Darum sollen mehr als 1000 Jahre alte "Zaubersprüche" Unesco-Weltdokumenten-Erbe werden

Merseburg - Vor mehr als 1000 Jahren schrieb ein Mönch sie auf: Die "Merseburger Zaubersprüche". Sachsen-Anhalt setzt sich dafür ein, dass die unter Experten als einzigartig geltenden Schriften in das Register des Unesco-Weltdokumentenerbes (Memory of the World-Register) aufgenommen werden.

Die "Merseburger Zaubersprüche" wurden vor mehr als 1000 Jahren von einem Mönch aufgeschrieben.
Die "Merseburger Zaubersprüche" wurden vor mehr als 1000 Jahren von einem Mönch aufgeschrieben.  © Thomas Schulze/dpa

Ein Antrag der Vereinigten Domstifter sei mit Unterstützung des Landes erarbeitet worden und soll der Deutschen Unesco-Kommission übergeben werden. Dies teilte Kulturstaatsminister Rainer Robra (69, CDU) am Mittwoch mit.

Die "Merseburger Zaubersprüche" sind den Angaben nach die ältesten in Deutschland erhaltenen heidnischen Beschwörungsformeln in althochdeutscher Sprache.

Sie geben einen direkten Einblick in die Lebens- und Sprachwelt vor 1000 Jahren und befinden sich in der Domstiftsbibliothek Merseburg (Saalekreis), erklärte der Direktor der Vereinigten Domstifter, Holger Kunde (53).

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Die zwei Sprüche sind in althochdeutscher Sprache überliefert. Sie geben, so Kunde, magische Beschwörungsformeln aus vorchristlicher Zeit wieder.

Der erste Spruch diente den Angaben nach der Befreiung eines Gefangenen, der zweite der Heilung eines verletzten Pferdefußes.

Beschwörungsformeln erst im Jahr 1841 wiederentdeckt

Die Sprüche seien erst 1841 in einer theologischen Sammelschrift des 9. und 10. Jahrhunderts in der Merseburger Domstiftsbibliothek wiederentdeckt worden.

Mit der rund 3600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra", die als weltweit älteste bekannte konkrete Darstellung astronomischer Phänomene gilt, und den frühen Schriften der Reformationsbewegung verfügt Sachsen-Anhalt laut Staatskanzlei bereits über zwei Einträge im Unesco-Weltdokumentenerbe.

Bundesweit gebe es bisher 24 Einträge, darunter das Nibelungenlied. Ein internationales Komitee bestimme über die Aufnahme in das Register.

Titelfoto: Thomas Schulze/dpa

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