Giftstoffe im Grundwasser? Verseuchter Schlamm im Harz steigert das Krebs-Risiko

Halle (Saale) - Aus alten Bergwerkschächten soll seit Jahrzehnten ungefiltert Grubenwasser in den Harz fließen. Das fand Radio Brocken in Zusammenarbeit mit der Hochschule Magdeburg-Stendal heraus.

Der Bergwerkschacht Alexisbad grenzt direkt an den Fluss Selke an.
Der Bergwerkschacht Alexisbad grenzt direkt an den Fluss Selke an.  © Funkhaus Halle

Anhand von analysierten Proben konnte festgestellt werden, dass die gesetzlichen Grenzwerte für die Bodenbelastung durch Arsen beispielsweise in Alexisbad um fast das Doppelte überschritten werden. In Gernrode sogar um das 16-fache.

Dr. Broder Merkel, der als Geologie-Professor an der Bergbauakademie Freiberg arbeitet, fordert nach Betrachten dieser schockierenden Ergebnisse: "Die Werte in Gernrode sind um ein Vielfaches zu hoch und hier muss, wenn sich die Stichprobe bestätigt, dringend gehandelt werden."

Nach Informationen von Radio Brocken kann das Austreten von Arsen in dieser Größenordnung schlimme Folgen haben: Gerät der Stoff ins Grundwasser, kann dies über einen Zeitraum von zehn bis 20 Jahren zu einer Zunahme von Hautkrebs-Erkrankungen führen.

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Auch der Verzehr von Wildtieren, die sich vor dem Erlegen von den arsenhaltigen Pflanzen in der Umgebung ernährt haben, erhöhe das Krebsrisiko der Menschen.

Vom Hagentalstollen bei Gernrode geht Gefahr für die Umwelt aus.
Vom Hagentalstollen bei Gernrode geht Gefahr für die Umwelt aus.  © Funkhaus Halle/Radio Brocken

Wird die Gefahr von der Landesregierung unterschätzt?

Erst kürzlich soll aus dem Bergwerkschacht Alexisbad Schlamm gesprudelt sein.
Erst kürzlich soll aus dem Bergwerkschacht Alexisbad Schlamm gesprudelt sein.  © Funkhaus Halle/Radio Brocken

Der kontaminierte Grubenschlamm werde zwar in unregelmäßigen Abständen abgepumpt, fließe jedoch besonders bei starkem Schneefall oder Regen direkt in Flüsse und Teiche der Region.

Auf die daraus resultierende Gefahr für Menschen, Tiere und Natur im Harz habe der Landkreis die Regierung und Ministerpräsident Reiner Haseloff (67, CDU) bereits öfters hingewiesen.

Bisher seien aber keine Lösungen gefunden worden, da sich das Umwelt- und Wirtschaftsministerium nicht über die Zuständigkeit des Themas einigen könnten.

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Das Brisante an diesem Vorwurf: Der Vorgang sei dem Wirtschaftsministerium bereits seit Jahren bekannt.

Auch bei vorherigen Stichproben des Grundwassers ausgehend von den Stollen seien neben Arsen auch Quecksilber und Cadmium gefunden worden.

"In Alexisbad so viel, dass ein als Heilbrunnen ausgewiesener Wanderbrunnen über Nacht demontiert wurde", so die Angaben von Radio Brocken. Die Schlämme aus Alexisbad seien jahrelang auf eine Deponie verbracht worden, die nach Betrachtung der besorgniserregenden Bodenproben die weitere Einlagerung strikt ablehnte. Nun muss der Schlamm als Sondermüll aufwendig entsorgt werden.

Bisher hat noch keines der Ämter zu den Vorwürfen und Bodenproben um die Stollen Stellung genommen.

Titelfoto: Funkhaus Halle/Radio Brocken

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