Halle-Prozess: Nebenklage liefert niederschmetterndes Urteil über Stephan Balliet

Magdeburg - Zum Ende des Halle-Prozesses gibt die Nebenklage dem Angeklagten Stephan Balliet die volle Breitseite und führt ihm die Konsequenzen seiner gescheiterten Anschlagspläne vor Augen. In ihren Plädoyers stimmen die Anwälte den Angeklagten auf ein bedeutungsloses Leben hinter Gittern ein.

Stephan Balliet wollte ein Märtyrer werden. Laut der Nebenklage im Prozess um den Anschlag von Halle wird er jedoch als "namenloses Irrlicht in Erinnerung bleiben".
Stephan Balliet wollte ein Märtyrer werden. Laut der Nebenklage im Prozess um den Anschlag von Halle wird er jedoch als "namenloses Irrlicht in Erinnerung bleiben".  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag von Halle gab der Angeklagte an, er habe eine Art Märtyrer der globalen Rechtsextremisten-Szene werden wollen. Das sei ihm nicht gelungen, resümierten mehrere Anwälte der Nebenklage am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Naumburg.

"Sie werden nur als namenloses Irrlicht in Erinnerung bleiben, der verschiedenen Verschwörungsmythen aufgesessen ist", sagte Überlebenden-Anwalt Florian Feige in Richtung Anklagebank.

"Der Anschlag wird unvergessen bleiben, allerdings nicht in der Form, die Sie sich vorgestellt haben", so Feige.

Urteil im Halle-Prozess soll am 21. Dezember fallen

Balliet zusammen mit seinen Anwälten Hans-Dieter Weber (links) und Thomas Rutkowski.
Balliet zusammen mit seinen Anwälten Hans-Dieter Weber (links) und Thomas Rutkowski.  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Balliet hatte am 9. Oktober 2019 versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten (TAG24 berichtete). Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. (†40) und später in einem Döner-Imbiss Kevin S. (†20).

Auf der anschließenden Flucht schoss er unter anderem zwei Menschen an. Sie sind Nebenkläger und werden von Feige vertreten.

Der Prozess am OLG Naumburg läuft seit Juli, findet aus Platzgründen aber in Magdeburg statt. Der Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungserzählungen begründet. Die Anklage fordert eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

Das Urteil wird am 21. Dezember erwartet.

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0