Nach Tod eines Zweijährigen: So viele Verdachtsfälle gab es laut Statistik noch nie!

Halle (Saale) - Kinder haben das Recht auf die Unversehrtheit ihres körperlichen, geistigen und seelischen Wohls. Doch in vielen Familien wird es ihnen vorenthalten und sie geraten in Gefahr.

Kinder haben das Recht auf die Unversehrtheit ihres körperlichen, geistigen und seelischen Wohls. (Symbolbild)
Kinder haben das Recht auf die Unversehrtheit ihres körperlichen, geistigen und seelischen Wohls. (Symbolbild)  © 123RF/Elena Nichizhenova

Kurz nach dem gewaltsamen Tod eines zweijährigen Jungen in Querfurt (Saalekreis) hat das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalts Zahlen veröffentlicht. Danach ist im vergangenen Jahr mit 3549 Fällen des Verdachts einer Kindeswohlgefährdung der höchste Stand seit Einführung der entsprechenden Statistik registriert worden.

Im Vergleich zum Vorjahr wurden fast zehn Prozent mehr Fälle gemeldet, wie das Landesamt am Dienstag in Halle mitteilte. Bei Einführung der Statistik im Jahr 2012 waren 2315 solcher Fälle gezählt worden.

Bei fast 1800 Mädchen und ebenso vielen Jungen schätzten die Behörden ein, dass sie in ihrem Recht auf Unversehrtheit des körperlichen, geistigen und seelischen Wohls gefährdet seien.

Am häufigsten waren Kinder betroffen, die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet hatten (349 Fälle). Die Hälfte aller gefährdeten Kinder und Jugendlichen (1801) waren zu Beginn des Verfahrens jünger als sieben Jahre.

Von den 3549 Verdachtsfällen wurden die meisten, nämlich 727, anonym gemeldet. Bei 381 Verfahren erfolgten Hinweise durch die Polizei, seitens eines Gerichts oder durch die Staatsanwaltschaft (10,7 Prozent). Fast jede zehnte Meldung erfolgte den Angaben zufolge durch Bekannte oder Nachbarn.

Bei der Bewertung der Verfahren durch die Jugendämter wurden bei 523 Fällen eine akute und bei 406 Fällen eine latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. Bei knapp drei Viertel der Fälle bestätigte sich der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung nicht. Allerdings bestand in fast 1400 Fällen ein Hilfe- beziehungsweise Unterstützungsbedarf. Das entsprach einem Zuwachs von 210 Fällen zum Vorjahr.

Titelfoto: 123RF/Elena Nichizhenova

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