Hat neben Feiern auch das Wetter eine Schuld an höheren Corona-Zahlen?

Mainz - Private Feiern und niedrige Temperaturen sind nach Einschätzung des Mainzer Virologen Bodo Plachter bei der starken Ausbreitung des Coronavirus derzeit entscheidend.

Das kalte Wetter soll ebenfalls für die Ausbreitung des Virus sorgen (Symbolfoto).
Das kalte Wetter soll ebenfalls für die Ausbreitung des Virus sorgen (Symbolfoto).  © Andreas Arnold/dpa

"Es sind zwei Fronten, an denen man kämpfen muss: Unkontrollierte Partys und das Wetter", sagte der stellvertretende Direktor des Instituts für Virologie an der Uni Mainz der Deutschen Presse-Agentur. Auch andere Infektionen gebe es in der kühleren Jahreszeit häufiger.

"Es ist nicht vollständig geklärt, warum sich Infektionserreger des Respirationstraktes im Winter besser verbreiten als im Sommer", sagte Plachter. 

Trockene Luft in Innenräumen, mehr Sozialkontakte in Räumen und eine höhere Empfindlichkeit der Menschen im nasskalten Wetter würden diskutiert.

Der "private Bereich" sei aber der größte Infektionstreiber des Coronavirus und schwer zu kontrollieren. 

Speiselokale mit guten Hygienekonzepten seien dagegen nach seiner Auffassung ähnlich wie der Handel und Schulen in der Pandemie keine großen Treiber.

Ein Wechsel von Teil-Lockdowns wie am Mittwoch von Bund und Ländern beschlossen mit Lockerungen könnte durchaus den gesamten Winter prägen, sagte Plachter. Um Weihnachten im Dezember werde es wieder viele private Feiern geben. "Und dann könnten die Infektionszahlen im Januar wieder steigen."

Allerdings komme es neben den Infektionszahlen entscheidend auf die Auslastung der Krankenhäuser an. Eine Analyse von Epidemiologen aus Stanford komme unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich die Sterblichkeitsraten über alle Altersgruppen niedriger darstellten als anfänglich vermutet. 

Dies sage aber nichts über die tatsächliche Krankheitslast in einem Land aus. "Faktoren wie Belegung von Intensivstationen oder bleibende Schäden werden in solchen Todesfall-Studien nicht abgebildet, sind aber natürlich entscheidend für die Maßnahmen, wie sie in Deutschland ab Montag gelten."

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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