Klassenbildung nach Muttersprache? Schule rudert nach Rassismusvorwürfen zurück

Burg/Halle - An einer Grundschule in Burg (Jerichower Land) ist ohne Wissen der Eltern eine erste Klasse allein aus Kindern mit arabischer Muttersprache gebildet worden.

Eine erste Klasse nur aus Kindern mit arabischer Muttersprache wurde an einer Grundschule in Sachsen-Anhalt gebildet. (Symbolbild)
Eine erste Klasse nur aus Kindern mit arabischer Muttersprache wurde an einer Grundschule in Sachsen-Anhalt gebildet. (Symbolbild)  © Sebastian Gollnow/dpa

Das hat das Landesschulamt am Dienstag auf Nachfrage mitgeteilt und eine Entschuldigung ausgesprochen. Am Vortag hatte das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) auf den Fall aufmerksam gemacht und das Vorgehen kritisiert. Am Montag ist die Klassenbildung laut Landesschulamt verändert worden.

Der Vize-Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Linken im Landtag, Thomas Lippmann (59), teilte am Dienstagabend mit: "Wenn Menschen nach ihrer Erscheinung sortiert und in Deutsche und 'die anderen' eingeteilt werden, dann ist das nichts anderes als Rassismus. Damit wurde der von den Kindern und ihren Eltern mit viel Freude erwartete Schulanfang einer schweren Belastung ausgesetzt, die so schnell nicht wieder gutzumachen ist."

Ein Sprecher des Landesschulamts erklärte: "Der vorgesehene Klassenlehrer spricht selbst Arabisch und verfügt gleichzeitig über große Erfahrung bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache."

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Die Schule habe in der Absicht gehandelt, ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung bestmöglich und im Sinne der Kinder auszunutzen. Es sei aber nicht so gewesen, dass alle Kinder mit Migrationshintergrund des ersten Jahrgangs diese erste Klasse besucht hätten. Auch die anderen beiden ersten Klassen hätten Kinder mit Migrationshintergrund, jedoch mit anderen Muttersprachen, besucht.

"Rassistische Trennung aufgrund äußerlicher Zuschreibungen"

Der Vize-Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Linken im Landtag, Thomas Lippmann (59).
Der Vize-Fraktionsvorsitzende und bildungspolitische Sprecher der Linken im Landtag, Thomas Lippmann (59).  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Lippmann sagte: "Den Berichten der Eltern und des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen zufolge gibt es für die 13 betroffenen Kinder keinen spezifischen Sprachförderungsbedarf. Viele seien in Deutschland geboren, alle haben Kitas besucht."

Aus dem Landesschulamt hieß es, man sei davon ausgegangen, dass die geplante Klassenbildung mit den betroffenen Eltern abgestimmt gewesen sei. Das sei bedauerlicherweise nicht geschehen. "Die Schule hat dies als Fehler erkannt und wird die Kommunikation mit den Eltern zukünftig verbessern. Ich bitte stellvertretend für alle Beteiligten um Entschuldigung für die entstandenen Irritationen", so der Behördensprecher.

Die Eltern eines betroffenen Kindes hatten die Entscheidung zur Klassenbildung erst bei der Einschulung am Wochenende erfahren und sich beim Landesnetzwerk Migrantenorganisationen gemeldet.

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"Hierbei handelt es sich nicht um ein pädagogisches Konzept, sondern um eine rassistische Trennung aufgrund äußerlicher Zuschreibungen", erklärte Lamsa-Geschäftsführer Mamad Mohamad.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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