kräfte der Polizei und des THW sperrten den Zugang zur Fußgängerzone.  © Oliver Dietze/dpa

Die Polizei spricht von fünf Toten, darunter ein neuneinhalb Wochen altes Kind. Auch der 45-jährige Vater des Mädchens befindet sich unter den Opfern. Die Mutter und ihr eineinhalb Jahre alter Sohn liegen verletzt im Krankenhaus.

Zu den weiteren Todesopfern zählen indes drei Frauen im Alter von 25, 52 und 73 Jahren.

Festgenommen wurde ein 51 Jahre alter Deutscher aus dem Kreis Trier-Saarburg. Das PS-starke Fahrzeug, so die Erkenntnisse der Polizei, soll in der historischen Stadt an der Mosel von der Basilika über den Hauptmarkt bis zur Porta Nigra gerast sein, dem weltberühmten Stadttor der Römerzeit.

In der nahen Christophstraße sei der Wagen nach etwa 200 Metern von der Polizei gestoppt und der Fahrer überwältigt worden - "vier Minuten nach Ersthinweis", wie der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Dienstagabend in Trier sagte. Bischof Stephan Ackermann lud am Abend zum Gebet für die Opfer in die Mutterkirche des Bistums ein.

Sichtbar erschüttert schilderten Augenzeugen, wie Menschen bei dem furchtbaren Zwischenfall durch die Luft geschleudert wurden. "Es ist unfassbar. Wir sind fassungslos", sagte die Bewohnerin eines Hauses, das an die Fußgängerzone grenzt, durch die der Täter fuhr.

Ein Mann zündet an der Porta Nigra eine Kerze für die Opfer der Amokfahrt an.
Ein Mann zündet an der Porta Nigra eine Kerze für die Opfer der Amokfahrt an.  © Harald Tittel/dpa

Trier: Motiv des Täters unklar, psychische Erkrankung möglich

Polizisten sicherten die Innenstadt von Trier.
Polizisten sicherten die Innenstadt von Trier.  © Thomas Frey/dpa

Warum bei uns? Diese Frage stellen sich viele Menschen im vorweihnachtlich geschmückten Trier.

Die Kommune mit rund 112.000 Einwohnern gilt als älteste Stadt Deutschlands, ist auch bekannt als Geburtsort von Karl Marx (1818-1883). In internationale Schlagzeilen gerät Trier nur selten, schon gar nicht wegen Kapitalverbrechen.

"Ich will wissen, warum jemand das tut", betont Oberbürgermeister Wolfram Leibe. "Ob ich darauf eine Antwort bekomme, weiß ich nicht. Ich glaube, es ist der schwärzeste Tag der Stadt Trier nach dem Zweiten Weltkrieg."

Am Mittwoch soll der dringend Tatverdächtige dem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine mögliche psychische Erkrankung bei dem 51-Jährigen. Die Justizbehörde muss daher noch entscheiden, ob sie Untersuchungshaft beantragt oder die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung.

Das Motiv des Mannes ist noch unklar, einen politischen oder religiösen Hintergrund schließen die Ermittler aber bislang aus.

Auch gebe es keine Hinweise auf Mittäter oder Komplizen des Festgenommenen. Der Verdächtige war zur Tatzeit betrunken, bei ihm wurden 1,4 Promille festgestellt. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen Mordes, Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung. Nach Angaben der Ermittler lebte er in den Tagen vor der Tat in dem Auto.

Superintendent Jörg Weber und Bischof Stephan Ackermann begehen den ökomenischen Gottesdienst im Dom.
Superintendent Jörg Weber und Bischof Stephan Ackermann begehen den ökomenischen Gottesdienst im Dom.  © Harald Tittel/dpa

Fußgängerzone von Trier wieder freigegeben, mehr als 750 Menschen im Einsatz

Die Innenstadt wurde nach der Tat für die weiteren Ermittlungen weiträumig abgesperrt. In der Nacht waren die Tatortarbeiten dann abgeschlossen, die Fußgängerzone wurde wieder freigegeben.

Insgesamt waren mehr als 750 Einsatzkräfte von Polizei sowie Hilfs- und Rettungsdiensten aus der Region im Einsatz. Vorbildlich war laut Polizei zudem "das Verhalten vieler Passanten, die sich der Verletzten bis zum Eintreffen der Rettungsdienste bereits angenommen hatten und Erste Hilfe leisteten".

Update, 2. Dezember, 7.45 Uhr: Mutmaßlicher Amokfahrer spricht mit Polizei

Nach der Amokfahrt in der Trierer Innenstadt hat der dringend Tatverdächtige laut Polizei ausgesagt. "Er spricht mit uns", teilte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen mit. Zu den Inhalten der Aussage könne man aber keine Angaben machen.

