Sachsen-Anhalt: AfD-Anhänger wittern Wahlbetrug wegen Fake-Post

Sachsen-Anhalt - Die AfD ist nicht stärkste Kraft – und einige Wähler in Sachsen-Anhalt sind deswegen ziemlich enttäuscht. Gefrustete und Ungläubige stürzten sich vor allem auf einen Fake-Tweet.

Wahlhelfer beim Auszählen der Briefwahl in Sachsen-Anhalt werten die Stimmen nach einer Schulung aus und werden dabei überwacht.
Wahlhelfer beim Auszählen der Briefwahl in Sachsen-Anhalt werten die Stimmen nach einer Schulung aus und werden dabei überwacht.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dp

Den Umfragen war dieses Ergebnis bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt nicht anzusehen: Die CDU siegt mit klarem Abstand von 36,9 Prozent vor der AfD mit 21,4 Prozent (Hochrechnung ARD 20.54 Uhr).

Damit konnte die Partei um Spitzenkandidat Rainer Haseloff (67, CDU) sogar ganze 7 Prozentpunkte mehr Stimmen als bei der Wahl 2016 einheimsen. Zuvor hatte die AfD in einigen Umfragen mit der CDU gleichauf gelegen.

Deswegen fielen die Reaktionen ihrer Anhänger nicht nur überrascht, sondern auch sehr enttäuscht aus. Doch beim Frust der AfD-Fans blieb es nicht.

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Sachsen-Anhalts ehemaliger AfD-Chef André Poggenburg (46, parteilos) teilte auf Twitter ein Foto, auf dem Wahlhelfer zu sehen waren, dazu der Kommentar: "Macht euch keine Sorge, unser ganzes Team ist darauf vorbereitet der #fckafd keine Chance zu lassen und gegebenenfalls die Stimmen zu entwerten."

Zusätzlich zur angekündigten Wahlfälschung fügte der Account, der mit seinem zweifelhaften Namen nicht gerade mit Seriosität bestach, seine angebliche Überzeugung hinzu: "Wählt Grün, denn nur so geht demokratie (sic!) und Umweltschutz".

Der Post ging durch die Decke, und schon kurze Zeit später trendete "Wahlbetrug". Zahlreiche Menschen teilten ihren Unglauben über das Wahlergebnis mit, manche zogen sogar Vergleiche zur DDR. Andere regten sich über die "Links- und Grünextremisten" auf, die die Wahl "manipuliert" hätten, oder äußerten ihren Verdacht, dass das in Deutschland ja ganz normal sei. Aufschreie wurden laut, gegen den Veröffentlicher solle ermittelt werden.

Wahlhelfer in Sachsen-Anhalt: "Übernehmt doch selbst Verantwortung!"

Sachsen-Anhalt: Betrugs-Vergleiche zur US-Wahl

Ein glücklicher Sieger: Rainer Haseloff (67, CDU) führt nach ersten Hochrechnungen deutlich - AfD-Fans nehmen ihm das übel.
Ein glücklicher Sieger: Rainer Haseloff (67, CDU) führt nach ersten Hochrechnungen deutlich - AfD-Fans nehmen ihm das übel.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Recherchen des Tagesspiegels und von TAG24 allerdings belegten, dass das geteilte Foto ein Fake war: Es stammte nicht von dieser Wahl in Sachsen-Anhalt wie gedacht, sondern hatte einen ganz anderen Ursprung!

Das Foto hatte bereits zur US-Wahl kursiert und war im Bundesstaat Maine aufgenommen worden. Die Suchmaschine Yandex hilft, wenn man Bilder dergleichen rückverfolgen will. Zusätzlich dazu schrieben Experten, dass der User ziemlich sicher ein Fake-Account sei.

Eine Userin brachte die Gerüchte und Kommentare auf den Punkt: "Wer Wahlbetrug wittert, ist herzlich eingeladen beim Auszählen zu helfen und Verantwortung zu übernehmen. As easy as that."

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Der Satiriker Abdelkarim ging noch weiter und meinte "Wahlbetrug ist, wenn eine Partei Verfassungsrechte nutzt, um verfassungsfeindliche Werte durchzusetzen."

Der heute-show-Comedian kennt sich mit rechten Spinnern aus: Erst im letzten Jahr war er während einer Demonstration von reichsbürgernahen Querdenkern zusammengeschlagen worden, obwohl er eigentlich nur über die Proteste berichten wollte. Andere User zogen Vergleiche zu der US-Wahl, wo Verlierer Donald Trump (74) ebenfalls seine Gegner dem Wahlbetrug beschuldigte.

Die Angst, dass bei der Stimmabgabe geschummelt werden könnte, hatten die Sachsen-Anhalter vielleicht vor allem bei einer Sache: skeptisch waren sie vor allem bei der Briefwahl. Nur 14 Prozent beantragten, per Post ihr Votum für eine Partei zu geben.

Zum Vergleich: In Rheinland-Pfalz im März waren es laut der Zeit rund 40 Prozent. Die genauen Zahlen für die Wahlbeteiligung stehen noch nicht fest, aber laut der ARD könnten sie bei 61,5 Prozent liegen. Damit liegt Sachsen-Anhalt unter Bundesdurchschnitt.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dp

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