Hunderte auf Warteliste: Auch junge Patienten in Sachsen-Anhalt warten auf Organspende

Magdeburg - Sie warten oft Jahre lang auf ein neues Organ. In Sachsen-Anhalt stehen Hunderte Menschen auf der Liste für eine Organtransplantation. Auch junge Menschen müssen weiter auf eine Spende hoffen.

Nur 27 Prozent der Erwachsenen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben einen Organspendeausweis.
Nur 27 Prozent der Erwachsenen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben einen Organspendeausweis.  © Daniel Maurer/dpa

Mit Stand zum Jahresanfang stehen auch drei Sachsen-Anhalter unter 18 Jahren auf der Warteliste, erklärte die Sprecherin der Techniker Krankenkasse in Sachsen-Anhalt, Elke Proffen, in Magdeburg mit Verweis auf Zahlen der Vermittlungsstelle Eurotransplant. 

Bundesweit warteten demnach insgesamt 154 Kinder und Jugendliche auf ein dringend benötigtes Organ.

Allein in Sachsen-Anhalt brauchten 292 Menschen aller Altersgruppen eine Niere, 35 ein Herz und 30 eine Leber. Auf eine neue Bauchspeicheldrüse und eine Lunge hofften den Angaben zufolge 20 Sachsen-Anhalter. 

Insgesamt standen damit 25 Menschen mehr auf der Warteliste von Eurotransplant als im Vorjahr. Einige benötigten auch mehrere Organe, erklärte Proffen.

Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen deutschlandweites Schlusslicht

Entscheidend für die Frage, wer ein Organ bekommt, sind nach Angaben von Eurotransplant vier Kriterien: der erwartete Erfolg nach der Transplantation, die durch Experten festgelegte Dringlichkeit, die Wartezeit des Empfängers und die nationale Organaustauschbilanz. 

Wer sich als Organspender ausweisen wolle, könne sich vor der Entscheidung unter anderem bei öffentlichen Stellen wie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder bei den gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen informieren, erklärte Proffen.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen würden insgesamt nur 27 Prozent der Erwachsenen einen ausgefüllten Organspendeausweis besitzen, so Proffen. Damit bildeten die Länder deutschlandweit das Schlusslicht. Bundesweit liege die Quote bei 40 Prozent.

Die Politik versucht seit Langem, die Spendenbereitschaft der Deutschen zu erhöhen. Im Januar hat der Deutsche Bundestag das Gesetz zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende verabschiedet. Es sieht unter anderem ein neues Onlineregister für Organ- und Gewebespenden vor. 

Zudem sollen Ausweisstellen künftig Aufklärungsmaterial und Organspendeausweise aushändigen und Hausärzte ihre Patienten bei Bedarf alle zwei Jahre ergebnisoffen beraten. Das Gesetz soll voraussichtlich im ersten Quartal 2022 in Kraft treten. Organentnahmen bleiben aber weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt.

Die Stiftung Eurotransplant ist nach eigenen Angaben für die Zuteilung von gespendeten Organen in acht europäischen Ländern verantwortlich. Die Stiftung arbeitet dabei eng mit Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboratorien und Krankenhäusern zusammen. Sobald ein Spender gemeldet wird, bestimmt den Angaben zufolge Eurotransplant mit Hilfe eines komplexen Computerverfahrens für jedes verfügbare Organ einen passenden Empfänger. 

Bundesweit wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Vermittlungsstelle 3538 Organe von verstorbenen Spendern transplantiert.

Titelfoto: Daniel Maurer/dpa

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