"Hochgradig tragisch": Autoren und Verlage wegen Corona in finanzieller Not

Halle (Saale) - Die Pandemie bringt Verlage und Autoren an den Rand der wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit. Es wird vermutet, dass nicht alle die Krise überleben.

Vermutlich werden nicht alle Verlage die Corona-Krise überleben. (Symbolbild)
Vermutlich werden nicht alle Verlage die Corona-Krise überleben. (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

"Lesungen sind jetzt alle abgesagt", sagt die Geschäftsführerin des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt, Sandra Heuchel. "In Sachsen-Anhalt gibt es ohnehin nicht sehr große Verlage, der größte ist der Mitteldeutsche Verlag."

Der Bödecker-Kreis betreibt Lese- und Literaturförderung. Im Landesverband sind knapp 130 Autoren organisiert.

In den letzten Jahren werde auch viel über Eigenverlage und E-Books publiziert. "Dass die Lesungen weg sind, ist hochgradig tragisch, denn es geht ja nicht nur darum, dass die Autoren damit Geld verdienen, sondern sie haben dadurch auch den Kontakt zu ihrem Publikum verloren", so Heuchel.

"Das ist ein ganzes Bündel von Problemen. Es gibt Kollegen, die schon von Hartz IV leben, viele sind auch deprimiert", sagt der hallesche Autor Dirk Bierbaß.

"Zum Glück habe ich noch andere Projekte, wie die Erstellung einer Anthologie." Bierbaß vermutet, dass die Krise nicht alle Verlage überleben werden. "Da ist jetzt eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt worden."

Erst im Mai 2021 sind wieder Lesungen geplant

"Jetzt im November haben wir lediglich 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erwirtschaftet", sagt der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlages Halle, Roman Pliske.

"Wir merken die Kaufzurückhaltung. Die Leute lesen Bestseller und das, was sie kennen. Was fehlt, ist die Neugierde auf etwas Neues." Pliske hofft, dass es im zweiten Halbjahr 2021 wieder besser wird.

Die Leipziger Buchmesse soll vom 27. bis 30. Mai 2021 stattfinden (TAG24 berichtete). Etwa ein Fünftel der Publikationen aus 2020 wurden in das Jahr 2021 geschoben. Die nächsten Autorenlesungen plane der Mitteldeutsche Verlag ab Mai 2021.

"Es kommt immer darauf an, welche Art von Büchern die Verlage verlegen. Ob es beispielsweise ein Kinderbuch oder ein Reisebuch ist", sagt Heike Haupt, Geschäftsführerin des Verbandes der Verlage und Buchhandlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Leipzig).

"Mein Eindruck ist, Kinderbücher und Belletristik läuft gut. Reisebücher werden derzeit wohl nicht so gekauft."

Abgemeldet von den Verlagen habe sich bislang niemand, es gebe immer noch 52 Verlage in Sachsen-Anhalt. Im Moment ist auch das Insolvenzgesetz ausgesetzt, wie Haupt erklärte.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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