Opferhilfe: Weißer Ring betreut während Corona mehr Fälle häuslicher Gewalt

Halle (Saale) - Der Opferhilfeverein Weißer Ring hat sich 2020 öfter mit Fällen häuslicher Gewalt beschäftigen müssen als im Jahr zuvor. 2019 traf das auf 13 Prozent aller eingehenden Anfragen zu, 2020 waren es rund 17 Prozent, wie der Landesverband in Halle mitteilte.

Der Opferhilfeverein Weißer Ring hat sich 2020 öfter mit Fällen häuslicher Gewalt beschäftigen müssen als im Vorjahr.
Der Opferhilfeverein Weißer Ring hat sich 2020 öfter mit Fällen häuslicher Gewalt beschäftigen müssen als im Vorjahr.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Dabei befürchtet der Verein, dass gerade Opfer von häuslicher Gewalt aus verschiedenen Gründen nicht den Kontakt zum Weißen Ring suchen. "Es ist offenbar schwer in Zeiten des Lockdowns, unbemerkt vom Täter Hilfe zu suchen", erklärte eine Sprecherin.

Am häufigsten meldeten sich 2020 wie schon davor Opfer von Sexualdelikten - sie machten ein Fünftel der Online-Anfragen aus. Die Zahlen der tatsächlich bearbeiteten Fälle liegen den Angaben nach noch nicht vor.

Derzeit gebe es in Sachsen-Anhalt geografische Unterschiede: Während es in Halle, in Mansfeld-Südharz und im Altmarkkreis Stendal viele Fälle gibt, werden in den Außenstellen Magdeburg, Bitterfeld, Köthen und dem Saalekreis Hilfsangebote weniger nachgefragt, hieß es.

Als mögliche Gründe nannte der Verein die unterschiedliche Bekanntheit des Weißen Rings, die Altersstruktur sowie Sorgen und Ängste der Menschen.

"Einige Personen scheinen gerade während der Pandemie Vergangenes aufzuarbeiten oder verdrängte Vorfälle rücken wieder stärker in ihr Bewusstsein, und sie erkundigen sich nach psychotherapeutischer Hilfe oder anwaltlicher Beratung, um Verfahren wieder aufzunehmen", so die Sprecherin.

Weißer Ring: Mitgliederzahl sinkt, Spenden steigen

In machen Teilen von Sachsen-Anhalt wurde der Weiße Ring gerade während der Pandemie stärker angefragt - während dem gesellschaftlichem Stillstand scheinen einige Personen vergangene Traumata aufzuarbeiten. (Symbolbild)
In machen Teilen von Sachsen-Anhalt wurde der Weiße Ring gerade während der Pandemie stärker angefragt - während dem gesellschaftlichem Stillstand scheinen einige Personen vergangene Traumata aufzuarbeiten. (Symbolbild)  © Maurizio Gambarini/dpa

Grundsätzlich änderten sich die Betreuungs- und Hilfsangebote für Kriminalitätsopfer trotz der Pandemie nicht. "Allerdings haben wir uns organisatorisch umstellen müssen, so dass ein Großteil der Betreuungen nach Möglichkeit kontaktlos erfolgen."

Während die Spenden von etwa 49.800 Euro (2019) auf mehr als 66.000 Euro (2020) stiegen, ging die Anzahl der Mitglieder leicht auf aktuell 593 zurück. Ende 2019 seien es noch 618 gewesen. Dadurch sanken auch die eingenommenen Mitgliedsbeiträge.

Wegen der Corona-Lage sei es schwieriger, neue Menschen vom Weißen Ring zu überzeugen, beispielsweise weil öffentliche Auftritte fehlen. "Anhand der Entwicklung der Zahlen der Mitglieder werden die pandemiebedingten Probleme deutlich", hieß es. Zudem sucht der Verband neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Weiße Ring wurde 1976 in Mainz gegründet und setzte sich auf verschiedene Arten für Kriminalitätsopfer ein, beispielsweise via Online-Beratung oder am Opfer-Telefon. Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, testamentarische Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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