Lkw-Stellplätze für die Nacht: Mit der Dämmerung kommt die Angst

Magdeburg - Wenn es dämmert auf den Autobahnen, steigt der Puls der Trucker. Mit jedem Kilometer wächst die Angst. Wird es diesmal mit einem sicheren Nachtquartier klappen? "Bis 15 Uhr findest du einen Parkplatz, danach geht der Kampf los", beschreibt Jens Meißner, Inhaber der Spedition Kleinschmidt & Klavehn aus Genthin (Landkreis Jerichower Land), den Arbeitsalltag in der Branche. Rund 700 Plätze fehlen in Sachsen-Anhalt, nur 100 sollen absehbar dazukommen.

Rund 700 Lkw-Stellplätze fehlen in Sachsen-Anhalt, nur 100 sollen absehbar dazukommen.
Rund 700 Lkw-Stellplätze fehlen in Sachsen-Anhalt, nur 100 sollen absehbar dazukommen.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Seine Firma ist bundesweit unterwegs und auf den Transport von Metallteilen spezialisiert. Den Takt geben dabei die Kunden vor. Die wollen ihre Ware zu bestimmten Zeiten in Empfang nehmen. Es mache daher wenig Sinn, zum Beispiel nachts zu fahren, wenn die Straßen leer sind und tagsüber zu schlafen. Also heißt es, den Arbeitstag so gut wie möglich ausnutzen und Strecke zu machen.

Die Polizei und das Bundesamt für den Güterverkehr überwachen die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten. Nach bestimmten Zeiten steht unweigerlich eine Pause an. Die gesetzliche Ruhezeit pro Tag beträgt mindestens elf Stunden. 

"Wer pfiffig ist, plant seine Fahrt minutiös, um rechtzeitig einen bestimmten Parkplatz zu erreichen", sagt Meißner. Es reiche aber schon ein Stau und der Zeitplan breche zusammen. Dann helfe nur noch Daumen drücken und zittern, dass auf dem nächsten Parkplatz noch etwas frei ist.

Notfalls müsse der Fahrer die Autobahn verlassen und sich in einem nahen Gewerbegebiet einen Platz suchen. Das werde allerdings von den Kommunen meist nicht gern gesehen. Meißner sieht nur eine Lösung für das Problem: "Es müssen mehr Parkplätze an den Autobahnen her." 

In Sachsen-Anhalts Verkehrsministerium teilt man diese Meinung. "Wir gehen von einem Mehrbedarf von rund 700 Stellplätzen entlang unserer Autobahnen aus", sagt Pressesprecher Andreas Tempelhof. Knapp 100 neue seien derzeit im Bau, wobei jeder rund 30.000 Euro koste.

Zum Schutz vor Kriminellen: Rasthof mit Stacheldraht und Videokameras

Rasthof Uhrsleben: Lastwagen stehen mit ihrer wertvollen Fracht auf einem Sicherheitsparkplatz.
Rasthof Uhrsleben: Lastwagen stehen mit ihrer wertvollen Fracht auf einem Sicherheitsparkplatz.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Ein bedeutendes Neubauprojekt sei die Tank- und Rastanlage "Colbitz-Letzlinger-Heide" an der im Bau befindlichen A14-Nordverlängerung (bei Dolle). Hier sei dem Mangel an Lkw-Stellplätzen dadurch Rechnung getragen worden, dass auf Reserveflächen verzichtet wurde und dort statt 97 nun 122 Stellplätze entstehen. 

Dem Bedarf an neu zu schaffenden Lkw-Stellplätzen an den Autobahnen stünden immer aufwendigere Verfahren zur Schaffung von Baurecht und der Bauplanung gegenüber.

Zudem habe das Bundesverkehrsministerium eine Zunahme des Lkw-Güterverkehrs um rund 39 Prozent bis 2030 prognostiziert. Das Land verfüge derzeit über 54 sogenannte Parkplatz-Anlagen mit WC sowie 13 bewirtschaftete Raststätten an den Autobahnen. Genau 2147 Laster-Stellplätze gebe es dort. Hinzu kommen landesweit circa 1200 Lkw-Stellplätze auf privaten Autohöfen. Die sind jedoch meist kostenpflichtig. Das schreckt viele ab.

Mit einem speziellen Angebot lockt der Rasthof Uhrsleben in der Magdeburger Börde. Von rund 150 Lkw-Stellplätzen sind hier 100 speziell überwacht. Zäune, Stacheldraht und 32 Videokameras sollen auf dem Sicherheitsparkplatz Planenschlitzer und andere Ganoven abschrecken. 

"Da kommt nicht mal ein Fuchs unbemerkt rein", sagt Stationsleiterin Peggy Weidlich. Der Sicherheitsparkplatz werde besonders von Fahrern genutzt, die etwas Wertvolles, etwa Elektronikartikel, transportieren und meist von den Firmen bezahlt.

"Freitags kommt der Sammel-Bus und bringt die Leute nach Hause."

Auf dem Rasthof Uhrsleben gibt's Schranken, Stacheldraht und Videokameras.
Auf dem Rasthof Uhrsleben gibt's Schranken, Stacheldraht und Videokameras.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Im Vergleich zu einem potenziellen Diebstahlschaden, den die Versicherung dann möglicherweise nicht bezahlt, fielen die Kosten kaum ins Gewicht. 

30 Euro kostet der Stellplatz pro Nacht, 50 Euro sind für ein ganzes Wochenende fällig. Viele Fahrer lassen ihren Laster dann stehen. "Freitags kommt der Sammel-Bus und bringt die Leute nach Hause", berichtet sie. Pünktlich Sonntagabend sind sie wieder da. 

Für die Übernachtungsgäste bietet der Autohof nicht nur Toiletten und Duschen rund um die Uhr. Es stehen auch Waschmaschine, Trockner sowie eine Behindertentoilette und sogar ein Wickelraum zur Verfügung. Auch ein Schminktisch fehle nicht. Schließlich gebe aus auch Truckerinnen.

Zimmer bietet der Rasthof nicht an. Heutzutage seien die Laster bestens ausgestattet, sagt die Stationsleiterin. Die meisten verfügten neben Bett und TV-Anschluss auch über eine Kochmöglichkeit. 

Meißner sieht das etwas anders. Die meisten Lkw-Fahrer müssten jeden Cent dreimal umdrehen und nicht jede Firma komme für die Kosten auf einem Autohof auf. Für ihn sei es grundsätzlich unwürdig, im Fahrzeug schlafen zu müssen, insbesondere bei längeren, mehrtägigen Touren.

"Jedes Wohnmobil ist besser ausgestattet", sagt der Spediteur. Er fordert, die Mindestmaße für die Lkw-Gespanne zu erhöhen, damit größere Fahrerkabinen, wie man sie von amerikanischen Trucks kennt, eingebaut werden können. Die jetzigen Maße seien eng und böten nur Platz für das Notwendigste. Von Fernfahrerromantik könne daher auf Deutschlands Autobahnen keine Rede sein.

Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

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