Ein eigens eingerichtetes Hinweistelefon sei mittlerweile wieder abgeschaltet worden, Zeugen könnten sich aber unter einer anderen Nummer (0651 97790) bei der Polizei melden. Zudem bat die Polizei die Menschen, Fotos und Videos nicht in den sozialen Medien zu teilen sondern in einem dafür eingerichteten Hinweisportal hochzuladen.

Update, 2. Dezember, 14 Uhr: Amokfahrt in Trier weckt schmerzliche Erinnerungen in Volkmarsen

An mehreren Stellen in der Fußgängerzone, hier am Marktkreuz, haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Kerzen aufgestellt.
An mehreren Stellen in der Fußgängerzone, hier am Marktkreuz, haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Kerzen aufgestellt.  © Oliver Dietze/dpa

Die Amokfahrt von Trier reißt bei den Bewohnern in Volkmarsen alte Wunden auf.

Dort gab es im Februar eine ähnliche Tat. Die aktuellen Ereignisse in Rheinland-Pfalz seien daher auch für die Bewohner der nordhessischen Stadt sehr schockierend, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) am Mittwoch:

"Es ist unfassbar, dass solche Taten sich wiederholen können und durch vorhandene Restrisiken leider auch nicht ausgeschlossen werden können."

In Volkmarsen im Landkreis Waldeck-Frankenberg war beim Rosenmontagszug ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Der Fahrer - ebenfalls ein Deutscher - soll das Fahrzeug absichtlich dorthin gelenkt haben. Dutzende Menschen wurden verletzt, darunter viele Kinder. Die Zahl der Betroffenen gab die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zuletzt mit mehr als 150 an.

Auch über neun Monate nach der Tat ist das Motiv des Fahrers unklar. Der 30-Jährige sitzt wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft und schweigt.

Update, 2. Dezember, 14.19 Uhr: Verdächtiger kommt nach Amokfahrt in Trier in Untersuchungshaft

Nach der tödlichen Amokfahrt mit einem Auto in der Trierer Innenstadt kommt der dringend tatverdächtige Mann in Untersuchungshaft. Das teilte ein Polizeisprecher am Mittwoch mit.

Die Flaggen vor dem Rathaus wehen zum Gedenken an die Opfer auf Halbmast.
Die Flaggen vor dem Rathaus wehen zum Gedenken an die Opfer auf Halbmast.  © Oliver Dietze/dpa

Wegen Hinweisen auf eine mögliche psychische Erkrankung war auch die Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung infrage gekommen.

Update, 2. Dezember, 14.37 Uhr: Bildungsministerin: Berufsschullehrerin unter Opfern der Amokfahrt

Unter den Todesopfern der Amokfahrt in Trier befindet sich nach Angaben des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums auch eine Berufsschullehrerin.

"Das ist eine furchtbare Situation für das Kollegium wie die Schülerinnen und Schüler, die ihre Lehrerin sehr geschätzt haben", teilte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) am Mittwoch mit. Der schulpsychologische Dienst sowie Seelsorger kümmerten sich um die Schüler und Lehrer der Schule.

"Fünf Menschen wurden sinnlos aus dem Leben gerissen", erklärte Hubig. "Meine Gedanken sind bei den Familien und Angehörigen der Verstorbenen."

Update, 2. Dezember, 15 Uhr: Mittlerweile 18 Verletzte bei Amokfahrt von Trier

Bei der Amokfahrt mit einem Auto in der Trierer Innenstadt vom Dienstag hat sich die Zahl der Verletzten auf 18 erhöht. Darunter seien sechs Schwerverletzte, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt in Trier, Peter Fritzen, am Mittwoch mit. Zudem gebe es weiterhin fünf Todesopfer.

Am Dienstagabend war von 14 Verletzten die Rede gewesen.

Update, 2. Dezember, 16.15 Uhr: Psychologe mahnt Früherkennung möglicher Gefahren an

Nach der Amokfahrt in Trier hat sich der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann für ein Netzwerk aus Polizei sowie psychiatrischen und sozialen Einrichtungen zur Früherkennung möglicher Gefahren ausgesprochen.

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Update, 2. Dezember, 19 Uhr: Gedenkminute in Trier für Opfer der Amokfahrt

Genau zwei Tage nach der tödlichen Amokfahrt in Trier wird es an diesem Donnerstag eine Schweigeminute für die Opfer und alle Betroffenen geben.

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ruft für 13.46 Uhr alle Trierer dazu auf, in Gedenken an die Toten und die Verletzten innezuhalten. Auch die Kirchenglocken werden dann in Trier und vielerorts im gesamten Bistum läuten, wie eine Sprecherin des Bistums Trier sagte.

Titelfoto: Thomas Frey/dpa

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