Flexibilität und Optimismus: So planen Museen während des Lockdowns

Magdeburg/Weißenfels - Ausgefallene Sonderausstellungen, fehlende Besucher, verlegte Schauen – die Auswirkungen des ersten und zweiten Lockdowns begleiten die Museen in Sachsen-Anhalt auch im neuen Jahr. Die Corona-Pandemie erschwerte und veränderte für viele Häuser die Planung für 2021, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Die Auswirkungen des ersten und zweiten Lockdowns begleiten die Museen in Sachsen-Anhalt auch im neuen Jahr. Die Corona-Pandemie erschwerte und veränderte auch die Planungen für 2021. (Archivbild)
Die Auswirkungen des ersten und zweiten Lockdowns begleiten die Museen in Sachsen-Anhalt auch im neuen Jahr. Die Corona-Pandemie erschwerte und veränderte auch die Planungen für 2021. (Archivbild)  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

"Es ist schwer, langfristige Entscheidungen zu treffen", sagte Thomas Bauer-Friedrich. Die Planungsunsicherheit der vergangenen Monate habe den Direktor des Kunstmuseums Moritzburg in Halle umgetrieben.

2020 mussten Schauen verschoben oder neu terminiert werden – unter anderem die besucherstarke Lagerfeld-Ausstellung, die bereits ein zweites Mal verlängert wurde und nun bis Ostern zu sehen sein soll.

Die ab Mai geplante Schau mit Lithografien von Henri de Toulouse-Lautrec war bereits 2020 ins Jahr 2021 verlegt worden.

Neue Termine seien aber nicht ohne weiteres möglich, unter anderem weil die Exponate Leihgaben von verschiedenen Sammlungen sind.

Zum anderen könnten die Kunstwerke nicht beliebig lange ausgestellt werden – wegen der Lichtempfindlichkeit dürfen sie nur einige Wochen im Museum hängen. Die Zeitfenster müsse er deswegen mit den Leihgebern aushandeln, sagte Bauer-Friedrich.

Andere Schauen wiederum seien an bestimmte Daten geknüpft – wie die Retrospektive von Willi Sitte anlässlich seines 100. Geburtstags. "Wenn das Jubiläum verstrichen ist, ergibt eine Schau wenig Sinn", so der Museumsdirektor.

Komplette Verlegungen seien deswegen 2021 nicht immer machbar, bei den genauen Zeiträumen gebe es teilweise noch Spielraum.

Manche Ausstellungen öffneten nur wenige Tage

Das Bauhaus-Museum in Dessau hat sich bewusst dazu entschieden, kein reduziertes Programm anzubieten.
Das Bauhaus-Museum in Dessau hat sich bewusst dazu entschieden, kein reduziertes Programm anzubieten.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Auch andere Museen reagieren mit Puffer auf mögliche weitere Besucherstopps – so wie das Altmärkische Museum in Stendal. "Wir blicken optimistisch in die Zukunft", sagte Sachgebietsleiterin Gabriele Bark.

Wegen des Lockdowns geschlossene Ausstellungen wurden, wenn möglich, verlängert, ganz ausgefallene Schauen ins Jahr 2021 verlegt.

So hält es auch das Kulturhistorische Museum in Magdeburg. Die aktuelle Sonderausstellung "Magdeburger Gesichter des 19. Jahrhunderts" konnte nur drei Tage lang Besucher empfangen – dann kam zunächst der Teil-Lockdown, sagte ein Sprecher. Die Schließzeiten würden intensiv genutzt, unter anderem für Forschung.

Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr habe das Museum im Sommer viele Besucher gezählt, obwohl zu dieser Jahreszeit sonst ein Tief herrscht. Auf diesen Bedarf nach Kultur hoffe das Museum auch nach der zweiten Pause.

Schließzeiten für Umbaumaßnahmen nutzen

Das Museum Weißenfels im Schloss Neu-Augustusburg ist über der Altstadt und dem Fluss Saale zu sehen. (Archivbild)
Das Museum Weißenfels im Schloss Neu-Augustusburg ist über der Altstadt und dem Fluss Saale zu sehen. (Archivbild)  © Ronny Hartmann/dpa

Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg wird die von Bund und Ländern bislang angedachte Schließzeit hingegen noch verlängern. Bis Anfang März finden im Museum Bauarbeiten statt.

"Damit hoffen wir, auch eine höhere Planungssicherheit für die kommende Zeit auf der Baustelle und im Museum zu erreichen, die in der derzeitigen Corona-Lage überhaupt nicht gegeben ist", sagte Museumsleiterin Annegret Laabs.

Für das Bauhaus Dessau hätten die Pandemie und mögliche weitere Lockdowns bei der Planung des Jahres 2021 selbstverständlich eine Rolle gespielt, teilte Sprecherin Ute König mit. Dennoch habe sich das Museum bewusst dazu entschieden, kein abgespecktes Programm anzubieten.

"Das fordert natürlich deutlich mehr Flexibilität: So wird die Option für veränderte Laufzeiten von Ausstellungen immer mitbedacht", so König.

Verschiebungen habe es auch 2020 gegeben. Unter anderem konnte das Zwischenspiel "Peggy Bluth: Demolition Flats" noch nicht öffnen – die Schau war ab Anfang Dezember vorgesehen.

Planung von Nachholterminen

Die Sonderschau "Sternensucher" zeigt seit Oktober 2020 die 4000 Jahre alte Geschichte der Himmelsbeobachtung. Derzeit ist das Besucherzentrum pandemiebedingt geschlossen. (Archivbild)
Die Sonderschau "Sternensucher" zeigt seit Oktober 2020 die 4000 Jahre alte Geschichte der Himmelsbeobachtung. Derzeit ist das Besucherzentrum pandemiebedingt geschlossen. (Archivbild)  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Bereits aufgebaut, aber bislang noch nicht für Besucher zugängig ist die Ausstellung "Silber von der Saale – Silberschmiedekunst aus Weißenfels" des Museums im Schloss Neu-Augustusburg in Weißenfels.

"Sobald die Museen wieder öffnen dürfen, wird die Vernissage nachgeholt", teilte das Museum mit. Hinter den Kulissen werde trotz des Lockdowns fleißig gearbeitet.

"Flexibilität" sei in diesen Zeiten das Stichwort, sagte Bettina Pfaff, Geschäftsführerin der Arche Nebra im Süden Sachsen-Anhalts. Die aktuelle Sonderschau "Sternensucher" öffnete erst im Oktober, sei aber noch bis September 2021 angesetzt. Eine Verlängerung ist trotz der Ungewissheiten vorerst nicht geplant.

Wie die meisten anderen Museen sei die Arche Nebra bereit und könne innerhalb weniger Tage wieder Besucher empfangen, sagte die Geschäftsführerin.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

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