Herrschaftlicher Nachwuchs? Baby-Grab aus der Zeit der Himmelsscheibe entdeckt

Friedrichsschwerz - Wissenschaftler in Friedrichsschwerz (Saalekreis) bei Halle haben das Grab eines Babys aus der Zeit der Himmelsscheibe von Nebra entdeckt! Das Kind sei schätzungsweise im Alter von höchstens einem halben Jahr gestorben, sagte Projektleiterin Susanne Friederich am Donnerstag.

Das Baby liegt in einem Grab in Friedrichsschwerz bei Halle. Es ist schätzungsweise im Alter von höchstens einem halben Jahr gestorben.
Das Baby liegt in einem Grab in Friedrichsschwerz bei Halle. Es ist schätzungsweise im Alter von höchstens einem halben Jahr gestorben.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"Der Leichnam wurde vor 4000 bis 3550 Jahren beerdigt und stammte vermutlich aus einer Familie der gehobenen Gesellschaft."

Das Grab sei eine außergewöhnliche Bestattung aus der Zeit der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur, der Epoche der Himmelsscheibe. Möglicherweise wäre das Kind ein künftiger Herrscher geworden.

"Darauf deuten die Beigaben von zwei bronzenen Armspiralen mit jeweils zehn Windungen und mit einem Durchmesser von rund sechs Zentimetern hin", sagte Friederich.

Sachsen-Anhalts Jäger erlegen weniger Wild: Ist Corona Schuld?
Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalts Jäger erlegen weniger Wild: Ist Corona Schuld?

Die Wände des fast kreisrunden Grabes von 60 Zentimeter Durchmesser waren mit Bruchsteinen eingefasst. "Die damaligen Menschen haben versucht, das Grab gut zu sichern", sagte die Archäologin.

Zudem wurden zwei Böden von Keramikgefäßen entdeckt. Solche großen, gelegentlich übermannshohen, dickwandigen, bauchigen Vorratsgefäße wurde auch zur Bestattung - vor allem von Kindern - verwendet. "Insgesamt waren es an diesem Ort also drei Bestattungen."

Eine Grabungstechnikerin zeigt eine bronzene Armspirale aus der Zeit der Himmelsscheibe von Nebra in Friedrichsschwerz bei Halle. Der Schmuck lag als Beigabe in einem Grab mit einem Baby.
Eine Grabungstechnikerin zeigt eine bronzene Armspirale aus der Zeit der Himmelsscheibe von Nebra in Friedrichsschwerz bei Halle. Der Schmuck lag als Beigabe in einem Grab mit einem Baby.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Die Grabungen an der Autobahn 143 laufen mit Unterbrechungen seit Ende 2019 und sollen im Mai 2022 zum Abschluss kommen. Auf dem über 50 Hektar großen Gelände gibt es bislang 20 Fundstellen mit zahlreichen Funden unterschiedlichster Zeitepochen.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt: