"Restart 2.0": Neues Experiment zu Ansteckungs-Risiko in Räumen gestartet

Halle (Saale) - Rund ein Jahr nach dem Konzert-Experiment mit Popstar Tim Bendzko in der Arena Leipzig haben Wissenschaftler und Techniker in Halle ein neues Corona-Forschungsprojekt begonnen.

Ein Emitter lässt Kochsalzdampf in den Zuschauerraum des Puppentheaters. Dort wird die Raumluftbeschaffenheit in Veranstaltungstätten im Hinblick auf Ansteckung durch Aerosole untersucht.
Ein Emitter lässt Kochsalzdampf in den Zuschauerraum des Puppentheaters. Dort wird die Raumluftbeschaffenheit in Veranstaltungstätten im Hinblick auf Ansteckung durch Aerosole untersucht.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Dabei gehe es um die Frage: "Wie können wir Räume künftig bewerten, ob sie aus Infektionsschutzsicht sicher sind oder nicht", sagte der Infektiologe Stefan Moritz. Unter dem Motto "Restart 2.0" haben am Dienstag erste Aerosol-Messungen begonnen. Ergebnisse des Experiments sollen bis Anfang 2022 vorliegen.

Ziel sei es, einheitliche Kriterien für ein Bewertungssystem für die Sicherheit von Veranstaltungen bei voller Platzkapazität zu entwickeln. Mediziner und Techniker setzen für das Experiment nach eigenen Angaben neue Methoden zur Untersuchung der Strömungsverhältnisse in der Raumluft ein.

Zu dem Projekt gehören zudem Computersimulationen, betonte Moritz. Es gelte herauszufinden, wie hoch das Ansteckungsrisiko mit Viren für Besucher von Veranstaltungen in Räumen mit und ohne Belüftungssystem ist.

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Sachsen-Anhalt Mehrere Verletzte bei Wohnungsbrand in Magdeburg

In Halle wurden zum Auftakt des Experiments im Puppentheater, das rund 100 Plätze hat, medizinische Puppen und Messgeräte eingesetzt. Publikum war nicht anwesend.

Insgesamt zehn Räume sind für das Experiment in Deutschland vorgesehen, darunter fünf in Berlin wie der Friedrichstadtpalast, vier Theaterstätten in Halle und die Arena in Leipzig.

Eine Puppe mit Absorbtionseinrichtung im Zuschauerraum des Puppentheaters.
Eine Puppe mit Absorbtionseinrichtung im Zuschauerraum des Puppentheaters.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

Konzert-Experiment wird mit 650.000 Euro unterstützt

Stefan Moritz, Leiter der klinischen Infektiologie des Universitätsklinikums Halle, steht im Zuschauerraum des Puppentheaters der Stadt.
Stefan Moritz, Leiter der klinischen Infektiologie des Universitätsklinikums Halle, steht im Zuschauerraum des Puppentheaters der Stadt.  © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

An dem Experiment unter Leitung der Universitätsmedizin Halle sind Experten der Technischen Universität (TU) Berlin und der Charité Universitätsmedizin beteiligt. Es werde mit 650.000 Euro unterstützt, vom Land Sachsen-Anhalt, vom Bund und der TU Berlin.

Das Konzert-Experiment unter dem Motto "Restart -19" mit Popstar Tim Bendzko 2020 in der Arena Leipzig hatte unterm Strich ergeben, dass große Kultur- und Sportveranstaltungen in Hallen auch während einer Pandemie möglich sind.

Allerdings nur unter Bedingungen - mit weniger Zuschauern als sonst, einem adäquaten Belüftungssysteme mit Frischluftzufuhr, strengen Hygiene- und Abstandsregeln, permanenter Maskenpflicht und Kontrollen.

Titelfoto: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa

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