Zu Prozessbeginn: Chronologie zum Terroranschlag in Halle und den folgenden Tagen

Halle (Saale) - Es war einer der schlimmsten antisemitischen Anschläge der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der rechtsterroristische Angriff von Halle machte weltweit Schlagzeilen. Am Dienstag beginnt der Prozess. Der Anschlag und die folgenden Tage im Überblick:

Die Synagoge im Paulusviertel in Halle.
Die Synagoge im Paulusviertel in Halle.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

9. Oktober: Ein schwer bewaffneter Mann versucht ab 12.01 Uhr in Halle in die Synagoge einzudringen, während dort 50 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag begehen (TAG24 berichtete). 

Er schießt mehrfach auf die Tür, die zur Synagoge führt und versucht sich mit selbstgebastelten Sprengladungen Zugang zum Gelände zu verschaffen. Als er scheitert, erschießt er kurz darauf eine 40-jährige Passantin und einen 20-jährigen Gast eines nahe gelegenen Dönerladens.

12.15 Uhr: Die Besatzung eines Streifenwagens hat Blickkontakt mit dem Attentäter vor dem Dönerimbiss. Der Täter schießt auf die Beamten. Die Beamten schießen zurück, verletzen ihn am Hals. Dem Täter gelingt es anschließend, zu fliehen.

13.35 Uhr: Der Fluchtwagen des Täters kollidiert frontal mit einem Lastwagen. Er versucht, zu Fuß zu flüchten und wird von den Revierpolizisten festgenommen. Zuvor hatte er auf seiner Flucht ein Ehepaar in Landsberg (Saalekreis) schwer verletzt. Noch am gleichen Tag übernimmt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen.

Der Prozess des Attentäters Stephan B. beginnt am morgigen Dienstag.
Der Prozess des Attentäters Stephan B. beginnt am morgigen Dienstag.  © Uli Deck/dpa

10. Oktober: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchen den Tatort und sprechen mit Gemeindevertretern. Steinmeier spricht von einem "Tag der Scham und der Schande". Seehofer kündigt einen besseren Schutz für jüdische Einrichtungen in ganz Deutschland an. Seehofer besucht zudem den betroffenen Dönerladen, ebenso wie Steinmeier.

11. Oktober: Der Todesschütze gesteht die Tat und bestätigt ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv. Bei einem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs sagt er umfangreich aus.

13. Oktober: Tausende Menschen haben sich seit dem Anschlag deutschlandweit zu Solidaritätsaktionen versammelt. Eine der größten findet in Berlin statt. Die Polizei schätzt 8000 Teilnehmer, die Veranstalter doppelt so viele. Auch in Halle war es immer wieder zu Aktionen gekommen - unter anderem wurde für eine Sabbat-Feier eine Lichterkette als symbolischer Schutzschild gebildet.

17. Oktober: Die jüdischen Gemeinden aus Halle, Dessau und Magdeburg sollen gemeinsam mit der Landespolizei ein Konzept zum Schutz des jüdischen Lebens in Sachsen-Anhalt erstellen. Zudem wird angekündigt, dass ein aus dem Jahr 2006 stammender Staatsvertrag zwischen der Landesregierung und der Jüdischen Gemeinschaft ergänzt und eine Vereinbarung über Kosten für Schutzmaßnahmen abgeschlossen werden sollen.

Acht Monate später verkündet die Staatskanzlei, dass eine Zusatzvereinbarung im Staatsvertrag beschlossen wurde, die jüdischen Gemeinden müssten noch zustimmen.

19. Oktober: Mindestens 14 000 Menschen besuchen ein Konzert - unter anderem mit dem Sänger Mark Forster - gegen den Hass im Zentrum der Saalestadt.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor wenigen Tagen sagt der Vorsitzende des Landesverbands Jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt, Max Privorozki, dass noch über die konkrete Umsetzung von besseren Sicherheitsmaßnahmen gesprochen werde.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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