Hochwasser-Tragödie in Rheinland-Pfalz: Über tausend Menschen noch vermisst

Bad Neuenahr-Ahrweiler - Nach der Hochwasserkatastrophe an der Ahr hat der Landkreistag Rheinland-Pfalz neue Sirenensignale gefordert, damit die Menschen in Risikogebieten rechtzeitig gewarnt werden.

Im Kreis Ahrweiler laufen bereits die Aufräumarbeiten.
Im Kreis Ahrweiler laufen bereits die Aufräumarbeiten.  © Thomas Frey/dpa

"Die digitale Alarmierung funktioniert nicht, wenn kein Ton da ist", sagte am Montag der Geschäftsführende Direktor des Landkreistags, Burkhard Müller.

Die etablierten Signale etwa zum Fliegeralarm oder zum ABC-Alarm bei einem Angriff mit atomaren, biologischen oder chemischen Waffen seien nicht mehr zeitgemäß. "Ich halte vier bis fünf neue Signale für zwingend erforderlich." Dazu sollte auch ein Signal gehören, sich auf keinen Fall in Kellerräumen aufzuhalten.

Der Katastrophenschutz in Deutschland sei gut aufgestellt, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Montag bei einem Besuch in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Bund, Länder und Kommunen müssten sich aber auch gemeinsam Gedanken machen, welche Lehren aus dem Krisenmanagement zu ziehen seien.

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"Ich schließe nicht aus, dass wir das ein oder andere verbessern müssen." Aber die Warnmeldungen hätten funktioniert.

Vermisstenzahl im vierstelligen Bereich

Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich als schwierig.
Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich als schwierig.  © Boris Roessler/dpa

Die rheinland-pfälzische Landtagsfraktion der Freien Wähler sprach am Montag von einem "Versagen in Meldeketten".

Der Fraktionsvorsitzende Joachim Streit schloss sich dem Vorwurf der britischen Wissenschaftlerin Hannah Cloke an, die den Behörden ein "monumentales" System-Versagen in der Flutkatastrophe vorwarf.

Cloke war am Aufbau des EFAS (European Flood Awareness System) beteiligt, das nach den verheerenden Überschwemmungen an Elbe und Donau im Jahr 2002 gegründet wurde. Die AfD-Fraktion forderte einen Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe. Die Landesregierung hatte am Sonntag auf das rasante Tempo verwiesen, mit dem Wassermassen alles mitgerissen hatten.

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Bis Montag wurden nach Angaben des rheinland-pfälzischen Innenministers Roger Lewentz (SPD) 117 Menschen tot geborgen. Zu den Vermisstenmeldungen sagte Lewentz: "Wir sind insgesamt immer noch in einem vierstelligen Bereich."

Die Zahl der in der Katastrophe ums Leben gekommenen Menschen steige weiter an. "Und wenn Sie diese Verwüstungen hier sehen, dann können Sie sich vorstellen, dass wir noch weitere tote Menschen finden werden." Die Polizei habe am Montag begonnen, "Planquadrat für Planquadrat in die Häuser hinein zu gehen".

Die Suche nach Vermissten sei nach wie vor schwierig, weil Daten und Mobilfunksysteme "zusammengeklappt" seien, sagte Lewentz. Jede Meldung müsse einzeln abgearbeitet werden. Bis zu 1200 Polizeibeamte seien im Einsatz. "Wir sind eingestellt auf eine enorm lange Lage. Das wird nicht in Wochen zu bewältigen sein, sondern wir gehen von Monaten aus", sagte der Innenminister.

Titelfoto: Thomas Frey/dpa

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